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Medizin

09. Dezember 2020 NSCLC: Hoher Stellenwert nicht-interventioneller Studien

Experten erörterten in einem Satellitensymposium zum nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) auf dem AIO-Herbstkongress 2020 zum einen den Einsatz einer Antiangiogenese-Substanz wie Nintedanib in der Sequenz nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) und zum anderen die Möglichkeiten der Therapie bei seltenen EGFR-Mutationen. Resultate aus Daten aus der Versorgungsrealität werden zunehmend relevant.
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Die Therapie des NSCLC ist einem stetigen Wandel unterzogen, hielt Prof. Dr. Christian Grohé, Berlin-Buch, fest. Dabei haben sich aktuell die Kombinationen aus ICI und Chemotherapien in der Erstlinie des NSCLC ohne therapierbare Treibermutation als neuer Standard of Care etabliert. Weiterhin hat sich die Antiangiogenese im Sinne eines „angio-immunogenen Switch" als effektives Therapiekonzept nach Progress unter ICI erwiesen.
Allerdings bleibt festzuhalten, dass sich bei der raschen Veränderung der Therapielandschaft, auch und gerade was die Sequenzen angeht, kaum klinische evidenzbasierte Studien (RCT) zur Validierung heranziehen lassen, erläutert Grohé.

Daher werden die Resultate aus Daten aus der Versorgungsrealität zunehmend relevant. Um etwa den Einsatz von Nintedanib + Docetaxel in der Sequenz zu bewerten kann auf die VARGADO-Untersuchung zurückgegriffen werden; dabei handelt es sich um eine prospektive, nicht-interventionelle Studie (NIS).

Daraus referierte der Onkologe die Kohorte B, in welcher diese Kombination als Drittlinie nach Chemo und ICI in der Zweitlinie eingesetzt wurde. Diese Sequenz ist mittlerweile überholt, weil, wie erwähnt, Chemo und ICI in der Erstlienie Anwendung finden, und somit Nintedanib + Docetaxel als Zweitlinie sinnvoll platziert werden kann. Die Ergebnisse, 6,5 Monate medianes PFS und 12,2 Monate medianes OS (1), nannte Grohe, gerade vor dem Hintergrund anderer Resultate in der Drittlinie „erstaunlich gut“. Damit hat, fasst er zusammen, "der Einsatz des antiangiogenen Therapieprinzips das Potenzial, den Ursachen in der Progress-Situation unter ICI entgegenzuwirken."

Seltene EGFR-Mutation spezifisch adressieren

Burkhard Matthes, Krankenhaus Havelhöhe, diskutierte die seltenen EGFR-Mutationen, die sowohl isoliert auftreten können als auch in Kombinationen. Sie werden, fährt der internistische Onkologe fort, in drei Gruppen unterteilt, wobei die Gruppe 1 die meisten Gen-Abberationen umfasst (ca. 50). Dabei handelt es sich um Punktmutatioenn oder Duplikationen im Exon 18-21. Die Gruppe 2 wird dominiert von der T790M als Resistenzmutation, entweder alleine oder in Kombination. Gruppe 3 ist definiert durch Exon 20 Insertionen.

Afatinib zeigt klinische Wirksamkeit bei NSCLC-Patienten mit seltenen EGFR-Mutationen der Gruppe 1, so Matthes. Ergebnisse zur Wirksamkeit basieren auf den spezifischen Daten aus den Studien LUX-LUNG 2,3 und 6. Daraus ergeben sich "Resultate in Bezug auf diese Gruppe 1 für das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) von 10,7 Monaten und für das mediane Gesamtüberleben (mOS) von 19,4 Monate (2)."

Aktuelle Daten zu Afatinib bei den seltenen Mutationen basieren auf Nicht-interventonelle Untersuchungen. Dabei ergab sich eine Dauer des Ansprechen (DOR) von 17 Monaten und ein mittleres OS von 19 Monaten (3). Entsprechend empfehlen die Leitlinien Afatinib in dieser Indikation (4).




 

Reimund Freye

Quelle: Satellitensymposium: Relevanz und Chancen von Real-Life-Daten beim NSCLC, im Rahmen des 17. AIO Herbstkongresses (virtuell) 2020, 21.11. 2020; Veranstalter: Boehringer Ingelheim Pharma

Literatur:

(1) Grohé C et al., Ann Oncol 2020; 31(suppl 4): S875 S876 (ESMO 2020)
(2) Yang JC et al., Lancet Oncol 2015; 16(7): 830-8
(3) Yang JC et al., J Thorac Oncol 2020; 15(5): 803-15
(4) Onkopedia-Leitlinie NSCLC, Okt 2019


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