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Medizin

21. Februar 2020 Onkologische Therapien: Fortschritt und Wandel

Mit ca. 490.000 Neuerkrankten in Deutschland ist Krebs ein gesellschaftlich hoch relevantes Thema. Die steigende Erkrankungsinzidenz vor allem von hochaltrigen Patienten sowie die im Vergleich zu vor 20 Jahren deutlich verbesserten Heilungschancen rücken die Themen Prävention und Versorgung Langzeitüberlebender in den Fokus. Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Hamburg, präsentierte auf dem Deutschen Krebskongress 2020 (DKK) den aktuellen Stand der onkologischen Systemtherapie.
Er wies auf die signifikant verbesserten Überlebenschancen Krebskranker hin: Im Zeitraum 1991-2015 sank die Todesfallrate um 26%. Durch die deutlich erhöhte Zahl an Langzeitüberlebenden muss laut Bokemeyer die Krebsprävention mehr Beachtung finden: „Andernfalls wird auf Dauer keine optimale Versorgung der steigenden Patientenzahl mehr möglich sein. Die Prävention sollte auch deshalb mehr Beachtung finden, weil rund 37% aller Krebserkrankungen lebensstilbedingt sind – die Aufklärung über die Folgen von Tabak- und Alkoholkonsum sowie Adipositas und, in geringerem Maße, auch die Gefahr von Infektionen, muss deutlich verbessert werden.“

Zielgerichtete Therapien im Fokus

Die medikamentöse Therapie habe sich seit 2011 deutlich verbessert: „Seither werden jedes Jahr sehr viele neue zielgerichtete Medikamente zugelassen. Das bedeutet eine permanente Aktualisierung der Leitlinien und stellt auch Ärzte und Pflegepersonal vor die Herausforderung, trotz eines beständig wachsenden Portfolios an Behandlungsmöglichkeiten immer auf dem aktuellen Stand zu sein.“

Signifikant verbessertes Gesamtüberleben

In der medikamentösen Behandlung einer Krebserkrankung rücken zunehmend zielgerichtete und personalisierte Therapien in den Vordergrund. „Onkologische Medikamente werden immer spezifischer“, so Bokemeyer. „So stehen für die Erstlinientherapie des metastasiertes
nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms für diverse Treibermutationen zielgerichtete Substanzen zur Verfügung.“ Aufgrund während der Therapie entstehender neuer Mutationen, z.B. im EGFR-Gen, kann die Anpassung der Therapie mit weiteren zielgerichteten Substanzen erforderlich sein. Auch wenn mit diesem Vorgehen keine Heilung zu erzielen sei, so habe sich das Gesamtüberleben bei vielen Indikationen deutlich verbessert. Zum Beispiel seien nach 5 Jahren mehr als 30% der Melanom-Patienten mit einer BRAF-Mutation noch am Leben.

Kombinationstherapien wirksamer als Monotherapien

Bokemeyer wies zudem auf die große Bedeutung immunologischer Therapien hin. Bei den meisten Tumorentitäten (Lunge, Brustdrüse, Prostata, Darm, Magen, Mundhöhle/Rachen u.a.) sind mit der Checkpoint-Inhibition (CI) deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen als mit der herkömmlichen Chemotherapie. Beispielsweise würde CI beim NSCLC in der Erstlinie eine höhere Wirksamkeit aufweisen als eine chemotherapeutische Behandlung. „In der Zweitlinie aber hat sich die Kombinationstherapie aus CI + Chemotherapie als erfolgreicher herausgestellt, d.h. die CI hat die Chemotherapie nicht ersetzt, sondern ergänzt“, betonte er.

Hohe Kosten

Dennoch seien die teils exorbitant hohen Kosten der neuen Therapieoptionen ein großes Problem. „Hier kann der Einsatz von Biosimilars helfen die Kostensteigerung im Gesundheitswesen zu begrenzen und so finanziellen Spielraum für andere innovative Arzneimittel zu schaffen. Die in der Onkologie verfügbaren biosimilaren Wirkstoffe erreichen dabei bisher einen Versorgungsanteil von über 60%“, so Bokemeyer.

Zusammenfassung

1.    Die Immuntherapie kann anhaltende Tumorrückbildungen bei 20-30% der Patienten erzielen.
2.    Zielgerichtete Moleküle: Bei Krankheiten mit definierten relevanten genetischen Mutationen sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen.
3.    Auch Chemotherapien bleiben – besonders in Kombination mit immuntherapeutischen Ansätzen – weiterhin bedeutsam.
4.    Moderne Krebszentren kümmern sich um Prävention, Therapie, Nachsorge und Translation der Forschungsergebnisse in die Klinik.

SM

Quelle: Symposium „Patientenversorgung in der Onkologie: von neuen Therapieoptionen bis zur Rolle des spezialisierten Pflegepersonals“, Berlin, 20.02.2020; Veranstalter: Mylan


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