Donnerstag, 26. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 
Medizin

26. September 2019 Fortgeschrittenes RCC: Signifikanter Überlebensvorteil für Erstlinientherapie mit PD-1-Inhibitor + TKI

Für die Kombination aus Pembrolizumab + Axitinib zeigte die Studie KEYNOTE-426 im Vergleich mit Sunitinib ein längeres Gesamt- und progressionsfreies Überleben bei hoher Ansprechrate und guter Sicherheit.
„Das Nierenzellkarzinom ist die Erkrankung mit den meisten verfügbaren Therapien“, berichtete PD Dr. Martin Bögemann, Münster. Zugelassene Substanzen reichen von Sorafenib und Sunitinib über Pazopanib und Axitinib bis zu der kürzlich zugelassenen Kombination aus Ipilimumab plus Nivolumab. Eine ganz neue Therapieoption für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms (RCC) ist jetzt mit Pembrolizumab (Keytruda®) plus Axitinib (Inlyta®) zugelassen. Die Zulassung gilt für alle IMDC-Risikogruppen (International Metastatic Renal Cell Carcinoma Database Consortium) mit guter, intermediärer oder schlechter Prognose.

Die Kombination aus PD-1-Inhibitor + Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) hat in der Phase-III-Studie KEYNOTE-426 (1) seine Wirksamkeit und Sicherheit an 861 Patienten mit neu diagnostiziertem oder rezidiviertem klarzelligen RCC Stadium IV nachgewiesen. Verglichen wurde Pembrolizumab (200 mg i.v. alle 3  Wochen) + Axitinib (5 mg oral zweimal täglich) gegen Sunitinib (50 mg oral einmal täglich für die ersten vier Wochen eines sechswöchigen Behandlungszyklus). Die Baseline-Charakteristika der Patienten, die im Median 62 beziehungsweise 61 Jahre alt und überwiegend männlich waren, waren für beide Behandlungsgruppen vergleichbar. Dualer primärer Endpunkt waren das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS), beurteilt durch einen verblindeten, unabhängigen, zentralen Prüfprozess (BICR) unter Verwendung der Response Evaluation Criteria in Solid Tumors (RECIST) v1.1. Wichtige sekundäre Endpunkte waren die Gesamtansprechrate (ORR) und die Dauer der Response (DOR).

Sterberisiko fast halbiert

Die Auswertung der Daten zeigte signifikante Vorteile zugunsten der neuen Kombination. Das Sterberisiko konnte um 47% reduziert werden (p<0,0001), die Überlebensrate erreichte 89,9% versus 78,3% nach zwölf Monaten und 82,3% versus 72,1% nach 18 Monaten. Das PFS konnte um 31% – von 11,1 Monaten unter Sunitinib auf 15,1 Monate unter der Kombination – verbessert werden (p=0,00012). Die Vorteile für den koprimären Endpunkt zeigten sich über verschiedene relevante Subgruppen hinweg und waren auch unabhängig vom PD-L1-Status mit CPS (Combined Positive Score) <1 und ≥1 oder von der IMDC-Risiko-Kategorie. Die ORR lag bei 59,3% versus 35,7% (p<0,0001), darunter 5,8% Vollremissionen (versus 1,9%) und 53,5% Teilremissionen (versus 33,8%). „Drei von fünf Patienten profitieren – das ist ein extrem optimistisch machendes Ergebnis“, kommentierte Bögemann. Die mediane DOR wurde im Kombinationsarm noch nicht erreicht, im Vergleichsarm lag sie bei 15,2 Monaten.

Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse war in beiden Behandlungsgruppen nicht relevant unterschiedlich. Behandlungsbezogene Nebenwirkungen Grad 3-5 traten bei 62,9% versus 58,1% der Patienten auf – darunter Diarrhoe (54%), Hypertonie (45%), Fatigue (38%), Hypothyreose (35%), Appetitminderung (30%), Hand-Fuß-Syndrom und Übelkeit (je 28%), erhöhte ALT- und AST-Werte (27% und 26%%), sowie Dysphonie (25%), Husten (21%) und Obstipation (21%). Als immunvermittelte Nebenwirkungen können Hypo- und Hyperthyreose, schwere Hautreaktionen oder Hypophysitis auftreten, sowie Hepatitis, Pneumonitis und Kolitis als besonders gefährliche unerwünschte Ereignisse. Darum gilt es, dass die behandelnden Ärzte die Patienten über die möglichen Gefahren und Frühsymptome sorgfältig aufklären, damit solche Nebenwirkungen rechtzeitig erkannt und zum Beispiel mit Kortison gut behandelt werden können.

Auf die positiven Ergebnisse der KEYNOTE-426-Studie hat die European Association of Urology (EAU) bereits reagiert und die Leitlinie entsprechend geändert (2): Für Patienten mit guter Prognose nach Kriterien des IMDC gilt aktuell Pembrolizumab/Axitinib als Standard of Care, bei intermediärer oder schlechter Prognose teilt sich die neue Kombination den Status mit Ipilimumab/Nivolumab. Als Alternative für Patienten, die für Immuncheckpoint-Inhibitoren nicht in Frage kommen, empfiehlt die Leitlinie Sunitinib und Pazopanib für alle Risikogruppen sowie Cabozantinib nur bei intermediärer und schlechter Prognose.

Michael Koczorek

Quelle: Launch Pressekonferenz „Pembrolizumab + Axitinib beim RCC – Neue Kombinationstherapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom“, 71. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), Hamburg, 20. September 2019, Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) Powles T et al., J Clin Oncol 2019; 37(suppl; abstr 543)
(2) Albiges L et al., Eur Urol 2019; 76: 151-156


Anzeige:
Tecentriq
Tecentriq
 

Stichwörter

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Fortgeschrittenes RCC: Signifikanter Überlebensvorteil für Erstlinientherapie mit PD-1-Inhibitor + TKI"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab