Freitag, 4. Dezember 2020
Navigation öffnen
Medizin

21. Oktober 2020 NSCLC und ALK+: G-BA bescheinigt Zusatznutzen von Brigatinib

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erkennt Zusatznutzen von Brigatinib (ALUNBRIG®) im Vergleich zu Crizotinib bei der Behandlung von ALK-Inhibitor-naiven, erwachsenen Patienten mit anaplastischer Lymphomkinase-positivem (ALK+), fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) an (1). Der Ausschuss bestärkt damit den positiven Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2).Die Bewertung basiert auf den Ergebnissen der randomisierten kontrollierten Phase 3-Studie ALTA-1L, in der Wirksamkeit, Lebensqualität und Sicherheit von Brigatinib gegenüber Crizotinib evaluiert wurden (3, 4). Basierend auf dem vorgelegten Dossier zur Nutzenbewertung von Brigatinib ergibt sich für den G-BA ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen für Patienten mit Hirnmetastasen und ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn (5). Basis hierfür waren Vorteile gegenüber Crizotinib in z.B. den Nutzenkategorien Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Sicherheit (1, 5).
Anzeige:
Kyprolis
„Wir freuen uns sehr über diese positive Entscheidung des G-BA. Sie unterstreicht die Effektivität und Sicherheit von Brigatinib – insbesondere bei Patienten mit Hirnmetastasen. Einen beträchtlichen Zusatznutzen im direkten Vergleich zu einem Tyrosinkinaseinhibitor hat noch kein anderer ALK-Inhibitor ausgesprochen bekommen“, sagte Peter Klein, Takeda. Brigatinib ist seit April 2020 für die Erstlinientherapie des ALK+ NSCLC zugelassen (6). Basis für die Zulassung war die randomisierte, offene, vergleichende, multizentrische und internationale Phase 3-Studie ALTA-1L (3, 4). Eingeschlossen waren 275 erwachsene Patienten, die entweder einmal täglich 180 mg Brigatinib nach einer 7-tägigen Einleitungsphase mit 90 mg Brigatinib pro Tag (n=137) oder 2x täglich 250 mg Crizotinib (n=138) erhielten (3, 4). Zur Beurteilung des Zusatznutzens durch den G-BA wurde die Gesamtpopulation der Studie in 2 Subpopulationen aufgeteilt und ein entsprechend differenzierter Zusatznutzen ausgesprochen für Patienten mit Hirnmetastasen und für Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn (1).
 
Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen für Patienten mit Hirnmetastasen

