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Medizin
03. Juni 2016

Multiples Myelom: Verbesserte Prognose durch Panobinostat

Der Fortschritt bei den Therapiemöglichkeiten des Multiplen Myeloms (MM) sei „imposant“ und die Prognose für die Patienten habe sich deutlich verbessert, stellte Prof. Monika Engelhardt bei einem Pressegespräch am internationalen Tag der Pflege in Freiburg heraus. Seit 2015 wurden insgesamt 7 neue Medikamente zur Behandlung des MM in Deutschland zugelassen, darunter  der Histon-Deacetylase (HDAC)-Inhibitor Panobinostat (Farydak®), der in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason eine neue Möglichkeit der Behandlung eröffnet.
Aktuelle Therapiestrategien beim Multiplen Myelom

Mit 4 bis 6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner jährlich zählt das MM zu den häufigsten malignen hämatologischen Erkrankungen (1). Es wird durch eine erhöhte Vermehrung monoklonaler, antikörperproduzierender Plasmazellen im Knochenmark verursacht (2). Im fortgeschrittenen Stadium leiden die Patienten unter Knochenschmerzen und spontanen Frakturen (1, 2).

Trotz großer therapeutischer Fortschritte in den letzten Jahren besteht bei Rezidivraten von über 90% der Bedarf an neuen Therapiemöglichkeiten (2, 3). Die Behandlung des MM beinhaltet eine initiale Induktionstherapie und eine darauf folgende, von Alter und Fitness abhängige, Hochdosistherapie mit allogener oder autologer Stammzelltransplantation (SZT) (1). Ziel der anschließenden Erhaltungstherapie ist es, das therapiefreie Intervall und das Gesamtüberleben (OS) zu verlängern (1).

Neben den bekannten Therapiemöglichkeiten durch Chemotherapie (Glukokortikoide und Alkylantien), Bestrahlung und SZT, gibt es neue Substanzklassen, wie Proteasominhibitoren (PI), immunmodulatorische Substanzen (IMiDs), HDAC-Inhibitoren und Antikörper, die eine gezieltere Behandlung von MM ermöglichen. Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig geworden und „allein bei der Entität MM haben wir 55 Therapieprotokolle aufgestellt“, sagte Prof. Monika Engelhardt. Besonders die Kombination von bekannten mit neuen Substanzklassen ermöglicht zahlreiche Protokolle zur gezielten Behandlung der Erkrankung und stellt somit eine Verbesserung für die Patienten dar.

Panobinostat: Eine neue Behandlungsoption beim Multiplen Myelom

Prof. Ralph Wäsch berichtete über den Einsatz des HDAC-Inhibitors Panobinostat in der MM-Therapie. Seit August 2015 ist Panobinostat (Farydak®) in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason in der EU zugelassen. Damit steht erwachsenen Patienten mit rezidiviertem bzw. rezidiviertem und refraktärem MM, die mindestens 2 vorausgegangene Behandlungen, darunter Bortezomib + IMiD, erhalten haben, eine neue, wichtige Therapieoption zur Verfügung (4).

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination Panobinostat + Bortezomib + Dexamethason beim MM wurde in der Phase-III-Studie PANORAMA-1 überprüft (5). Unter der Panobinostat-Kombination zeigte sich im Vergleich zum Kontrollarm eine Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens (PFS) um 7,8 Monate: Mit Panobinostat lag das PFS bei 12,5 Monaten, ohne Panobinostat bei 4,7 Monaten (HR 0,47; 95%-KI 0,31-0,72 ) (Abb. 1) (4). Zudem erzielten 21,3% der Patienten mit Panobinostat eine tiefe Remission im Sinne eines vollständigen (CRC) oder nahezu vollständigen Ansprechens (nCRC) und damit mehr als doppelt so viele wie in der Vergleichsgruppe (8,1%) (4). Das Erreichen einer tiefen Remission ist von prognostischer Bedeutung im Hinblick auf das Gesamtüberleben (medianes OS nach 60 Monaten nicht erreicht vs. 25,4 Monate; HR 0,22; 95%-KI: 0,09; 0,55) (5).
 
Abb. 1: Längeres PFS durch die Panobinostat-Kombinationstherapie (mod. nach (4)).
Abb. 1: Längeres PFS durch die Panobinostat-Kombinationstherapie (mod. nach (4)).


Zudem wurde mit der Panobinostat-Kombinationstherapie ein verlängertes therapiefreies Intervall erreicht, so konnte die Behandlung durchschnittlich für 4,7 Monate ausgesetzt werden, ohne dass es zu einem Progress der Erkrankung kam (4). Es konnten Nebenwirkungen vom Grad 3/4 festgestellt werden: Thrombozytopenie (67%), Lymphopenie (53%), Diarrhoe (26%) und Asthenie/ Fatigue (24%) (5). Die mittlerweile etablierte subkutane Gabe von Bortezomib verbessert die Verträglichkeit im Vergleich zur intravenösen Applikation.

Insgesamt haben sich auf dem Gebiet des MM in den letzten Jahren beeindruckende Entwicklungen vollzogen. Die mannigfaltigen Therapiemöglichkeiten erfordern die Arbeit und den Austausch in einem interdisziplinären Team, um die bestmöglichen Therapieentscheidungen zu treffen. Neue Therapieansätze und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind die Schlüsselfaktoren einer erfolgreichen Myelom-Therapie.

ma

Quelle: Pressegespräch Farydak®, „Das Multiple Myelom umfassend therapieren - eine 360 ° Betrachtung“, 12.05.2016, Freiburg; Veranstalter: Novartis Oncology

Literatur:

(1) Naegele M, Engelhardt M: Neue Therapieoptionen beim Multiplen Myelom. Heilberufe 2016; 68(2):24-27
(2) Kortüm M, Driessen C, Einsele H et al.: DGHO Leitlinie Multiples Myelom. Online verfügbar unter: www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@view/html/index.html. Letzter Zugriff am 4. Mai 2016.
(3) Goldschmidt H: Strategien beim rezidivierten/refraktären multiplem Myelom. Der Onkologe 2014; 20:250-256.5.
(4) Richardson PG, Hungria VT, Yoon SS et al.: Panobinostat plus bortezomib and dexamethasone in relapsed/relapsed and refractory myeloma: outcomes by prior treatment. Blood 2016; 127(6):713-721.
(5) San-Miguel JF, Hungria V, Yoon SS et al.: Panobinostat plus bortezomib and dexamethasone versus placebo plus bortezomib and dexamethasone in patients with relapsed or relapsed and refractory multiple myeloma: a multicentre, randomised, double-blind phase 3 trial. Lancet Oncol 2014; 15:1195-1206.


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