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Medizin
06. Februar 2017

Opioid-induzierte Obstipation: Zögerliche Verordnung der kausalen Therapie

Weniger als 10% aller Behandler wechseln nach Versagen einer Behandlung mit Laxanzien bei Patienten mit Opioid-induzierter Obstipation (OIC) auf die Wirkstoffklasse der PAMORA (peripherally acting μ-opioid receptor antagonists) und enthalten ihren Patienten damit eine gezielte und kausale Therapie ihrer OIC-Symptomatik vor. So lautet das Ergebnis einer Umfrage unter Ärzten, die im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses (DGSS) vom 19.-22. Oktober 2016 in Mannheim stattfand (1). Mit Naloxegol steht der erste orale PAMORA zur Behandlung der OIC bei Erhalt der analgetischen Wirksamkeit der Opioid-Therapie zur Verfügung (2).
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Unklares Vorgehen nach der Erstlinientherapie

Opioid-Analgetika spielen eine zentrale Rolle in der Therapie chronischer Schmerzen (3). Neben der gewünschten Analgesie können gleichzeitig gastrointestinale Nebenwirkungen wie zum Beispiel eine Opioid-induzierte Obstipation (OIC) auftreten (4). Das Risiko ist behandelnden Ärzten bewusst, wie die Umfrage belegt: Nahezu alle Befragten verschreiben zur Symptomvermeidung oder -linderung in erster Linie Quellstoffe (122/127), osmotisch wirksame Laxanzien (80/127) oder Diphenole (44/127). Wenn die Behandlung versagt, wechseln 55,9% zu einem Laxans mit gleichem Wirkansatz oder ergänzen damit die bestehende Therapie. 18,9% wechseln zu einem Laxans mit anderem Wirkansatz. Weitere 13,4% setzen direkt bei der Opioid-Therapie an, indem sie eine Opioid-Rotation einleiten oder die Dosis des verwendeten Opioids anpassen – und nehmen damit mögliche Komplikationen bei der Neueinstellung der Schmerzmedikation in Kauf. Nur 7,9% wechseln auf die Stoffklasse der PAMORA und bieten ihren Patienten eine kausale Therapie der OIC, deren Einsatz nach Evaluation prophylaktischer und Erstlinien-Maßnahmen ab einem Bowel Funktion Index (BFI) ≥30 empfohlen wird (5).

Gezielte OIC-Therapie mit Naloxegol

Die Therapie mit PAMORA wird durch Naloxegol (Moventig®) vereinfacht, denn das pegylierte Derivat des μ-Opioidrezeptor-Antagonisten Naloxon ist oral verfügbar (2). Es kann die Blut-Hirn-Schranke nicht in klinisch relevantem Maße passieren und erreicht dadurch zentrale Opioid-Rezeptoren nicht (2). Somit wird weder die analgetische Opioid-Wirkung geschmälert, noch werden Entzugserscheinungen ausgelöst (6). In Studien zeigte sich die schnelle Wirksamkeit von Naloxegol: Der erste Stuhlgang erfolgte unter Naloxegol im Median nach 7,6 Stunden; bei Patienten unter Placebo hingegen nach 41,1 Stunden im Median (7,8). Naloxegol in der Dosierung von 25 μg täglich führte bei Patienten ohne Ansprechen auf Laxanzien zu einer Erhöhung der mittleren Anzahl der Tage pro Woche mit mindestens einer spontanen Darmentleerung: 67% hatten innerhalb eines Tages einen spontanen Stuhlgang im Vergleich zu 36% unter Placebo (7,8). Patienten mit OIC, die nicht ausreichend auf die Laxanzientherapie ansprachen, berichteten bei Behandlung mit Naloxegol über 12 Wochen von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität (9). Moventig® ist generell gut verträglich (6).

Quelle: Kyowa Kirin

Literatur:

(1) Kyowa Kirin, data on file
(2) Fachinformation Moventig®, Stand September 2016
(3) Häuser W et al. Dt Ärzteblatt 2014;11:732-40
(4) Andresen V, Wedel T. Arzneiverordnung in der Praxis, Band 43, Heft 1, Januar 2016
(5) Argoff CE et al. Pain Medicine 2015;16:2324-37
(6) Petersen K-U. Verdauungskrankheiten 2016;34:244-57
(7) Chey WD et al. New Engl J Med 2014;370:2387-96
(8) Tack J et al. United European Gastroenterol J 2015;3:471-80
(9) Lawson R et al. Adv Ther 2016;33:1331-46


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