Für Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn spricht der G-BA ausgehend von der aktuellen Datenlage der ALTA-1L Studie, die im Rahmen des Dossiers zur Nutzenbewertung vorgelegt wurde, einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen aus (5). Denn Patienten, die zum Zeitpunkt des Studienbeginns Hirnmetastasen aufwiesen, profitieren in besonderem Maße von der Behandlung mit Brigatinib: In einer entsprechenden Subgruppenanalyse konnte für dieses Patientenkollektiv laut Prüfarzt ein statistisch signifikanter und bisher nicht erreichter Überlebensvorteil gegenüber Crizotinib nachgewiesen werden: HR: 0,45; 95%-KI: 0,21–0,99; p=0,046 (5). Der besonders stark ausgeprägte Effekt unterstreicht die Bedeutung von Brigatinib in dieser prognostisch ungünstigen Subgruppe und lässt auf eine bessere ZNS-Wirksamkeit der Substanz schließen. Dies zeigt sich auch in einem statistisch signifikant reduzierten Risiko für einen ZNS-Progress: Brigatinib reduzierte das Risiko eines intrakraniellen Krankheitsprogresses oder Todes um 69% bei Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn (HR: 0,31; 95%-KI: 0,17–0,56; p<0,0001; laut BIRC) (3), mit einem medianen intrakraniellen PFS von 24 Monaten (95%-KI: 12,9–NR) gegenüber 5,6 Monaten (95%-KI: 3,7–7,5) unter Crizotinib (3). Das mediane (Gesamt-)PFS für Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn wurde unter Brigatinib nicht erreicht und betrug 5,9 Monate (95%-KI: 3,7–7,5) unter Crizotinib (laut Prüfarzt, mit einer HR von 0,24 (95%-KI: 0,12–0,45)) (3). Hinsichtlich der Morbidität kommt zudem eine relevante Verbesserung unter Brigatinib in der Symptomatik hinzu (Zeit bis Verschlechterung, EORTC QLQ-C30 und -LC13): Positive Effekte zeigen sich bei Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Fatigue, Appetitverlust, Schmerzen in Arm/Schulter sowie periphere Neuropathie. Auch zeigt sich ein Vorteil bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, welche z.B. für die patientenberichteten Endpunkte globaler Gesundheitsstatus, emotionale Funktion und soziale Funktion beobachtet wurde. Bei den Nebenwirkungen liegen für den G-BA darüber hinaus keine relevanten Unterschiede mit Bedeutung für die Nutzenbewertung vor (1). „Der G-BA hat mit seiner Entscheidung die Datenlage zur eindrucksvollen Wirksamkeit von Brigatinib in der Erstlinientherapie bestätigt. Zahlreiche Patienten mit ALK+ NSCLC haben bereits bei Erstdiagnose oder entwickeln im Laufe der Behandlung Hirnmetastasen. Der beträchtliche Zusatznutzen gibt uns weiteres Vertrauen zum Einsatz dieses ALK-Inhibitors,“ so Professor Dr. med. Martin Reck, Chefarzt Onkologischer Schwerpunkt, LungenClinic Grosshansdorf.
 
Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für Patienten ohne Hirnmetastasen

Für Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn war der Median für das Gesamtüberleben ebenfalls noch nicht erreicht. Zudem zeigte sich ausgehend von der aktuellen Datenlage kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Für den G-BA ergab dieser Endpunkt keinen für die Nutzenbewertung relevanten Unterschied (3). Dennoch lässt sich laut Beschlusses des G-BA auch für Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn ein Zusatznutzen für Brigatinib ableiten. Dieser basiert zum Beispiel auf den Endpunkten Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Fatigue, Appetitverlust, Schmerzen in Arm/Schulter sowie periphere Neuropathie (Zeit bis Verschlechterung, EORTC QLQ-C30 und -LC13). Auch zeigt sich ein Vorteil von Brigatinib im Vergleich zu Crizotinib hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Bezüglich der Nebenwirkungen liegen für den G-BA keine relevanten Unterschiede mit Bedeutung für die Nutzenbewertung vor. In der Folge überwiegen die positiven Effekte von Brigatinib im Vergleich zu Crizotinib. Es ergibt sich demnach für die Patientengruppe ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen von Brigatinib (1).

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) G-BA-Beschluss zu Brigatinib. Stand 15.10.2020. Online unter: https://www.g-ba.de/downloads/39-261-4498/2020-10-15_AM-RL_XII_Brigatinib_D-542.pdf; Letzter Zugriff 16.10.2020.
(2) IQWiG-Berichte – Nr. 950. Brigatinib (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom). Stand 30.07.2020. Online unter: https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/547/#nutzenbewertung; Letzter Zugriff 14.10.2020.
(3) Camidge DR, et al. J Clin Oncol 2020; DOI: 10.1200/JCO.20.00505.
(4) Camidge DR, et al. N Engl J Med 2018; 379(21):2027-2039.
(5) Dossier zur Nutzenbewertung des Wirkstoffs Brigatinib (neues Anwendungsgebiet: NSCLC, ALK+, ALK- Inhibitor-naive Patienten), Modul 4, https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/547/; Letzter Zugriff 14.10.2020.
(6) Aktuelle Fachinformation Alunbrig®; www.fachinfo.de.


Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"NSCLC und ALK+: G-BA bescheinigt Zusatznutzen von Brigatinib "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab