Freitag, 5. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Keytruda Pantumor
Keytruda Pantumor
Medizin

22. Februar 2018 Perspektiven in der Krebstherapie durch Innovationen in der Diagnostik und Stärkung der Patientenorientierung

Fortschritte in der radiologischen Bildgebung, der PET-Hybridbildgebung und der molekularen Pathologie bilden die Grundlage für eine präzise Krebstherapie, sie haben die Therapieplanung und Stratifizierung von Krebspatienten in den letzten Jahren erheblich verbessert. Die Chancen und Herausforderungen, die sich daraus für die moderne Krebsmedizin ergeben, zählen zu den Schwerpunktthemen des Deutschen Krebskongresses (DKK) 2018, der heute begonnen hat.
Anzeige:
Kyprolis
„Ohne Innovationen in der Diagnostik ist die moderne Präzisionsmedizin in der Onkologie nicht denkbar – sie eröffnen neue Perspektiven in der Onkologie“, betonte Prof. Dr. Thomas Wiegel, Kongresspräsident des DKK 2018 auf der Eröffnungspressekonferenz. Von diesen Verbesserungen profitiere unter anderem die Strahlentherapie, bestätigte Prof. Wilfried Budach, Radioonkologe am Universitätsklinikum Düsseldorf: „Immerhin 50% der Krebspatienten erhalten im Laufe ihrer Erkrankung eine Bestrahlung. Dank der Integration moderner Bildgebungsverfahren in die Planung einer strahlentherapeutischen Behandlung und dank der Möglichkeit, die Position von Tumoren und Risikoorganen während der Bestrahlung aufs Genaueste zu verifizieren, können wir die Nebenwirkungen dieser Behandlungsart deutlich reduzieren und die Erfolgsrate der Strahlentherapie erhöhen.“

Zu den Bildgebungsverfahren, die auf dem Kongress diskutiert werden, zählt zum Beispiel die multiparametrische Magnetresonanztomographie (MRT). Sie gilt als das derzeit empfindlichste Verfahren, um anatomische Veränderungen aufzuspüren, die auf ein Prostatakarzinom hinweisen; zudem liefert sie wichtige funktionelle Informationen über die Aggressivität des Tumors. Dort, wo die Empfindlichkeit dieses Verfahrens nicht ausreicht, etwa beim Nachweis befallener Lymphknoten, sei die Hybridbildgebung gefragt, erklärte Prof. Dr. Heinz-Peter Schlemmer vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Dabei werden Schichtbildverfahren wie Computertomographie (CT) oder MRT mit der Positronenemissionstomographie (PET) kombiniert, um Informationen über Stoffwechselvorgänge im Krankheitsherd anatomisch genau zuordnen zu können. Vor allem die PET-MRT eröffnet neue diagnostische Möglichkeiten.

Im Fokus der Nuklearmedizin stehen derzeit neuartige Radiotracer, mit denen sich selbst kleine Tumoren im PET-Scan aufspüren lassen, so Prof. Dr. Bernd Krause vom Universitätsklinikum Rostock. Innovative Tracer gegen das Prostataspezifische Membranantigen, kurz PSMA, erleichtern zum Beispiel die Suche nach möglichen Metastasen eines Prostatakrebses, wenn nach einer Entfernung der Prostata ein erneuter Anstieg des PSA-Werts auf einen Rückfall hindeutet. Mit dem geeigneten Betastrahler versehen, lassen sie sich sogar für therapeutische Zwecke nutzen – der PSMA-Ligand transportiert den Betastrahler zum Tumor und heftet sich dort selektiv an die Oberfläche der Tumorzellen. Die Strahlung sorgt dort für deren Zerstörung. Diese therapeutischen Tracer werden derzeit in klinischen Studien getestet.

Eine wertvolle Ergänzung im Hinblick auf die Therapieentscheidung liefert die molekulare Pathologie – sie erfasst die Veränderungen im Tumor, die sich auf einzelne Mutationen in seiner Erbsubstanz zurückführen lassen. Mittlerweile gibt es bei einigen Tumorarten, etwa beim Lungenkarzinom oder beim Darmkrebs, gute Beispiele dafür, wie eine Analyse der Erbsubstanz im Tumor diejenigen Patienten identifizieren kann, die auf ein bestimmtes zielgerichtetes Medikament voraussichtlich gut ansprechen, so Prof. Dr. Christoph Röcken, Pathologe aus Kiel. Studien weisen außerdem darauf hin, dass die Mutationslast im Tumor ein prädiktiver Marker für das Ansprechen auf die neuen Immuntherapien sein könnte – hier seien allerdings noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen nötig.

