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Medizin

03. Mai 2017
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PV und MDS: Aktuelle Behandlungsstrategien für ein verbessertes Therapiemanagement

Ein gesteigerter Aderlassbedarf bei Patienten mit Polycythaemia vera (PV) unter Hydroxyurea(HU)-Therapie ist mit einem erhöhten Risiko für thromboembolische Komplikationen verbunden und kann auf eine HU-Resistenz hindeuten (1). Ruxolitinib (Jakavi®) ermöglicht PV-Patienten mit HU-Intoleranz oder -Resistenz eine effektive Blutbild-Kontrolle (2). Die neue Formulierung von Deferasirox (Exjade®) als Filmtablette erlaubt insbesondere Patienten mit myelodysplastischem Syndrom (MDS) eine wirksame und gut verträgliche Behandlung der transfusionsbedingten Eisenüberladung (3).
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In der Therapie der Polycythaemia vera (PV) und der transfusionsbedingten Eisenüberladung haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Entwicklungen ergeben. Insbesondere die Behandlungsoption Ruxolitinib (Jakavi®) bei PV (4) sowie die Einführung der Deferasirox (Exjade®) Filmtablette (5) erweitern das Therapiespektrum entscheidend, stellten Prof. Martin Griesshammer, Minden, und Prof. Wolf-Karsten Hofmann, Mannheim, auf einer Pressekonferenz in Hannover fest.

Therapieziele bei Polycythaemia vera

In der Behandlung der PV stehen die effektive Kontrolle der trilineären Hyperproliferation, Reduktion des Thromboserisikos sowie Linderung von Symptomen im Vordergrund (6,7). Zur Vermeidung der potentiell lebensbedrohlichen Thromboembolien wird ein Hämatokritwert von unter 45% angestrebt (7). Um diese Ziele zu erreichen, empfehlen die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) den Einsatz von Phlebotomien zusammen mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) (7). Spricht der Patient auf die Behandlung nicht ausreichend an, so sollte eine zytoreduktive Therapie mit Hydroxyurea (HU) eingeleitet werden, die in der Praxis häufig mit einer Aderlasstherapie kombiniert wird (7).

Registerstudie zur Aderlasstherapie bei PV

Inwieweit die Aderlassfrequenz einen Effekt auf das Erreichen der Therapieziele bei PV-Patienten unter HU-Behandlung hat, wurde in einer aktuellen Studie untersucht, deren Ergebnisse Prof. Griesshammer präsentierte (1). In der retrospektiven Analyse des spanischen PV-Registers waren 533 Patienten unter HU-Therapie eingeschlossen; diese wurden in die Gruppen „hoher Aderlassbedarf“ (mindestens 3x pro Jahr) sowie „niedriger Aderlassbedarf“ (maximal 2x pro Jahr) eingeteilt. Es zeigte sich, dass Patienten mit mindestens drei Aderlasstherapien pro Jahr eine schlechtere Hämatokrit-Kontrolle und eine höhere Thromboserate aufwiesen als Patienten, die maximal zweimal pro Jahr einen Aderlass erhielten (Thromboserate: 20,5% vs. 5,3%) (1).

Die Studie verdeutlicht, dass mehr als zwei Phlebotomien pro Jahr zusätzlich zu einer HU-Therapie möglicherweise nicht dazu beitragen, die Therapieziele bei PV zu erreichen, so Prof. Griesshammer. Erzielt ein PV-Patient unter HU-Behandlung nach zwei Phlebotomien pro Jahr keine ausreichende Blutbild-Kontrolle, sollte an eine mögliche HU-Resistenz gedacht werden, fügte er hinzu.

Ruxolitinib: Effektive Blutbild-Kontrolle bei PV

Seit März 2015 bietet der Januskinase(JAK)-Inhibitor Ruxolitinib eine wichtige Therapieoption für PV-Patienten mit HU-Intoleranz und -Resistenz. In der Phase-III-Studie RESPONSE-2 wurde die Wirksamkeit von Ruxolitinib bei dieser Gruppe gegenüber der bisherigen Standardtherapie (Best Available Therapie, BATA) untersucht. Zum Zeitpunkt 28 Wochen nach Studienbeginn erreichten signifikant mehr teilnehmende Patienten im Ruxolitinib-Arm eine Hämatokrit-Kontrolle (62,2% vs. 18,7% unter BAT) (2). Zudem erzielten mehr Studienteilnehmer unter Ruxolitinib als unter BAT eine vollständige hämatologische Remission (23% vs. 5,3%) und wiesen eine höhere Reduktion der Symptomlast auf (2).

Ruxolitinib ermöglicht als Zweitlinientherapie somit eine effektive und anhaltende trilineäre Blutbild-Kontrolle und kann damit das Risiko für Thromboembolien senken, fasste Prof. Griesshammer zusammen. Eine rechtzeitige Umstellung von einer HU-Therapie mit belastenden Phlebotomien bietet PV-Patienten verbesserte Behandlungsperspektiven und kann die Lebensqualität steigern, resümierte der Hämatologe und Onkologe.

Transfusionsbedingte Eisenüberladung: Einfluss auf das Überleben bei MDS-Patienten

Bei polytransfundierten Patienten kann sich bereits nach einer Gabe von etwa 20 Erythrozytenkonzentraten eine Eisenüberladung entwickeln (8). Besonders häufig davon betroffen sind Niedrigrisiko-MDS-Patienten (9). Aufgrund fehlender physiologischer Mechanismen zur Eliminierung des überschüssigen Eisens lagert sich dieses vorwiegend in Gefäßen und Organen ab (10). Die toxische Wirkung beruht dabei auf dem freien, ungebundenen Plasmaeisen (labile plasma iron, LPI), das die Bildung von Sauerstoffradikalen unterstützt. Daraus können Schäden an Mitochondrien und DNA resultieren; gleichzeitig fördert LPI bakterielles Wachstum (10-12). Eisenüberladung führt bei MDS-Patienten zu einer erhöhten Morbidität und hat einen negativen Einfluss auf das Überleben (13).
 
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