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Medizin

22. Januar 2021 Ösophagus- und Magenkarzinom: Fortschritt durch die Immuntherapie

Mit dem Einsatz des Checkpoint-Inhibitors Nivolumab konnte ein „Durchbruch“ in der Immuntherapie ösophagogastraler Karzinome erzielt werden. Patienten mit Ösophaguskarzinom sollten in der neoadiuvanten Situation ebenso Nivolumab erhalten wie – nach Zulassung – Patienten mit fortgeschrittenen Adenokarzinomen des Magens, gastro-ösophagealen Übergangs und des Ösophagus als Erstlinientherapie in Kombination mit mFOLFOX.
Während die Effekte von perioperativer Chemo- und Radiochemotherapie bei Magen- und Ösophaguskarzinomen überschaubar blieben, ist durch die Immunonkologie mit dem Checkpoint-Inhibitor Nivolumab Bewegung in die Therapie gekommen. Prof. Dr. Salah Al-Batran, Frankfurt, stellte bei einem Satelliten-symposium anlässlich der 17. AIO-Herbsttagung die wesentlichen Studien vor.

In der CheckMate 577-Studie erhielten Patienten mit Plattenepithel- oder Adenokarzinomen des Ösophagus oder des gastroösophagealen Übergangs, die nach Operation und neoadiuvanter Radiochemotherapie keine pathologische Remission erreicht hatten, anschließend entweder Nivolumab oder Plazebo. Das mediane krankheitsfreie Überleben war in der Nivolumab-Gruppe mit 22,4 Monaten mehr als doppelt so lang wie in der Plazebogruppe (11,0 Monate). Die Patienten mit Ösophaguskarzinom profitierten etwas mehr von den Immuntherapie, ebenso die mit Plattenepithelkarzinom gegenüber denjenigen mit Adenokarzinom. Al-Batran hält daher die Gabe von Nivolumab für diese Patienten für sehr empfehlenswert.

Bei lokal fortgeschrittenem, unresezierbarem oder metastasiertem Ösophagus-Plattenepithelkarzinom oder -Adenokarzinom sowie Adenokarzinom des gastroösophagealen Übergangs vom Typ Siewert 1 prüfte die Studie KEYNOTE-590 den Nutzen von Pembrolizumab bei Patienten, die zuvor noch keine systemische Therapie erhalten hatten. Pembrolizumab wurde zusätzlich zu einer Standard-Chemotherapie mit Cisplatin und 5-FU bis zum Progress oder inakzeptabler Toxizität verabreicht. In dieser Studie profitierten die Patienten mit einer PD-L1-Expression > 10 deutlich stärker als die mit niedrigerem PD-L1-Status, ferner Asiaten gegenüber anderen Ethnien und Männer gegenüber Frauen.

In die CheckMate 649-Studie schließlich wurden Patienten in einem ähnlich fortgeschrittenen Tumorstadium aufgenommen, jedoch nur solche mit Adenokarzinomen in Magen, Ösophagus und gastroösophagealem Übergang. Die Patienten erhielten als Firstline-Therapie entweder Nivolumab plus Ipilimumab oder im 2. Arm Nivolumab plus XELOX (Capecitabin, Oxaliplatin) oder Nivo plus FOLFOX (Leucovorin, 5-FU, Oxaliplatin) oder im 3. Arm nur XELOX oder FOLFOX. Auch  in dieser Studie profitierten die Patienten mit einer PD-L1-Expression >5 am stärksten, so dass Al-Batran für diese Gruppe die Kombination Nivolumab/FOLFoX als neuen Standard empfiehlt, sobald die Zulassung für die Erstlinientherapie vorliegt. Patienten mit niedrigerem PD-L1-Status sind seiner Einschätzung nach ebenfalls potentielle Kandidaten für diese Kombination, allerdings fehlten hier noch exaktere Daten.

Dr. Barbara Voll

Quelle: Satellitensymposium: „Erweiterung des Spektrums der Immunonkologie: Neue Strategien bei gastrointestinalen und thorakalen Tumoren“, AIO-Herbstkongress 2020, 21.11.2020; Veranstalter: Bristol-Myers Squibb


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