„Damit Krebspatienten optimal von solchen Verfahren profitieren können, brauchen wir die enge Zusammenarbeit verschiedener Experten, zum Beispiel aus Chirurgie, Strahlentherapie, medikamentöser Tumortherapie, Pflege und Psychoonkologie“, forderte Prof. Dr. Peter Albers, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Behandlungserfahrung und eine Ausrichtung der Therapie an den Empfehlungen aktueller onkologischer Leitlinien gehören deshalb zu den Kernanforderungen für die Zentren mit einer Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe. Untersuchungen zeigen, dass sich ein solches Qualitätsmanagement für die Patienten bewährt.

Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe, plädierte dafür, bei allen wissenschaftlichen und medizinischen Zielen und Innovationen, die für weitere Verbesserungen in der Versorgung zwingend seien, auch die Patientenorientierung immer und verstärkt im Blick zu haben. Auch dieses Thema sei richtigerweise ein Schwerpunkt des Kongresses. „Der moderne Patient möchte nicht mehr der folgsame Dulder sein, sondern ein mündiger, kompetenter Gesprächspartner. Ihm ist es wichtig, in Entscheidungen miteinbezogen und als Individuum mit eigenen persönlichen Bedürfnissen betrachtet und behandelt zu werden – als gleichberechtigter Partner des Arztes. Der Begriff Patientenorientierung beschreibt in erster Linie eine verbesserte Kommunikation zwischen Arzt und Patient, mit dem Ziel, die Betroffenen stärker in die Behandlungsentscheidungen einzubinden.“ Um hier einen elementaren Beitrag zu leisten und um auf diesem wichtigen Feld voranzukommen, habe die Deutsche Krebshilfe kürzlich ein Förderschwerpunktprogramm „Patientenorientierung“ eingerichtet und hierfür drei Millionen Euro bereitgestellt. Mit dem neuen Programm sollen zahlreiche offene Fragestellungen zu diesem Thema bearbeitet werden.

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft


Das könnte Sie auch interessieren

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training
© ivanko80 / Fotolia.com

Vor der Kulisse des Alten Rathauses wurde gestern (26.06.) Bürgermeisterin Gertrud Maltz- Schwarzfischer das erste Laufshirt des Regensburger Leukämielaufes 2017 von Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., überreicht. Mit der Übergabe des Laufshirts an das Stadtoberhaupt startet traditionell der Countdown zum größten Benefizlauf in Ostbayern, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet.

Heilung bei fortgeschrittenem Darmkrebs

Die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie der kolorektalen Karzinome (CRC) haben in den vergangenen 10 Jahren zu einer kontinuierlichen Abnahme der Sterblichkeit geführt. Unter dem Begriff Kolorektalkarzinom werden Dickdarm -, Rektum- und Analkarzinom zusammengefasst und auch im Krebsregister gemeinsam erfasst. Es gibt sowohl eine Leitlinie Kolorektales Karzinom (1) als auch separate Onkopedia-Leitlinienempfehlungen für das Kolonkarzinom (2) und das Rektumkarzinom (3).

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs
© Petry

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Einige Virentypen können Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und andere Krebsarten verursachen. Wissenschaftler kooperieren jetzt in einer neuen Studie, um ein HPV-Typ-spezifisches Modell für den Krankheitsverlauf von HPV-Infektionen zu entwickeln. Dazu werden klinische Daten aus großen populationsbasierten Studien der Frauenklinik Wolfsburg in Zusammenarbeit mit einer...

Heller Hautkrebs: Signalweg entschlüsselt

Beim Hautkrebs gibt es verschiedene Krankheitsformen: Mit Abstand am häufigsten ist dabei das so genannte Basalzellkarzinom, eine Form von hellem Hautkrebs, bei der sich der Tumor von seinem Entstehungsort in der Haut langsam aber stetig ausbreitet. Zwar bildet das Basalzellkarzinom im Allgemeinen keine Tochtergeschwülste (Metastasen), der Tumor sollte jedoch so früh wie möglich behandelt werden, da er ansonsten das umgebende Gewebe zerstören und sogar Muskeln...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Perspektiven in der Krebstherapie durch Innovationen in der Diagnostik und Stärkung der Patientenorientierung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.