Sonntag, 22. September 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

25. Februar 2019 r/r CLL: Überlegenheit der Venetoclax-Rituximab-Therapie gegenüber Standard-Chemoimmuntherapie

Die Kombinationstherapie aus Venetoclax (Ven) und Rituximab (R), die bei rezidivierender/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (r/r CLL) über einen begrenzten Zeitraum von 24 Monaten gegeben wird, ist der Standard-Chemoimmuntherapie (Bendamustin/ Rituximab, BR) auch nach einer medianen Beobachtungszeit von 36 Monaten hinsichtlich Überlebensparameter und tiefer Remissionen deutlich überlegen. Das zeigen die Nachbeobachtungs-Daten (1) zur Phase III-Studie MURANO. Diese Studie hatte kürzlich zu einer Zulassungserweiterung für Venetoclax in dieser Indikation geführt (2).
Anzeige:
Die geschätzte Rate für den primären Endpunkt progressionsfreies Überleben (PFS = progression free survival) lag im VenR-Behandlungsarm nach im Median 36 Monaten bei 71,4% (95%-Konfidenzintervall [CI]: 0,64-0,78). Im BR-Behandlungsarm hingegen lag sie bei 15,2% (CI: 0,09-0,21) (Hazard Ratio [HR] = 0,16; CI: 0,12-0,23). Auch die Rate für das Gesamtüberleben (OS = overall survival) nach 3 Jahren lag bei VenR über der im BR-Vergleichsarm (87,9% vs. 79,5%; HR: 0,50; CI: 0,30-0,85) und dies, obwohl im BR-Arm bei Progression anschließend ein hoher Anteil an neuen, zielgerichteten Substanzen eingesetzt wurde.  

Tiefe Remissionen: besseres Outcome für MRD-negative Patienten

Im Rahmen der MURANO-Studie waren bislang in der Therapie der r/r CLL unerreicht hohe Raten an MRD-Negativität* (MRD = minimal residual disease) gemessen worden (2). Zu Ende der Kombinationstherapie (EOCT = end of combination therapy**) waren im VenR-Arm 62,4% Patienten MRD-negativ gegenüber 13,3% im BR-Behandlungsarm. Nach Ende der begrenzten Therapiedauer von 2 Jahren waren im VenR-Arm 63,8% MRD-negativ. Der MRD-Status korrelierte dabei mit einem verlängerten PFS: 97,6% der Patienten, die nach Absetzen der VenR-Therapie eine MRD-Negativität erreichten, waren nach im Median 9,9 Monaten progressionsfrei. Auch fällt der MRD-Status offenbar für die Prognose stärker ins Gewicht als das klinische Ansprechen: Patienten im VenR-Behandlungsarm mit partieller Remission (PR) und negativem MRD-Status schnitten in Hinblick auf das PFS vergleichbar mit Patienten mit vollständiger Remission (CR) und negativem MRD-Status ab (1).

Hinweise auf prognostischen Wert des MRD-Status unter VenR

Tiefe Remissionen einschließlich MRD-Negativität im peripheren Blut oder Knochenmark gehen bei Chemoimmuntherapien mit verlängertem PFS und Gesamtüberleben einher (4-8). Ob diese Korrelation von negativem MRD-Status und verbesserter Prognose auf chemotherapiefreie Regime übertragbar ist, wird derzeit noch exploriert. Die vorliegende Auswertung gibt jedoch Hinweise auf die hohe Aussagekraft des MRD-Status für den Behandlungserfolg im Rahmen einer VenR-Kombinationstherapie bzw. seine Bedeutung für die patientenindividuelle Prognose (1).

* MRD-Negativität liegt definitionsgemäß dann vor, wenn weniger als eine CLL-Zelle pro 10.000 Leukozyten im peripheren Blut oder im Knochenmark nachweisbar ist (3).
** EOCT ist definiert als letzte Gabe Rituximab (Tag 1 Zyklus 6) + 8-12 Wochen.

Quelle: AbbVie

Literatur:

(1) Kater AP et al. Fixed Duration of Venetoclax-Rituximab in Relapsed/Refractory Chronic Lymphocytic Leukemia Eradicates Minimal Residual Disease and Prolongs Survival: Post-Treatment Follow-Up of the MURANO Phase III Study. J Clin Oncol 2018; DOI: 10.1200/JCO.18.01580.
(2) Seymour JF et al. Venetoclax-Rituximab in Relapsed or Refractory Chronic Lymphocytic Leukemia. N Engl J Med 2018; 378 (12): 1107-1120.
(3) Hallek M et al. Guidelines for the diagnosis and treatment of chronic lymphocytic leukemia: a report from the International Workshop on Chronic Lymphocytic Leukemia updating the National Cancer Institute-Working Group 1996 guidelines. Blood 2008; 111 (12): 5446-5456.
(4) Thompson PA, Wierda WG. Eliminating minimal residual disease as a therapeutic end point: Working toward cure for patients with CLL. Blood 2016; 127(3): 279-286.
(5) Kovacs G et al. Minimal residual disease assessment improves prediction of outcome in patients with chronic lymphocytic leukemia (CLL) who achieve partial response: comprehensive analysis of two phase III studies of the German CLL Study Group. J Clin Oncol 2016; 34 (31): 3758-3765.
(6) Ritgen M et al. Quantitative MRD is prognostic for progression-free and overall survival in elderly patients receiving chlorambucil alone or with obinutuzumab/rituximab: a prospective analysis of the GCLLSG CLL11 study. Abstract S428. Presented at the 21st Congress of the European Hematology Association, 9-12 June, 2016. Copenhagen, Denmark.
(7) Kwok M et al. Minimal residual disease is an independent predictor for 10-year survival in CLL. Blood 2016; 128 (24): 2770-2773.
(8) Böttcher S et al. Minimal residual disease quantification is an independent predictor of progression-free and overall survival in chronic lymphocytic leukemia: a multivariate analysis from the randomized GCLLSG CLL8 trial. J Clin Oncol 2012; 30 (9): 980-988.


Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

In Deutschland erkranken jährlich circa 9000 Menschen an Leberkrebs – und die Häufigkeit der Erkrankung nimmt deutlich zu. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt. Ein gängiges Verfahren zur Diagnose dieser Erkrankung ist die Ultraschalluntersuchung: Mithilfe der modernen Sonografie lässt sich gutartiges Gewebe sehr exakt von bösartigem unterscheiden. Wenn die Ultraschalldiagnostik mit speziellen Bluttests kombiniert wird,...

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten
Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine repräsentative Umfrage* vom Dezember 2017 hat gezeigt: Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist aus Sicht vieler Befragter Defizite auf. Bemängelt wurden lange Wartezeiten auf Arzttermine, weite Wege und weniger Informationsmöglichkeiten. Auch für Krebspatienten und ihre Angehörigen kann diese Situation belastend sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ersetzt keinen Arzttermin, er bietet aber Antworten auf...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"r/r CLL: Überlegenheit der Venetoclax-Rituximab-Therapie gegenüber Standard-Chemoimmuntherapie "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.