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Medizin

20. September 2017 Rechner ermittelt individuelles Risiko bei Darmkrebs-OP

Eine Operation ist für viele Patienten mit Darmkrebs die wichtigste Behandlungsmöglichkeit. Grundsätzlich sind diese Eingriffe in Deutschland sehr sicher. Das Risiko für Komplikationen hängt zu einem großen Teil von individuellen Voraussetzungen des Patienten, etwa den bestehenden Vorerkrankungen, ab. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie der LMU München, einen Rechner entwickelt, der das individuelle Risiko eines Patienten, bei einer Darmkrebsoperation Komplikationen zu erleiden, mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit kalkuliert. Mit Hilfe dieses Risikoprofilrechners könnten sich Arzt und Patient besser auf die Operation vorbereiten und individuelle Vorsichtsmaßnahmen treffen, sagten Experten der DGAV auf dem Kongress Viszeralmedizin 2017 in Dresden. Das System ist das weltweit erste seiner Art und wird derzeit im Rahmen einer Testphase in mehreren Kliniken eingesetzt.
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„Jeder Patient trägt ein individuelles Risiko, das den Verlauf einer operativen Behandlung beeinflussen kann. Das können Begleiterkrankungen sein wie etwa ein Diabetes, eine Durchblutungsstörung der Schlagadern, eine Lungengerüsterkrankung, aber auch Voroperationen oder das Ausmaß der zu behandelnden Erkrankung“, erklärt Professor Dr. med. Albrecht Stier, Präsident der DGAV.
 
Grundsätzlich sind operative Eingriffe in Deutschland sehr sicher. Um jedoch schon vor der Operation möglichst genau kalkulieren zu können, wie hoch das individuelle Risiko eines Patienten ist – welche Komplikationen also bei welchem Patienten auftreten könnten – wurde der Risikoprofilrechner entwickelt. Gespeist wird er mit Daten des seit 2012 bestehenden Studien-, Dokumentations- und Qualitätszentrums (StuDoQ) der DGAV. Dieses besteht derzeit aus acht Registern, die insgesamt 75.000 Patientenverläufe zu gut- und bösartigen Erkrankungen, vom Schilddrüsenknoten bis zum Mastdarmkrebs, umfassen. Die Daten stammen aus 330 spezialisierten Organzentren in Deutschland und werden von der DGAV ausgewertet. Sie beinhalten für jede dokumentierte Operation Informationen zu Begleiterkrankungen des Patienten, dessen Laborwerte, Vorbehandlungen sowie Komplikationen beim Eingriff und der Nachsorge, wie etwa das Auftreten von Lungenentzündungen, Thrombosen oder Wundheilungsstörungen. Die Register unterliegen dabei strengsten Datenschutzbestimmungen.
 
„Der Risikoprofilrechner speziell für Darmkrebsoperationen basiert derzeit auf den Daten von 16.000 Verläufen von Operationen am Dick- und Mastdarm, die im StuDoQ-Register erhoben und ausgewertet worden sind“, erklärt Professor Dr. med. Heinz-Johannes Buhr, Sekretär der DGAV. „Ziel ist es, den Rechner zukünftig mit mehr Daten weiter zu verfeinern, denn je höher die Datenmenge, desto differenzierter kann dieser Risiken kalkulieren. Es muss immer berücksichtigt werden, dass es sich um statistische Wahrscheinlichkeiten und nicht um absolute Werte handelt.“
 
Das Ziel: Wenn Risiken schon vor der Operation besser abgeschätzt werden können, können sich Arzt und Patient besser auf die anstehende Operation vorbereiten: Nach den Aufklärungsgesprächen wissen beide um die potentiellen Gefahren, können eine erhöhte Achtsamkeit entwickeln und präventiv wirkende Maßnahmen ergreifen.
 
Der Risikoprofilrechner für Darmkrebs-Operationen wird derzeit in mehreren Testkliniken validiert. Erste Ergebnisse seien sehr vielversprechend, so die Experten. Sie schätzen, dass der Rechner ab etwa Anfang 2018 in die breitere Anwendung gehen kann. Langfristiges Ziel sei es, den Rechner auch für andere Operationen, etwa für Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse, aufzusetzen.

Quelle: Viszeralmedizin 2017


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