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Medizin

05. November 2020 Ovarialkarzinom – es tut sich was in der Erstlinie

In den letzten Monaten wurden für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms einige praxisrelevante Studiendaten vorgestellt, die eine immer stärker personalisierte Therapie realisierbar machen. Im Mittelpunkt stehen PARP-Inhibitoren wie Olaparib (Lynparza®) und Niraparib (Zejula®). Olaparib überzeugte als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Frauen mit BRCA-Mutation mit vielversprechenden Langzeitdaten, Niraparib wurde für die Erstlinien-Erhaltungstherapie Biomarker-unabhängig zugelassen.
Der in der SOLO1-Studie nach 3 Jahren beobachtete signifikante Vorteil durch die Erhaltungstherapie mit Olaparib bei Patientinnen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Ovarialkarzinom nach Ansprechen auf die Platin-haltige Chemotherapie bestätigte sich auch nach einer Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren (1).

Aufgrund der überzeugenden Daten sollten nach Einschätzung von Dr. Klaus Pietzner, Berlin, Patientinnen mit BRCA-Mutation in der Erstlinie eine Olaparib-Erhaltungstherapie erhalten. "Leider waren in der SOLO-1-Studie nur BRCA-mutierte Patientinnen", erklärte Pietzner bei einem digitalen Fachpresse-Workshop. Die Placebo-kontrollierte PRIMA-Studie untersuchte in der Erstlinie eine Erhaltungstherapie mit Niraparib nach Ansprechen auf die Platin-haltige Chemotherapie. Zwar zeigte sich der stärkste Effekt bei Patientinnen mit BRCA-Mutation (HR=0,40) oder einer Defizienz der Homologen Rekombination (HRD-positiv), die mit einer 50%igen Risikoreduktion (HR=0,50) profitierten. Aber als bisher einziger PARP-Inhibitor konnte Niraparib auch bei HRD-negativen Patientinnen eine Risikoreduktion von 32% (HR=0,68) erzielen (2).

"Diesen Effekt kennen wir von Niraparib bereits aus der NOVA-Studie zur Erhaltungstherapie im Rezidiv", so Pietzner. Ende Oktober wurde Niraparib als Monotherapie zur Erstlinien-Erhaltungstherapie beim fortgeschrittenem Ovarialkarzinom nach Ansprechen auf Platin unabhängig vom Biomarkerstatus zugelassen.

Die PAOLA-Studie verglich mit Bevacizumab+Placebo und Bevacizumab+Olaparib zwei Erstlinien-Erhaltungstherapien. Den größten Vorteil von dem zusätzlichen PARP-Inhibitor hatten HRD-positive Patientinnen mit BRCA-Mutation, hier wurde das Risiko für Progression oder Tod um 67% reduziert (HR=0,33). Frauen mit negativem oder unbekanntem HRD-Status profitierten nicht signifikant (3). In einer explorativen Analyse wurde bei low-risk-Patientinnen mit HRD oder BRCA-Mutation im Tumor das Risiko für Progression oder Tod um 85% reduziert (4). Pietzner: "Das lässt auf einen Langzeit-Benefit hoffen." Es liegt bereits ein positives CHMP-Votum für die Zulassung von Olaparib in Kombination mit Bevacizumab für die Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit HRD vor.

Mascha Pömmerl

Quelle: Quelle: Virtueller Münchener Fachpresse-Workshop, 28.10.2020; Veranstalter: POMME-med GmbH und DP-Medsystems AG

Literatur:

(1) Banerjee S et al. ESMO 2020, Abst. #811MO
(2) González-Martin A et al. N Engl J Med 2019; 381:2391-402
(3) Ray-Coquard I et al. N Engl J Med 2019;381:2416-28
(4) Harter P et al. IGCS 2020; Abstract 1207


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