Mittwoch, 4. August 2021
Navigation öffnen
Medizin
01. März 2017

Norddeutsches Onkologieforum: Operation beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Ein Ovarialkarzinom wird meist erst im fortgeschrittenen Zustand (Stadium FIGO III/IV) diagnostiziert. Die Therapie ist entsprechend radikal und belastend. In der klinischen Forschung wird deshalb nach Standards gesucht, wann eine Therapiemaßnahme Einschränkungen der Lebensqualität rechtfertigt und wann nicht, sagte Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, Hamburg, in ihrem Vortrag auf dem Norddeutschen Onkologieforum.
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Die klassische Primärtherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms ist das operative Debulking, gefolgt von einer systemischen Chemotherapie. Ziel der Operation ist vollständige Freiheit von sichtbaren Tumorresten. Gelingt das, beträgt das Gesamtüberleben (OS) im Mittel 5 Jahre.

Wann Lymphknoten entfernen?

Unklar ist, ob die pelvinen und paraaortalen Lymphknoten bei allen Patientinnen entfernt werden müssen. Welche Kriterien sprechen dafür oder dagegen? Ältere Daten legen nahe, dass die vollständige Entfernung der Lymphknoten das progressionsfreie Überleben (PFS) verlängert.

Die LION-Studie (Lymphadenectomy In Ovarian Neoplasms) der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie Onkologie (AGO), die seit 2008 läuft, wird in diesem Jahr abgeschlossen. Anhand der Ergebnisse wird man wahrscheinlich Kriterien erarbeiten können, die für oder gegen eine Lymphadenektomie sprechen. In der LION-Studie wurden rund 600 Patientinnen ohne sichtbare Tumorreste nach der Operation entweder lymphadenektomiert oder nicht. Es zeigte sich, dass 56% der Frauen befallene Lymphknoten hatten. Die Ergebnisse der Studie werden auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO 2017) in Chicago vorgestellt.

Milzresektion oder Leberteilresektion?

Das Ausmaß des Befalls ist häufig erst intraoperativ zu erkennen. Besonders im Bereich des Oberbauchs, der zu 70% befallen ist, ist die Computertomografie unzuverlässig. Das Entfernen der Milz oder eine Leberteilresektion sind nur gerechtfertigt, wenn dadurch Tumorfreiheit erreicht wird.

Chemotherapie vor oder nach der Operation?

Zur neoadjuvanten Chemotherapie des Ovarialkarzinoms im Vergleich zum derzeitigen Standard gibt es wenige Daten. In die beiden verfügbaren Studien wurden überwiegend Patientinnen eingeschlossen, deren Tumorlast sehr hoch war. In der jeweiligen Primärtherapie wurde dann häufig keine Tumorfreiheit erreicht (1, 2). Unter diesen Bedingungen scheint die neoadjuvante Chemotherapie die Prognose von Patientinnen mit weit fortgeschrittenen Ovarialkarzinomen nicht zu verschlechtern. Eine neue Studie der AGO zu dieser Fragestellung: “Trial on Radical Upfront Surgery in Advanced Ovarian Cancer” (TRUST) startete im Jahr 2016 und läuft bis 2023.

Dr. Maren Mundt

Quelle: Norddeutsches Onkologieforum 24.-25. Februar in Hamburg: Vortrag von Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt; UK Eppendorf: Operation des Ovarialkarzinoms State of the Art und offene Fragen der operativen Therapie.

Literatur:

(1) Kehoe S et al. Lancet. 2015;386(9990):249-57.
(2) Vergote I et al. N Engl J Med. 2010;363(10):943-53.


Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Norddeutsches Onkologieforum: Operation beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose