Donnerstag, 25. Februar 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Medizin

04. Juli 2019 NSCLC: Optionen nach Versagen der Immuntherapie in der Erstlinie

Zu den Optionen für die Weiterbehandlung von Patienten mit metastasiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ohne Treibermutation, deren Erkrankung nach oder unter einer platinhaltigen Immun-Chemotherapie fortgeschritten ist, gibt es zurzeit keine Evidenz aus prospektiven Studien. Für die Behandlungsplanung müssen daher geeignete, bereits existierende Daten herangezogen und neu bewertet werden. Zwei im Rahmen der 55. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chi-cago/USA vorgestellte Studien (1,2) bestätigen aktuell überzeugend den Nutzen einer Sequenztherapie mit der Zweitlinien-Kombination aus Ramucirumab + Docetaxel.
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Zweitlinie nach Immuntherapie noch unklar

Die Immuntherapie hat die Behandlung des metastasierten, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) ohne Treibermutation innerhalb von kurzer Zeit substanziell verändert. So kommen heute regelmäßig Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer platinhaltigen Chemotherapie als Erstlinientherapie zum Einsatz. Wie die Patienten im Fall einer Krankheitsprogression weiterbehandelt werden können, ist bislang jedoch ungeklärt. Eine Wiederholung der Immuntherapie nach ihrem Versagen in der Erstlinie bzw. in der Erstlinien-Erhaltungstherapie ist nicht mehr möglich. Vielmehr muss die Behandlungsstrategie gewechselt werden und dabei sollten Medikamente zum Einsatz kommen, die in der Erstlinie noch nicht verwendet wurden (3). Daraus ergibt sich eine Herausforderung: Zur Behandlungssequenz in dieser Situation gibt es keine Evidenz aus Studien.

Hemmung der Tumorangiogenese

Es ist daher unumgänglich, für die Sequenzplanung bereits vorhandene Daten heranzuziehen, neu zu bewerten und entsprechende Analogieschlüsse daraus zu ziehen. Naheliegend erscheint die Prüfung eines Wechsels auf Behandlungskonzepte, die wie die Kombination aus Ramucirumab (Cyramza®) + Docetaxel an der Hemmung der Tumorangiogenese ansetzen (3). In der für diese Kombination zulassungsrelevanten Phase-III-Studie REVEL war bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und Krankheitsprogress während oder nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie gegenüber Placebo + Docetaxel ein signifikanter Überlebensvorteil beobachtet worden (medianes OS 10,5 versus 9,1 Monate; HR: 0,86; 95%-KI: 0,75-0,98; p=0,023 (4). Die Kombination war zudem unabhängig von der Tumorhistologie sowohl bei Patienten mit Adeno- als auch mit Plattenepithelkarzinom effektiv (4).

Daten aus der Alltagspraxis

Während der ASCO-Jahrestagung wurden aktuell erste Praxisdaten aus 2 retrospektiven Beobachtungsstudien zum Nutzen einer Sequenztherapie mit Ramucirumab plus Docetaxel bei NSCLC-Patienten mit Krankheitsprogress unter oder nach einer platinhaltigen Immunchemotherapie vorgestellt (1,2).
Für die erste Analyse wurden Daten von 93 in der Flatiron Database dokumentierten Patienten herangezogen, die in der ersten oder zweiten Thera-pielinie mit einer Immuntherapie plus platinhaltiger Chemotherapie behandelt worden waren und anschließend in der zweiten oder dritten Therapielinie Ramucirumab plus Docetaxel erhalten hatten (1). Insgesamt 79,7% der Patienten wiesen eine Nicht-Plattenepithelkarzinom-Histologie auf. Bei 40,9% der Patienten konnte ein objektives Ansprechen des Tumors auf Ramucirumab + Docetaxel beobachtet werden, die Krankheitskontrollrate betrug 80,7% (1).
In der zweiten Analyse wurde Ramucirumab + Docetaxel als Zweitlinien-Therapieoption nach einer platinhaltigen Immunchemotherapie in der Erstlinie evaluiert (2). Von 8 für das Tumoransprechen auswertbaren Patienten erreichten 3 (37,5%) eine partielle Remission und 3 (37,5%) eine Krankheitsstabilisierung, bei 2 Patienten (25%) wurde eine Krankheitsprogression beobachtet. Die Krankheitskontrollrate betrug dementsprechend 75% (2).

Ramucirumab + Docetaxel als Zweitlinie geeignet

Ramucirumab + Docetaxel steht zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit Tumorprogress nach platinhaltiger Chemotherapie zur Verfügung – als derzeit einzige zugelassene Therapieoption ohne Beschränkung auf eine Histologie (5). Erste Daten aus der Alltagsanwendung weisen auf überzeugende Ansprechraten nach dem Versagen einer platinhaltigen Immunchemotherapie hin (1,2). Die Kombination aus Ramucirumab und Docetaxel wird bereits jetzt in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) als Zweitlinientherapieoption für Patienten mit metastasiertem NSCLC nach dem Versagen einer platinhaltigen Immunchemotherapie genannt (6).

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Clarke JM et al., J Clin Oncol 2019; 37 (Suppl): Abstract e20725.
(2) Clarke JM et al., J Clin Oncol 2019; 37 (Suppl): Abstract e20727.
(3) Report in „Der Onkologe“: Die bewährte Therapie mit Ramucirumab in der Zweitlinie wiederentdeckt, Band 25, Heft 6, Juni 2019.
(4) Garon EB et al., Lancet 2014; 384: 665-67.
(5) Fachinformation Cyramza®. Stand: Januar 2016.
(6) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@view/html/index.html. Letzter Aufruf: 17. Juni 2019.


Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 

Das könnte Sie auch interessieren

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen für betroffene Patienten vor.

Hufeland-Preis ehrt Initiatoren eines bundesweiten Kita-Sonnenschutzprojekts zur Krebsprävention

Hufeland-Preis ehrt Initiatoren eines bundesweiten Kita-Sonnenschutzprojekts zur Krebsprävention
© drubig-photo / Fotolia.com

Prof. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention e.V. (ADP), Dr. Nadja Seidel und Dr. Friederike Stölzel, Leiterinnen des Präventionszentrums des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) sind mit dem Hufeland-Preis des Kuratoriums der Stiftung Hufeland-Preis ausgezeichnet worden. Sie erhielten den mit 20.000 Euro dotierten Preis für Präventivmedizin für ihr bundesweites Sonnenschutz-Projekt...

Ausgewogene Ernährung reduziert Krebsrisiko

Ausgewogene Ernährung reduziert Krebsrisiko
© Daniel Vincek / Fotolia.com

Mit einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung erhält der Körper nicht nur wertvolle Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, sondern auch wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Umgekehrt gilt: Mit dem stetigen Bevorzugen bestimmter Lebens- und Genussmittel schadet man der eigenen Gesundheit. „Das heißt, schon mit der Ernährung kann das Risiko für Darmkrebs erhöht oder gesenkt werden“, betont Lars...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"NSCLC: Optionen nach Versagen der Immuntherapie in der Erstlinie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.