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Medizin
15. Juni 2020

Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam

Schätzungsweise 20% der Patienten mit Immunthrombozytopenie (ITP) haben die Erkrankung infolge einer anderen Erkrankung entwickelt (sekundäre ITP). Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RA) wie Eltrombopag (Revolade®) sind bisher nur für die Therapie der primären ITP zugelassen, in der Therapie der sekundären ITP wurden sie bislang noch nicht systematisch untersucht. Eine beim Europäischen Hämatologiekongress 2020 (EHA25 Virtual) vorgestellte Studie zeigte nun, dass Eltrombopag auch in der Behandlung der sekundären ITP wirksam ist. Bei einem substanziellen Teil der mit Eltrombopag behandelten Patienten konnte mit dem TPO-RA sogar eine im Mittel 10-monatige Behandlungsfreiheit erreicht werden (1).
In der beim EHA als e-Poster vorgestellten Untersuchung wurden Daten, die in einer elektronischen Patientenakte (electronic health record, EHR) erfasst wurden, zur Behandlung von Patienten mit sekundärer ITP mit Eltrombopag im klinischen Alltag ausgewertet. Als Basis für die Auswertung dienten Daten aus dem US-amerikanischen OPTUM-EHR-Register zwischen 1. Januar 2008 und 31. Dezember 2018. Beim letztlich ausgewerteten Patientenkollektiv waren Mono- und Kombinationstherapien mit Eltrombopag erlaubt. Ausgewertet wurden Patienten mit Diagnose einer sekundären ITP (Diagnosezeitpunkt=Index-Datum), die eine der folgenden die Entwicklung einer ITP prädisponierenden Vorerkrankungen aufweisen mussten: systemischer Lupus erythematodes (SLE), Evans-Syndrom, Antiphospholipid-Syndrom, Immundefizienz-Syndrome, selektiver IgA-Mangel, HIV, Hepatitis C, chronische lymphatische Leukämie (CLL) oder kleinzelliges lymphozytisches Lymphom (SLL). Außerdem musste in der elektronischen Patientenakte eine klinische Aktivität 3 Monate vor und mind. 6 Monate nach der Diagnose der sekundären ITP vermerkt sein. Erfasst wurden die Linie der ITP-Therapie sowie Patientencharakteristika, ferner die Dauer der Therapielinie mit Eltrombopag, das Regime und die Thrombozytenzahl.

Wie Prof. Adam Cuker, Philadelphia, PA, USA, und Kollegen berichteten, erfüllten 166 Patienten, die im Mittel 52,7 Jahre alt waren (6,0% unter 18 Jahre), die genannten Kriterien. Die häufigsten Vorerkrankungen waren Hepatitis C (43,8%), SLE (20,5%) und CLL/SLL (15,1%). Die durchschnittliche Dauer der Index-Eltrombopag-Therapie betrug 6,3 Monate. 130 Patienten (78,3%) erhielten eine Monotherapie mit Eltrombopag, 21,7% erhielten den TPO-RA in Kombination mit anderen ITP-Therapien.
 
Im Mittel lag die Thrombozytenzahl in den 14 Tagen vor Beginn der Eltrombopag-Therapie bei 45.000/µl und erhöhte sich unter der Behandlung mit dem TPO-RA signifikant auf 76.000/µl (p<0,0001). Bei 33,7% der behandelten Patienten konnte Eltrombopag zugunsten einer therapiefreien Periode abgesetzt werden. Bei den Patienten, die die Behandlungsfreiheit erreichten, dauerte diese im Median etwa 10 Monate an.

Laut Cuker et al. macht die Analyse der Real-world-Daten deutlich, dass Eltrombopag auch in der Behandlung der sekundären ITP gut wirksam ist. Bei einem Drittel der Patienten stabilisierte sich die Erkrankung sogar, sodass der TPO-RA abgesetzt werden konnte und die Patienten in eine therapiefreie Phase von im Mittel 10 Monaten Dauer eintreten konnten. Weitere Auswertungen von vorhandenen Real-world-Daten zur Behandlung der sekundären ITP mit Eltrombopag sollten nun folgen, so die Autoren.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: EHA25 Virtual

Literatur:

(1) Cuker A et al. Treatment patterns and outcomes associated with use of eltrombopag in patients with secondary immune thrombocytopenia. EHA25 Virtual, Abstract EP1655.


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