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Medizin
08. Juni 2016

Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: Deutschland bei Forschung ganz vorne dabei

Auf der 66. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie wurde eine große Bandbreite neuer Forschungsergebnisse und Verfahren präsentiert; zu den Highlights zählen erste Erfahrungen mit kaltem Plasma und 3D-Schablonen zum mikrochirurgischen Gewebetransfer bei Mundhöhlenkarzinomen.

"In der Plasmaforschung nimmt Deutschland neben Japan und den USA eine Spitzenstellung ein", sagte Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Mertelmann, Greifswald. "Physikalisches Plasma ist neben Eis, Wasser und Dampf der 4. Aggregatzustand. Plasma sendet elektromagnetische Strahlung aus und kann so Oberflächen verändern. Erst 1995 wurde es möglich, sogenanntes kaltes Plasma zu erzeugen, das etwa menschliche Körpertemperatur hat und daher beim Patienten angewendet werden kann – im Gegensatz zu den Temperaturen, die auf der Sonne – dem Planeten im Plasmazustand – herrschen". Inzwischen sind drei Gerätetypen als Plasmaquellen zugelassen, die Bundesregierung unterstützt diese Forschung mit ihrem Projekt "Photonik 2020".

Kaltes Plasma bewirkt Apoptose in Tumorzellen

Mit einem Laserstrahl aus kaltem Plasma (CAP; cold atmospheric plasmas) werden Keime auf Wundflächen abgetötet bzw. präventiv verhindert. Auch die Zellproliferation lässt sich damit steuern, indem gezielt bestimmte Flächen gelasert werden, Fibroblasten darauf ausgebracht und so ein Wachstumsmuster erzeugt werden kann. Jüngste Entdeckung ist, dass mit kaltem Plasma behandelte Tumorzellen in Apoptose gehen. Im Gegensatz zur Nekrose bleiben auf diese Weise gesunde Nachbarzellen intakt, der die Tumorzellen beinhaltende Defekt fällt einfach ab, das gesunde umliegende Gewebe wächst in die Lücke ein, Blutgefäße bilden sich neu (1). Studien mit Krebspatienten sollen nun folgen, in denen chirurgische Eingriffe mit Plasmabehandlung unterstützt werden, vor allem bei nicht vollständig resezierbaren Tumoren.

Ein weiteres hochinteressantes Forschungsgebiet ist die am Rechner geplante und gedruckte 3D-Schablone, mit der Knochen und Gewebe entnommen und transferiert werden kann, sagte Prof. Dr. Dr. Max Heiland, Hamburg. Er stellte einen Patienten vor, bei dem aufgrund eines Mundschleimhautkarzinoms der Unterkieferkamm teilweise zerstört war. Hier wurden mittels CT/MRT die Resektionsgrenzen als 3D-Daten ermittelt, eine Schablone erstellt und damit passgenau ein Wadenbeintransplantat entnommen und geformt (Abb. 1).
 

Abb. 1. Bildnachweis: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie)
Abb. 1. Bildnachweis: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie)
 
Abb. 2. Das Transplantat aus Unterarmgewebe erscheint etwas heller als das Zungenkolorit. Bildnachweis: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie)
Abb. 2. Das Transplantat aus Unterarmgewebe erscheint etwas heller als das Zungenkolorit. Bildnachweis: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie)

Eindrucksvoll war auch ein weiterer Fall, den Prof. Heiland vorstellte: bei einer Patientin mit einem Tumor im Bereich der Zungenunterseite wurde Gewebe aus dem Unterarm zur Rekonstruktion der Zunge transplantiert und für die Blutversorgung an die großen Halsgefäße angeschlossen. Die Patientin kann nach der OP wieder ohne Einschränkung schlucken, kauen und sprechen.

AB

Quelle: 66. Kongress der DGMKG, Hamburg, 2.6.2016

Literatur:

(1) Mertelmann, Plasmamedizin, Springer 2016, in press


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