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Medizin
06. März 2020

Registerdaten zu CAR-T-Zell-Therapien sind mit Ergebnissen der Zulassungsstudien vergleichbar

„Die Erstlinientherapie beim diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist sehr effektiv, allerdings kommt es bei etwa 30% der Patienten zu einem Rezidiv“, erklärte Prof. Dr. Lars Bullinger, Berlin. Die Prognose dieser Patienten ist sehr ungünstig. Mittlerweile steht einigen Patienten in dieser Situation die CAR-T-Zell-Therapie zur Verfügung. Die Zulassung von Tisagenlecleucel (Kymriah®) basierte auf der JULIET-Studie, einer Phase-II-Studie mit 115 Patienten. Da sich in klinischen Studien nicht immer das gleiche Patientengut wie in der Klinikrealität wiederfindet, stellte sich die Frage, ob die Patienten auch im klinischen Alltag im gleichen Maße profitieren können. Dazu wurden die Studienergebnisse mit Daten des CIBMTR (Center for International Blood and Marrow Transplant Research)-Registers verglichen.
Wie PD Dr. Simone Thomas, Regensburg, erklärte, konnte gezeigt werden, dass die Raten für Gesamtansprechen (ORR: 58% im Register vs. 52% in JULIET), Komplettansprechen (CR: 40% vs. 38%), Dauer des Ansprechens (DoR: 75% vs. 76%), progressionsfreies Überleben (PFS: nach 6 Monaten 33% vs. 39%) und Gesamtüberleben (OS: nach 6 Monaten: 67% vs. 61%) im Register mit den in der JULIET-Studie ermittelten übereinstimmten (1). Wie Thomas weiter ausführte, seien an möglichen Nebenwirkungen unter CAR-T-Zell-Therapie besonders das Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und Neurotoxizitäten gefürchtet. „Diesbezüglich schienen die Daten im Register sogar besser zu sein als in der JULIET-Studie“, sagte Thomas.  

Vergleichbare Daten

Eine weitere retrospektive Analyse, die Thomas vorstellte, untersuchte das klinische Outcome und Toxizitäten von Axicabtagen Ciloleucel (axi-cel) und Tisagenlecleucel bei rezidivierten/refraktären aggressiven B-Zell-Lymphomen anhand von Patientendaten aus 8 US-Zentren (2). Evaluiert wurden Patienten, bei denen eine Apherese zur kommerziellen Herstellung und Anwendung von axi-cel oder Tisagenlecleucel durchgeführt wurde. Von insgesamt 242 Patienten wurden 163 Patienten mit axi-cel und 79 Patienten mit Tisagenlecleucel behandelt. Davon konnte bei 149 Patienten (axi-cel) bzw. 75 Patienten (Tisagenlecleucel) eine Infusion der CAR-T-Zellen durchgeführt werden. Die Ergebnisse wurden jeweils mit den Daten der beiden zulassungsrelevanten Studien (ZUMA-1 und JULIET) verglichen. Und auch hier erwiesen sich die CR-Raten zwischen den Daten der Zulassungsstudien und den jeweiligen kommerziell verabreichten Produkten als vergleichbar: 90 Tage nach der Infusion der Zellen betrug die ORR unter axi-cel 52% und unter Tisagenlecleucel 48% (jeweils mit 39% CR). In Hinblick auf schwere Nebenwirkungen waren aber Unterschiede erkennbar. CRS Grad ≥ 3 wurden bei 13% im axi-cel-Arm und bei 1% im Tisagenlecleucel-Arm beobachten, Neurotoxizitäten Grad ≥ 3 traten bei 41% unter axi-cel und bei 3% unter Tisagenlecleucel auf. „Die Behandlung mit Tisagenlecleucel scheint verträglicher zu sein“, so das Resümee von Thomas.

Herausforderung im klinischen Alltag

Wie Prof. Dr. Michael von Bergwelt, München, erläuterte, stellt eine CAR-T-Zell-Therapie eine sehr komplexe Form der Behandlung dar, die einer interdisziplinären Zusammenarbeit, entsprechenden Strukturanpassungen und Personalschulungen bedarf. Die CAR-T-Zell-Therapien seien daher derzeit nur in qualifizierten Zentren zugelassen. Darüber hinaus wären noch einige Fragen in Zukunft zu klären. Beispielsweise müsse der Einsatz in frühen Therapielinien getestet werden. Des weiteren müssten durch künftige Forschung das Verständnis von Resistenzmechanismen und ein sich möglicherweise daraus ergebendes Potenzial für Kombinationstherapien evaluiert werden. Ebenso wünschenswert wäre seiner Meinung nach die Herstellung verbesserter Produkte, die v.a. mit verkürzten Herstellungsprozessen die Schwierigkeiten, die mit Bridging-Therapien einhergingen, eingrenzen könnten. „Für viele mögliche Therapien vor der Leukapherese sind mittlerweile bestimmte Auswaschzeiten empfohlen“, so von Bergwelt. In diesem Zusammenhang betonte er, dass eine Vortherapie mit Bendamustin unbedingt vermieden werden sollte, wenn eine CAR-T-Zell-Therapie in Erwägung gezogen wird.

SK

Quelle: Symposium „CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL“, DKK, Berlin, 20.02.2020; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Jaglowski S et al. Blood (2019) 134 (Supplement_1): 766.
(2) Riedell PA et al. ASH 2019, Abstract 1599.


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