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Medizin

09. Dezember 2019 Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib

Der Januskinasen (JAK)-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Polycythaemia Vera (PV) mit Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber Hydroxycarbamid (Hydroxyurea/HU). PV-Patienten, die mit Ruxolitinib behandelt werden, profitieren im Langzeitverlauf über 5 Jahre mit einer Kontrolle ihrer hämatologischen Parameter, einer Verringerung des Milzvolumens und einer Reduktion der JAK2 V617F-Allellast – unabhängig davon, ob sie binnen 32 Wochen nach Therapiebeginn eine Hämatokritkontrolle ohne die Notwendigkeit von Aderlässen erreichen oder nicht. Das sind die Ergebnisse einer retrospektiven Analyse der Phase-III-Studie RESPONSE, die im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida, USA, als Poster vorgestellt wurde (1).
In der RESPONSE-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Ruxolitinib bei PV-Patienten, die resistent/intolerant gegenüber HU waren, mit der besten verfügbaren Therapie (BAT) verglich, hatten 60% der Patienten im Ruxolitinib-Arm in Woche 32 eine Hämatokritkontrolle (HCT < 45%) erreicht (2). Die auf dem ASH-Kongress 2019 vorgestellte retrospektive Analyse der Studie untersuchte den Einfluss der Baseline-Patientencharakteristika auf das Hämatokrit-Ansprechen in Woche 32. Außerdem wurde untersucht, ob sich die Patienten, die in Woche 32 eine Hämatokritkontrolle ohne Aderlässe erreicht hatten (HTC-Responder), hinsichtlich ihres Langzeit-Ansprechens auf Ruxolitinib nach 5 Jahren von den Patienten unterschieden, die in Woche 32 keine Hämatokritkontrolle erreicht hatten (HTC-Non-Responder). Hämatokritkontrolle lag definitionsgemäß dann vor, wenn der HTC-Zielwert in den Wochen 8 bis 32 ohne Notwendigkeit von Aderlässen erreicht wurde und in den ersten 8 Wochen seit Randomisierung nicht mehr als eine Phlebotomie nötig war.

Insgesamt 222 Patienten gingen in die Analyse ein, die entweder Ruxolitinib (n=110) oder BAT (n=112) erhalten hatten. Die Leukozytenzahl (p=0,0198) sowie die JAK2-V617F-Allellast (p=0,0159) bei Therapiebeginn erwiesen sich bei den Ruxolitinib-behandelten Patienten als Prädiktoren für das HCT-Ansprechen in Woche 36. 66 Patienten der Ruxolitinib-Gruppe waren HTC-Responder und 44 HTC-Non-Responder. Unter den HCT-Respondern war die mediane Zeit bis zur ersten Phlebotomie noch nicht erreicht, bei den Non-Respondern betrug sie 28,4 Wochen. Von Woche 48 bis Woche 80 erreichten 97% der Responder und 84% der Non-Responder Aderlassfreiheit, von Woche 80 bis 256 entsprechend 91% bzw. 68%.

Unabhängig davon, ob die Patienten die HCT-Responderkriterien in Woche 32 erfüllten, zeigten sie im Untersuchungszeitraum eine Kontrolle hämatologischer Parameter (HCT, Leukozyten, Thrombozyten). In Woche 256 war das Milzvolumen der HCT-Responder um 35% und das der Non-Responder um 50% zurückgegangen. Die Allellast reduzierte sich bei den Respondern von Therapiebeginn bis Woche 256 von 80 auf 55% und bei den Non-Respondern von 70 auf 40%.

Die Ergebnisse der beim ASH präsentierten Post-hoc-Analyse der Studie zeigten, dass der Langzeitbenefit einer Therapie mit Ruxolitinib nicht nur auf Patienten beschränkt bleibt, die in Woche 32 eine HCT-Kontrolle ohne die Notwendigkeit von Aderlässen erreichten. Patienten, die mit dem JAK-Inhibitor behandelt wurden, konnten im Langzeitverlauf über 5 Jahre eine Kontrolle ihrer hämatologischen Parameter sowie eine Verringerung des Milzvolumens und eine Reduktion der JAK2 V617F-Allellast erreichen, unabhängig davon, ob sie das HCT-Responsekriterium in Woche 32 erfüllten oder nicht.
 

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: ASH 2019

Literatur:

(1) Verstovsek S et al. Ruxolitinib for Patients (Pts) with Polycythemia Vera: Responders Vs Non-Responders As Defined in the Response Trial. Poster im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Clinical Hematology (ASH) 2019, 8. Dezember 2019; Abstract 2947
(2) Vannucchi AM et al. N Engl J Med 2015; 372:426-435


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