Samstag, 21. September 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

28. Juni 2019 r/r Non-Hodgkin-Lymphome: Längerfristig hohe Remissionsraten unter Axicabtagen-Ciloleucel

Für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) bzw. primär mediastinalem B-Zell-Lymphom (PMBCL) gab es bis vor kurzem nur unzureichende Behandlungsmöglichkeiten. Das habe die SCHOLAR-1-Studie gezeigt, sagte Dr. Reuben Benjamin, London (GB), auf einem Symposium im Rahmen der 45. Jahrestagung der European Society for Blood and Marrow Transplantation EBMT. In dieser Metaanalyse von 2 randomisierten Phase-III-Studien und 2 Registern sprachen lediglich 26% der Patienten auf eine Salvage-Therapie an (1). Das mediane Gesamtüberleben betrug 6,3 Monate (1). Eine Chance auf bessere Prognosen bieten CAR-T-Zelltherapien wie Axicabtagen-Ciloleucel.
Anzeige:
Kostimulation verlängert Lebensdauer der CAR-T-Zellen

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden Patienten körpereigene T-Lymphozyten entnommen, genetisch mit einem chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet, und anschließend reinfundiert. Die CAR-T-Zellen können dann B-Lymphozyten gezielt erkennen und bekämpfen.
Axicabtagen-Ciloleucel zählt zur zweiten Generation der CAR-T-Zelltherapien und trägt einen CAR, der das B-Lymphozyten-Antigen CD-19 sowie die kostimulatorische Domäne CD28 und die Signaldomäne CD3-zeta enthält (2). Die Kostimulation verbessert die Expansion und Lebensdauer der CAR-T-Zellen im Vergleich zu Produkten ohne kostimulatorische Domänen, wie Benjamin ausführte. Die Zulassung von Axicabtagen-Ciloleucel erfolgte auf Basis der Ein-Jahres-Daten der ZUMA-1-Studie, die Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL oder PMBCL einschloss (3). Eine neue Auswertung wurde nun nach median 27,1 Monaten präsentiert. Damit ist Axicabtagen-Ciloleucel die CAR-T-Zelltherapie mit der bislang längsten Beobachtungsdauer.

Konsistente Wirksamkeit auch in Subgruppen und im Praxisalltag

„Von 101 Patienten erreichten 83% ein objektives Ansprechen, was der primäre Endpunkt war, 58% ein komplettes und 39% ein anhaltendes“, berichtete Dr. Fred Locke, Tampa/Florida, USA. Von den Patienten, die nach 12 Monaten anhaltend angesprochen hatten, taten dies 93% auch noch nach 24 Monaten (4). 51% der 101 Patienten waren zu diesem Zeitpunkt noch am Leben – deutlich mehr als in der SCHOLAR-1-Studie, in der nach 24 Monaten nur noch 20% der Patienten lebten, wie Locke betonte. Dabei war Axicabtagen-Ciloleucel über alle erfassten Subgruppen hinweg vergleichbar wirksam (4). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 5,9 Monate für die Gesamtpopulation und war noch nicht erreicht für Patienten in kompletter Remission. Das mediane Gesamtüberleben war zum Zeitpunkt der Auswertung ebenfalls noch nicht erreicht (4). Bei all dem zeigte Axicabtagen-Ciloleucel auch im zweiten Beobachtungsjahr ein positives Nutzen-Risiko-Profil. Ein schwerwiegendes Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS), schwerwiegende neurologische Nebenwirkungen und Infektionen (jeweils ≥ Grad 3) wurden bei 11%, 32% bzw. 28% der Patienten beobachtet (4).
Im Vergleich zur ersten Auswertung (nach 11,7 Monaten medianer Nachbeobachtungszeit) (3) seien keine neuen Fälle von CRS, neurologischen Nebenwirkungen und Tod mit Bezug zur Therapie hinzugekommen. Die Evidenz für Axicabtagen-Ciloleucel wird aktuell durch Daten aus dem Praxisalltag ergänzt. Sie stammen aus 2 retrospektiven Analysen von Kohorten in den USA mit insgesamt 378 Patienten aus 23 Zentren (5,6). Locke erklärte, dass über mehrere Zentren hinweg, die Axicabtagen-Ciloleucel als Standardtherapie einsetzen, die Ansprechraten und die Häufigkeit der Nebenwirkungen ähnlich wie die in ZUMA-1 beschriebenen waren.

Leitlinienempfehlung für die CAR-T-Zelltherapie

Mit Axicabtagen-Ciloleucel steht daher eine Therapie zur Verfügung, die die Perspektive von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL oder PMBCL im Vergleich zu bisherigen Optionen deutlich verbessern kann (1,4). Prof. Dr. Norbert Schmitz, Münster, geht dementsprechend davon aus, dass Betroffene künftig vermehrt CAR-T-Zelltherapien erhalten werden. Als Gründe nannte er die seiner Ansicht nach meist unbefriedigenden Ergebnisse der Hochdosis-Chemotherapie und der autologen Stammzelltransplantation sowie die beträchtliche Morbidität und Mortalität der allogenen
Stammzelltransplantation in diesem Kollektiv. In der aktuellen DGHO-Leitlinie wird die CAR-TZelltherapie bei Patienten mit mindestens 2 Vortherapien als erfolgversprechende Alternative zur allogenen Stammzelltransplantation empfohlen (7).

Weitere Indikationen in Prüfung

Axicabtagen-Ciloleucel wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL und PMBCL nach 2 oder mehr systemischen Therapien. Derzeit wird es in weiteren Indikationen untersucht, unter anderem als Zweitlinientherapie im DLBCL und bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer chronisch lymphatischer Leukämie. Kontakt für interessierte Ärzte bezüglich Zentren, die bereits für eine Therapie mit Axicabtagen-Ciloleucel qualifiziert sind: DEMedical.Information@gilead.com

Quelle: Gilead

Literatur:

(1) Crump M et al. Blood 2017; 130 (16): 1800-1808.
(2) Savoldo B et al. J Clin Invest 2011; 121: 1822.
(3) Fachinformation Yescarta®, Stand April 2019.
(4) Locke FL et al. Lancet Oncol 2019; 20: 31-42.
(5) Jacobson CA et al. Blood 2018; 132: 92; doi: https://doi.org/10.1182/blood-2018-99-117199.
(6) Nastoupil LJ et al. Blood 2018; 132: 91; doi: https://doi.org/10.1182/blood-2018-99-114152.
(7) DGHO-Leitlinie Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, 2018.


Das könnte Sie auch interessieren

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der beruflichen Rehabilitation ein breites Spektrum, um die...

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs

Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs
© Merck Serono

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute bekannt gegeben, dass es sich auch in diesem Jahr an der Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs beteiligt. Diese wird zum vierten Mal von der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft (engl.: European Head and Neck Society, EHNS) initiiert und findet vom 19. bis 23. September 2016 statt. Im Rahmen der europaweiten Aktivitäten veranstalten mehrere deutsche Kliniken und Kopf-Hals-Zentren Patiententage und bieten...

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu
© Expensive / fotolia.com

Eine Krebserkrankung hinterlässt Spuren, körperliche und seelische. Für Patientinnen ist es manchmal schwer, über ihre Empfindungen und Ängste zu sprechen. Umso belastender kann es sein, die mit der Krankheit häufig einhergehende Beeinträchtigung der Sexualität in Worte zu fassen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bietet Unterstützung an – auch bei Fragen, die viele als heikel empfinden.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"r/r Non-Hodgkin-Lymphome: Längerfristig hohe Remissionsraten unter Axicabtagen-Ciloleucel"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.