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Medizin

09. September 2020 Polycythaemia vera: Die Bestimmung einzelner DNA-Varianten ermöglicht eine effektivere Behandlung

Interferon alpha (IFN-alpha) wird in unterschiedlichen Formulierungen zur Behandlung der Polycythaemia vera (PV) – allerdings ist die Behandlung nicht bei allen Patienten gleich erfolgreich. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung des Molekularbiologen Robert Kralovics von der Abteilung für Laboratoriumsmedizin der MedUni Wien und vom CeMM-Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konnten nun durch genetische Assoziationsstudien zeigen, dass Patienten mit bestimmten, häufig vorkommenden DNA-Varianten nicht ausreichend auf die Behandlung ansprechen. Eine personalisierte Bestimmung der genetischen Faktoren könnte zu verbesserten Behandlungsformen führen.
Bisher gab es keine Erklärung dafür, warum Patienten unterschiedlich auf die Behandlung mit Interferon alpha-basierten Medikamenten ansprechen. Da genetische Faktoren eine entscheidende Rolle spielen können, wurde nun ein möglicher Einfluss von erblichen DNA-Varianten bei PV-Patienten untersucht, die Ropeginterferon alpha-2b erhielten. Dafür wurden genomweite Assoziationsstudien (GWAS) durchgeführt, die jedoch keinen deutlichen Einfluss genetischer Marker auf den Therapieerfolg zeigten. Dies deutet darauf hin, dass alle PV-Patienten unabhängig von den genetischen Faktoren für eine Behandlung mit IFN-alpha geeignet sind.
 
Bestimmung des IFNL4-Diplotyp-Status

Eine Eigenschaft der GWAS ist, dass sie nur starke genetische Assoziationen identifizieren, schwächere kausale Korrelationen hingegen weniger. Deshalb führte das Forschungsteam gezielte Assoziationsanalysen in der chromosomalen Region des IFNL4 Gens durch, das bereits in Zusammenhang mit IFN-alpha-basierter Therapie bei Hepatitis C beschrieben worden war. Dies ergab einen deutlichen Effekt aufgrund einer besonderen Kombination von zwei erblichen DNA-Varianten im IFNL4-Gen (IFNL4-Diplotyp), die weit verbreitet ist. Patienten mit diesem IFNL4-Diplotyp-Status zeigen im Verlauf der Behandlung eine signifikante Resistenz des mutierten malignen Zellklons. Dies betrifft etwa ein Drittel der Patienten.

Potenzial als pharmakogenetischer Marker

Die Studie zeigt auf, dass die molekulargenetische Bestimmung des IFNL4-Diplotyp-Status eine zielgerichtete und damit verbesserte Behandlung ermöglichen könnte, da die signifikante Reduktion des malignen Zellklons entscheidend für den Therapieerfolg ist. Der IFNL4-Diplotyp-Status hat das Potenzial, als pharmakogenetischer Marker zur Entwicklung personalisierter Therapieformen bei PV und anderen myeloproliferativen Neoplasien beizutragen.

Quelle: Medizinische Universität Wien

Literatur:

Jäger R et al. Germline Genetic Factors Influence Outcome of Interferon Alpha Therapy in Polycythemia Vera. https://doi.org/10.1182/blood.2020005792.


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