Donnerstag, 3. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Vargatef
Vargatef
Medizin

31. März 2020 Pankreatische neuroendokrine Tumoren: Erstlinientherapie mit Streptozocin

Das Zytostatikum Streptozocin (Zanosar®) ist mittlerweile seit einem Jahr in Deutschland erhältlich. Gemäß der deutschen S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore (1) gilt Streptozocin in Kombination mit 5-Fluorouracil als Erstlinientherapie bei neuroendokrinen Pankreastumoren (pNET). Neben den bisherigen Praxiserfahrungen bestätigen aktuelle Daten (1, 3) die Wirksamkeit von Streptozocin in der Therapie von erwachsenen Patienten mit inoperablen, fortgeschrittenen oder metastasierten, progressiven und/oder symptomatischen, gut differenzierten pNET im Stadium G1 oder G2 (3) Derzeit laufende Studien geben zudem Ausblick auf weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu Wirkung und Verträglichkeit des Zytostatikums (4, 5).
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Streptozocin bei pNET konnte in mehreren randomisierten klinischen Studien nachgewiesen werden (3). Streptozocin zeigte hier in Kombination mit 5-Fluorouracil bei der Behandlung von pNET Ansprechraten von 20-40% (3). Neuere Datenerhebungen von europäischen NET-Exzellenzzentren bestätigen Remissionsraten von 30-40% (1). Die Remissionsrate unter Chemotherapie ist damit höher als mit den zielgerichteten Therapien: Für zielgerichtete Therapien werden Remissionsraten von 5-10% angeführt (1).

Streptozocin als Standardchemotherapie bei pNET empfohlen

Die Autoren der S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore empfehlen die Kombination aus Streptozocin und 5-Fluorouracil als Standardchemotherapie bei fortgeschrittenen, nicht kurativ resektablen pNET im Stadium G1 oder G2 und/oder mittlerer bzw. hoher Tumorlast, Symptomen oder Wachstumsdynamik (1). Das Zytostatikum kann in 2 unterschiedlichen Dosierungsschemata angewendet werden: Im 6-Wochen-Schema wird Streptozocin in einer Dosierung von 500 mg/m2/Tag an 5 aufeinanderfolgenden Tagen alle 6 Wochen appliziert, so lange, bis der maximale Nutzen oder eine behandlungslimitierende Toxizität eintritt. In diesem Schema wird keine Dosissteigerung empfohlen. Im 3-Wochen-Schema wird Streptozocin im ersten Zyklus ebenfalls in einer Dosierung von 500 mg/m2/Tag an 5 aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht. In den folgenden 3 wöchentlichen Zyklen erfolgt eine Dosissteigerung auf 1.000 mg/m2/Tag (5).

Therapiedauer von wenigstens 6 Monaten

In der chemotherapeutischen Behandlung metastasierter pNET sollte eine Therapiezeit von mindestens 6 Monaten angestrebt werden. Bei einer längeren Behandlung gibt es Hinweise auf eine längere Ansprechdauer (3). Die optimale Therapiedauer ist grundsätzlich abhängig vom Therapieziel und der Toleranz gegenüber der Chemotherapie (3). „Da die Chemotherapie zeitlich begrenzt appliziert wird, ermöglicht dieses Verfahren den Patienten therapiefreie Intervalle – ein Vorteil gegenüber den zielgerichteten Therapien, die in der Regel fortlaufend bis zum Therapieversagen oral eingenommen werden“, betont Prof. Dr. Marianne Pavel, Vorsitzende der European Neuroendocrine Tumor Society und Leiterin Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Erlangen.

Eine aktuelle Publikation zum Einsatz der Kombination aus Streptozocin und 5-Fluorouracil als Erhaltungstherapie bei neuroendokrinen Pankreastumoren zeigt: Der Wechsel zu einem verlängerten Zyklusprotokoll mit einer Zykluslänge von 3 Monaten als Erhaltungstherapie nach initialen Standardzyklen kann zu einer langfristigen Stabilisierung der Erkrankung bei gleichzeitiger guter Akzeptanz der betroffenen Patienten führen (4).

Derzeit laufende Studien mit Streptozocin

Aktuell existiert eine große Bandbreite alternativer Behandlungsoptionen für Patienten mit fortgeschrittenen pNET. Im Rahmen der randomisierten, offenen, prospektiven, multizentrischen Phase-III-Studie SEQTOR wird untersucht, welche Sequenz einer Streptozocin-basierten Chemotherapie und des mTOR-Inhibitors Everolimus bei Patienten mit gut differenzierten, fortgeschrittenen pNET bessere Resultate im sekundären progressionsfreien Überleben liefert (6). Die Ergebnisse der Studie werden derzeit ausgewertet.

Der Effekt von Streptozocin auf die Nierenfunktion wird derzeit in der französischen multizentrischen Beobachtungsstudie Streptotox untersucht. Eingeschlossen wurden Patienten mit gut differenzierten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren (GEP-NETs). Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass die Nierenfunktion während der Behandlung mit Streptozocin stabil blieb (7).
 

Quelle: Riemser

Literatur:

(1) Klinischer Überblick. Streptozocin Keocyt. Modul 2.5: 24-6.
(2) Weatherstone K et al. Target Oncol 2012; 7: 161-8.
(3) S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-026l_S2k_Neuroendokrine_Tumore_2018-07.pdf, letzter Abruf: 29. Januar 2020.
(4) Schrader J et al. Endocrine 2019; 65: 460-7.
(5) Fachinformation Zanosar® 1 g, Stand: August 2018.
(6)Clinicaltrials.gov, NCT02246127.
(7) Mitry E et al. ASCO 2017; Abstract e15155.


Anzeige:
Piqray

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Pankreatische neuroendokrine Tumoren: Erstlinientherapie mit Streptozocin"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab