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Medizin
01. März 2021

PARP-Inhibition beim fortgeschrittenen gBRCA1/2-mutierten Mammakarzinom

In der aktuell veröffentlichten Leitlinie der Kommission Mamma der AGO erhielt die zielgerichtete Therapie mit dem PARP-Inhibitor Talazoparib (Talzenna®)(A) den höchstmöglichen Empfehlungsgrad („++“) für PatientInnen mit fortgeschrittenem HER2- Mammakarzinom und einer BRCA-Keimbahnmutation (1). Talazoparib steht seit Juni 2020 für die zielgerichtete Therapie von PatientInnen mit einem HR+/HER2- oder triple-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom mit einer BRCA1/2-Keimbahnmutation (gBRCA1/2) zur Verfügung (2). Voraussetzung für die Anwendung ist der Nachweis einer BRCA-Keimbahnmutation mittels genetischer Untersuchung (1, 2).
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Neue AGO-Leitlinie zu Brustkrebs veröffentlicht: PARP-Inhibitoren haben höchstmöglichen Empfehlungsgrad
 
Die diagnostische BRCA-Keimbahntestung wird ebenfalls mit dem höchstmöglichen Empfehlungsgrad („++“) von der Kommission Mamma der AGO für PatientInnen mit fortgeschrittenem HER2- Mammakarzinom empfohlen (1). Die diagnostische BRCA-Keimbahntestung kann gemäß Gendiagnostikgesetz durch jeden approbierten Arzt veranlasst und über eine entsprechende GOP abgerechnet werden (1, 3, 4).
 
Die Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie (AGO) veröffentlicht jährlich ein Update der Empfehlungen zur Therapie primärer und fortgeschrittener Mammakarzinome. Die letzte Aktualisierung wurde am 27. Februar 2021 im Rahmen des virtuellen Kongresses „AGO-Mammakarzinom – State of the Art Meeting“ vorgestellt und enthält Empfehlungen, die auf den neuesten Erkenntnissen von Studien und Kongressbeiträgen des letzten Jahres basieren (1). Aufgrund der Evidenzlage wurde der PARP-Inhibitor Talazoparib von den Experten der Kommission Mamma der AGO mit dem höchstmöglichen Empfehlungsgrad „++“ bewertet (1, 5, 6, 7). Die Empfehlung „++“ bedeutet: Die Therapie ist für die PatientInnen von großem Vorteil, kann uneingeschränkt empfohlen und sollte durchgeführt werden (1). Eine Voraussetzung für den Einsatz von PARP-Inhibitoren ist das Vorliegen einer BRCA-Keimbahnmutation (1, 2). Die AGO-Empfehlung der PARP-Inhibitoren als Therapieoption für PatientInnen mit lokal fortgeschrittenem/metastasiertem HER2- Brustkrebs unterstreicht den hohen Stellenwert der BRCA-Keimbahntestung als therapeutisch relevanten diagnostischen Test (1). Die diagnostische BRCA-Keimbahntestung wird sowohl von der AGO-Leitlinie mit dem höchstmöglichen Empfehlungsgrad („++“) als auch von den europäischen ESO/ESMO-Leitlinien für alle PatientInnen mit fortgeschrittenem HER2- Mammakarzinom unabhängig von Alter und Familienanamnese empfohlen, sodass auf Basis einer nachgewiesenen BRCA-Keimbahnmutation eine zielgerichtete Therapie mit PARP-Inhibitoren möglichst schnell initiiert werden kann (1, 8, 9).
 
Gesetzliche Regelung humangenetischer Untersuchungen

Bei der BRCA-Keimbahntestung, die bei Brustkrebs am Blut der PatientInnen durchgeführt wird, handelt es sich um eine diagnostische genetische Untersuchung (1, 3). In Deutschland werden genetische Untersuchungen am Menschen durch das Gendiagnostikgesetz geregelt (3). Dieses besagt, dass die Initiierung einer diagnostischen genetischen Untersuchung (bspw. die BRCA-Keimbahntestung) und die Ergebnismitteilung an die PatientInnen durch jede approbierte Ärztin/jeden approbierten Arzt erfolgen kann (3). Die nachfolgende genetische Beratung, die bei einer pathogenen Veränderung angeboten werden muss – ansonsten angeboten werden soll –, darf hingegen nur von FachärztInnen für Humangenetik oder FachärztInnen mit Zusatzqualifikation zur genetischen Beratung durchgeführt und nach EBM abgerechnet werden (GenDG §9, §10, §11) (3).  Eine prädiktive genetische Untersuchung(B) bei gesunden Ratsuchenden hingegen erfordert eine vorangegangene genetische Beratung, die ebenfalls nur durch FachärztInnen für Humangenetik oder FachärztInnen mit entsprechender Zusatzqualifikation erfolgen darf (3).
 
Seit Januar 2020 ist die Abrechnung der diagnostischen BRCA1/2-Keimbahntestung für alle PatientInnen mit einem fortgeschrittenen HER2-negativen Mammakarzinom über die neueingeführte GOP 11601 möglich, wenn die Indikation für eine zielgerichtete Behandlung mit PARP-Inhibitoren gemäß Fachinformation gegeben ist (4). Vor Veranlassung des Tests sollte zudem eine Abfrage familiärer Risikofaktoren erfolgen, um ggf. eine Paneltestung veranlassen zu können, bei der zusätzliche Risikogene getestet werden (3, 10).
 
BRCA-Keimbahntestung in der Versorgungsroutine

Bei etwa 15% aller PatientInnen mit einem triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) bzw. 5% mit einem HR+/HER2- Mammakarzinom lässt sich eine BRCA1/2-Mutation in der Keimbahn nachweisen – wobei letztere aufgrund der Häufigkeit von positivem HR-Status absolut betrachtet die größere PatientInnengruppe in der metastasierten Situation bildet (11, 12). Real-World-Daten aus Deutschland zeigen jedoch, dass in der Versorgungsroutine immer noch zu wenig diagnostisch getestet wird (12). So lag der Anteil der BRCA-Keimbahntestungen bei BrustkrebspatientInnen bei 43% (n=387) für HR+/HER2- fortgeschrittenen Brustkrebs und bei 59 % (n=41) für TNBC (12). Auf Basis einer nachgewiesenen gBRCA-Mutation kann PatientInnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs im Sinne der Präzisionsonkologie eine Therapie mit PARP-Inhibitoren angeboten werden (1, 2, 9).
 
A Talazoparib wird als Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen PatientInnen mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn angewendet, die ein HER2-negatives lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom aufweisen. Die PatientInnen sollten zuvor mit einem Anthrazyklin und/oder einem Taxan im (neo-)adjuvanten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Setting behandelt worden sein, es sei denn, sie waren für diese Behandlungen nicht geeignet. Patienten mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs sollten außerdem bereits eine endokrinbasierte Therapie erhalten haben oder für diese als nicht geeignet eingestuft sein.(2)
 
B Wird gesunden Ratsuchenden angeboten bei Hinweisen auf eine familiäre Belastung (z. B. wenn bei einer an Krebs erkrankten Person in der Familie eine genetische Veränderung nachgewiesen wurde oder bei mehreren Angehörigen mit Krebserkrankung in frühem Alter), um das Risiko für eine zukünftig auftretende Erkrankung sowie eine sogenannte Anlageträgerschaft (d. h. ob die getestete Person Träger der Mutation ist und diese weitervererben kann) abzuklären.
 
AGO = Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie
EBM = Einheitlicher Bewertungsmaßstab
ESMO = European Society for Medical Oncology
ESO = European School of Oncology
gBRCA = germline BReast CAncer susceptibility gene
GenDG = Gendiagnostikgesetz
HR+ = Hormonrezeptor-positiv
HER2- = humaner-epidermaler-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2-negativ
PARP = Poly-(Adenosindiphosphat-Ribose-)Polymerase
TNBC = Triple-Negative Breast Cancer
 

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie unter: www.pfizerpro.de/BRCA.
 Talzenna®-Pflichttext: http://bit.ly/366uebc

 

 

 

Quelle: Pfizer

Literatur:

 (1) AGO: Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie, Leitlinien der Kommission Mamma, Version 2021.1D; vorgestellt auf dem State of the Art Meeting am 27. Februar 2021
(2) Fachinformation Talzenna®, Stand September 2020
(3) Gesetz über genetische Untersuchungen bei Menschen (Gendiagnostikgesetz – GenDG) vom 31. Juli 2009, Bundesgesetzblatt 50:2529–38, http://www.gesetze-im-internet.de/gendg/index.html (letzter Aufruf 18.02.2020)
(4) EBM-Katalog. https://www.kbv.de/html/online-ebm.php (letzter Aufruf 18.02.2020)
(5) Hurvitz SA et al. Oncologist 2020;25(3):e439–e450
(6) Rugo HS et al. JNCI Cancer Spectr 2019;4(1):pkz085
(7) Litton JK et al. N Engl J Med 2018;379(8):753–63
(8) Cardoso F et al. Early Breast Cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines. Ann Oncol 2019;30(8):1194–220.
(9) Cardoso F et al. 5th ESO-ESMO international consensus guidelines for advanced breast cancer Ann Oncol. 2020;S0923-7534(20):42460-3
(10) Dt. Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Konsensempfehlung des Deutschen Konsortiums 2020. www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de/konsensusempfehlung (letzter Aufruf 18.02.2020)
(11) Armstrong N et al. A systematic review of the international prevalence of BRCA mutation in breast cancer. Clin Epidemiol 2019;11:543–61
(12) Lux MP et al. ESMO 2020, Abstract 3I4P und Poster


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