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Medizin

17. Juli 2020 sALCL: Therapiefortschritte mit Brentuximab Vedotin

Das systemisch anaplastische großzellige Lymphom (sALCL) ist ein Subtyp des peripheren T-Zell-Lymphoms (PTCL), das aggressiv wächst und ohne Behandlung i.d.R. rasch progredient verläuft. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab Vedotin (ADCETRIS®) steht nun als neue Option für die Erstlinientherapie bei erwachsenen sALCL-Patienten zur Verfügung. Prof. Dr. Lorenz Trümper, Göttingen, erläuterte wichtige Aspekte zur Erkrankung und Behandlung.
PTCL sind mit einem Anteil von 10% aller Lymphome in Deutschland selten und haben eine deutlich schlechtere Prognose als die vergleichbaren B-Zell-Lymphome. In Deutschland erkranken etwa 1.000 Patienten, darunter mehr Männer als Frauen, pro Jahr an einem PTCL. Das ALCL gehört zu den häufigsten PTCL-Formen, wobei das kutane und das systemische ALCL unterschieden werden, und das sALCL wiederum in die prognostisch unterschiedlichen Subentitäten ALK-positiv (ALK+) und ALK-negativ (ALK-) unterteilt wird. ALK+ (60%) und ALK- (40%) sALCL sehen gleich aus, haben aber eine unterschiedliche Prognose. ALK+ sind i.d.R. jüngere Patienten (median 30 Jahre), bei ALK- Patienten liegt das Altersmedian bei 55-60 Jahren.

ALK+ und ALK-: unterschiedliche Prognose

ALK- sALCL zeichnen sich durch eine deutlich schlechtere Prognose aus, während das ALK+ Lymphom in niedrigen Stadien allgemein eine gute Prognose hat, im fortgeschrittenen Stadium ist sie aber deutlich schlechter. Registerdaten haben gezeigt, dass die Heilungswahrscheinlichkeit unter der jetzigen Therapie, d.h. vor dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab Vedotin, bei einem Patienten mit einem ALK- Lymphom bei 5 Jahren bei ca. 40% liegt, für das ALK+ bei 80%. Andere Daten haben ergeben, dass beim ALK+ sALCL die 5-Jahres-Krankheitsfreiheit oder das 5-Jahres-Gesamtüberleben (OS) bei den niedrigen Risikogruppen relativ gut ist (80-90%); bei denjenigen, die mehr Risikofaktoren haben, älter sind und eine weiter fortgeschrittene Erkrankung haben, ist die Prognose jedoch lange nicht mehr so gut: In Stadium 4 und 5 beträgt das 5-Jahres-OS nur 33%. Die Mehrheit der Patienten mit ALK- sALCL erreicht kein Langzeitüberleben oder eine langfristige Remission, und trotz der insgesamt besseren Prognose der ALK+ sALCL-Patienten versterben 2 von 3 Patienten mit einem IPI (Internationaler Prognostischer Index)-Score > 2 innerhalb von 5 Jahren, d.h., dass ALK+ sALCL-Patienten mit einem IPI ≥ 2 eine schlechte Prognose haben. Eine richtig gute Prognose haben nur die Patienten, die sonst keine Risikofaktoren aufweisen (IPI 0 oder 1). „Daher geht es darum, die Therapie bei diesen Patienten durch neue Medikamente bzw. durch Kombinationsmedikation zu verbessern. Die Erkrankung tritt häufig im fortgeschrittenen Stadium in Erscheinung, sodass die Patienten sehr zügig behandelt werden müssen“, betonte Trümper.

Therapieprinzip Brentuximab Vedotin liefert überzeugende Ergebnisse

Im Mai 2020 wurde Brentuximab Vedotin in Kombination mit CHP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Prednison) zur Behandlung erwachsener Patienten mit sALCL zugelassen. Die Zulassung zur Erstlinienbehandlung von Patienten mit sALCL sei ein bedeutender Meilenstein, so Trümper, denn das neue Therapieprinzip verbessert das progressionsfreie Überleben dieser Patienten gegenüber dem Standard-Chemotherapieprotokoll CHOP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) signifikant ohne zusätzliche Toxizität, wie die Phase-III-Zulassungsstudie ECHELON-2 zeigen konnte. Die Studie umfasste Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung oder Erkrankung mit ungünstiger Prognose: 80% hatten eine Erkrankung im Stadium 3 oder 4, bei 78% war der IPI ≥ 2, und 69% der sALCL-Patienten hatten eine ALK- Erkrankung. „ECHELON-2 demonstrierte, dass Brentuximab Vedotin plus CHP wirksamer ist als der bisherige Standard CHOP. Mit der Zulassung gibt es nun eine dringend benötigte Behandlungsoption“, resümierte Trümper.

ah

Quelle: Launch-Pressekonferenz „Zielgerichteter Fortschritt in der Therapie des sALCL: Brentuximab Vedotin (ADCETRIS®) zur Erstlinientherapie zugelassen.“ 10.06.2020


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