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Medizin

04. April 2017 Nebennierentumoren: Revolutioniert die High-throughput-Tandem-Massenspektrometrie die Diagnostik?

Auf dem 60. Deutschen Kongress für Endokrinologie in Würzburg erhielt Frau Prof. Wiebke Arlt die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, die Berthold-Medaille, verbunden mit der Berthold-Lecture (1). Der Frage, wie man die Diagnostik von Nebennierentumoren verbessern kann, ging die Wissenschaftlerin in ihrem Preisvortrag nach. Sie stellte ihre zukunftsweisenden Ergebnisse zur Charakterisierung des Steroid-Metaboloms von Nebennierenraumforderungen vor.
Das klinische Management von Nebennierentumoren ist eine gesundheitspolitische Herausforderung von wachsender Bedeutung, da diese Tumoren mit zunehmender Häufigkeit detektiert werden in einer älter werdenden Bevölkerung mit weit verbreitetem Zugang zu fortgeschrittenen Bildgebungstechnologien. Die zentrale Frage ist, ob ein solcher Tumor chirurgisch entfernt werden muss oder nicht. Grundsätzlich muss man für diese Frage primär zwei Unterfragen beantworten: Ist der Nebennieren-Knoten hormonell aktiv und ist er gutartig oder bösartig?

Trotz einiger sehr hilfreicher Kriterien, die auch in der jüngst publizierten Europäischen Leitlinie zu Nebennieren-Inzidentalomen zusammengefasst wurden (2), stößt die konventionelle Bildgebung an ihre Grenzen bei der näheren Charakterisierung von Nebennierentumoren und nach wie vor finden sich unter den chirurgisch entfernten Nebennierentumoren viele hormoninaktive, gutartige Nebennierenadenome, die keiner operativen Entfernung bedurft hätten. Die Biopsie ist mit den Risiken einer invasiven Diagnostik und einem oftmals wenig aussagekräftigen Ergebnis verbunden, so dass sie in den meisten Fällen nicht sinnvoll ist.

Prof. Arlt konnte mittels nicht-invasiver und damit patientenfreundlicher, massenspektrometrischer Urinanalytik einen Steroid-Fingerabdruck gutartiger und bösartiger Nebennierentumoren erstellen. Im Rahmen ihrer Untersuchungen gelang es, unter Beteiligung des Europäischen Nebennierentumor-Netzwerks ENSAT, die bislang umfangreichste Datenbank von mehr als 2.000 hervorragend charakterisierten Patienten mit Nebennierentumoren zu etablieren, sie zu analysieren und die Methodik der Urin-Steroid-Metabolomik zu validieren.

Während mit der konventionellen Bildgebung auch in dieser Serie ein erheblicher Anteil der Adenome nicht sicher klassifiziert wurde, konnte neben prognostischen Parametern wie Patientenalter und Tumorgröße insbesondere mittels der neu etablierten Steroidanalytik eine sehr gute Einordnung erfolgen. Mit dieser Methodik ließen sich bösartige Tumoren mit einer Sensitivität und Spezifität von über 90% richtig zuordnen, was deutlich besser ist als alle bisherigen Verfahren.

Quelle: Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie

Literatur:

(1) Wiebe Arlt
Steroid Metabolomics in Nebennierentumoren.
Berthold-Lecture auf dem 60. Deutschen Kongress für Endokrinologie in Würzburg am 17. März 2017
(2) Fassnacht et al.
Management of adrenal incidentalomas: European Society of Endocrinology Clinical Practice Guideline in collaboration  with the European Network for the Study of Adrenal Tumors.
Eur J Endocrinol. 2016 Aug;175(2): G1-G34


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