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Medizin
01. März 2021

r/r DLBCL und r/r MCL: Axicabtagen-Ciloleucel und autologe Anti-CD19-transduzierte CD3+ Zellen versprechen langfristige Remissionen

Durch die Zulassung der CAR-T-Zelltherapie z.B. mit Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta®) zur Behandlung des refraktären/rezidivierten großzelligen B-Zell-Lymphoms (r/rDLBCL) hat sich die Chance der Patienten auf eine Langzeitremission signifikant verbessert. Neue Perspektiven für Patienten mit refraktärem/rezidiviertem Mantelzell-Lymphom (r/r MCL) eröffnen sich durch die bedingte Zulassung von Tecartus® (autologe Anti-CD19-transduzierte CD3-positive Zellen) im Dezember 2020.
Die Prognose der jüngeren Patienten mit DLBCL, die in der Erst - oder Zweitlinientherapie nicht auf eine Immun-Chemotherapie ansprachen sowie für alle älteren Patienten mit Progress bzw. Rezidiv war bislang sehr ungünstig. Das mediane Überleben betrug nur ca. 6 Monate und weniger als 20% erreichten noch langfristige Remissionen (1), berichtete Prof. Bertram Glaß, Berlin-Buch. Durch die Zulassung der CAR-T-Zell-Therapie besserte sich ihre Situation deutlich. CAR-T wie Axicabtagen-Ciloleucel erzielten in den Zulassungsstudien bei ca. 80% der Patienten Remissionen. Etwa 35–40% profitierten langfristig. Das Gesamtüberleben in der Zulassungsstudie ZUMA-1 (2) für Axicabtagen-Ciloleucel betrug 44% nach 4 Jahren.

Axicabtagen-Ciloleucel ist seit August 2018 zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach zwei oder mehr systemischen Therapien. Inzwischen stehen erste Real-World-Daten von 298 Patienten aus den USA zur Verfügung (3). Das Patientenkollektiv entsprach laut Glaß dem aus der Zulassungsstudie, mit dem Unterschied, dass mehr Patienten mit schlechterem Allgemeinzustand  enthalten waren und ein etwas geringerer Anteil refraktärer Patienten. Die Wirksamkeit und die Toxizitäten waren vergleichbar mit den Daten aus der Zulassungsstudie, sagte Glaß. Es wurden 30-40% Langzeitremissionen erzielt. Als ein wichtiger prognostischer Faktor für das Langzeitüberleben erwies sich das LDH. Patienten mit hohem LDH hatten ein kürzeres PFS als Patienten mit normalen LDH-Werten.

Das r/r MCL hat häufig einen aggressiven Verlauf, erklärte Prof. Martin Dryling, München. Nach einem Versagen von Ibrutinib ohne Folgetherapie sei die Prognose besonders schlecht. Das mediane Gesamtüberleben liegt dann bei lediglich 5,8 Monaten (4). Das Therapieversagen nach Ibrutinib war ein Einschlusskriterium in die ZUMA-2-Studie (5), in die erwachsene Patienten mit einem r/r MCL eingeschlossen wurden, die 1-5 Vortherapien, darunter einen BTK-Inhibitor erhalten hatten. Die Patienten waren im Median 65 Jahre alt, 84 % waren männlich. Die Zahl der Vortherapien lag im Median bei drei.
 
Die ersten 60 mit autologen Anti-CD19-transduzierten CD3-positiven Zellen behandelten Patienten wurden 6 Monate nach Krankheitsbeurteilung in Woche 4 nach Infusion bezüglich ihres Ansprechens ausgewertet. In diesem a priori definierten Analyseset mit 60 Patienten betrug die objektive Ansprechrate (Objective Response Rate, ORR) 93% mit einer Rate an kompletten Remissionen (CR) von 67%. Nach einem medianen Follow-up von 17,5 Monaten waren 48% der Patienten weiterhin in Remission. Die mediane Zeit bis zum Ansprechen betrug einen Monat.       
 
Die ersten 28 behandelten Patienten hatten einen medianen Follow-up von 32,3 Monaten (Spanne: 30,6–37,6).  39% dieser Patienten befinden sich ohne zusätzliche Therapie weiterhin in Remission. Dreyling zufolge ist dies ein Hinweis darauf, dass die Remission über einen längeren Zeitraum gehalten werden kann. Besonders profitieren jene Patienten, die eine komplette Remission erreichten. Von ihnen waren 92% nach 15 Monaten noch am Leben und 75% weiterhin progressionsfrei. Das mediane Überleben wurde noch nicht erreicht.

Die bedeutendsten und am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen waren das Zytokin- Freisetzungssyndrom (CRS) (91%), Infektionen (56%) und Enzephalopathie (51%). Bei 15% der Patienten trat ein CRS ≥ Grad 3 auf, jedoch erholten sich alle Patienten davon. 68% hatten neurologische Nebenwirkungen (33 % ≥ Grad 3). 47 von 56 Patienten erholten sich davon. Bei den meisten Patienten (85%) trat das erste CRS oder neurologische Ereignis innerhalb der ersten sieben Tage nach der Infusion auf (6). Eine aktualisierte Sicherheitsanalyse ergab keine neuen CRS-Fälle bzw. Grad 5-Ereignisse seit der vorangegangenen Analyse (5).

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Virtuelle Pressekonferenz "Chancen der CAR-T-Zelltherapie beim rezidivierten/refraktären Mantelzell- Lymphom und rezidivierten/refraktären diffus großzelligen B-Zell-Lymphom“, 17.02.2021; Veranstalter: Gilead Sciences

Literatur:

(1) Crump M, Blood 2017; 130(16):1800-1808
(2) Neelapu SS et al. N Engl J Med 2017;377(26):2531-44
(3) Nastoupil L et al. J Clin Oncol 2020;38:3119-3128
(4) Kumar A et al. Blood Cancer J 2019;9(6):50
(5) Wang M et al. ASH 2020; oral presentation #1120
(6) Fachinformation Tecartus®, Stand Dezember 2020
 


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