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15. Juli 2021
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©Sebastian Kaulitzki / Fotolia.de

Multiples Myelom: Regulator für Bildung von Blutkrebs entdeckt

Die Bildung tumorfördernder Blutgefäße im Rückenmark von Blutkrebs-Patienten wird maßgeblich durch ein regulatorisches Protein beeinflusst. Einer Forschungsgruppe gelang es, in einer Reihe unterschiedlicher Experimente Hinweise zu sammeln, dass ein als JunB bezeichneter Transkriptionsfaktor eine bedeutende Rolle bei der Bildung von neuen Blutgefäßen im Rückenmark von Patienten mit Multiplem Myelom spielt. Die Entdeckung bietet neue Angriffspunkte zur Behandlung dieser bisher unheilbaren Erkrankung und wurde nun in der Fachzeitschrift Leukemia publiziert.

Auslöser für Angiogenese

Das Multiple Myelom ist die zweithäufigste Krebserkrankung blutbildender Zellen und gilt trotz enormer therapeutischer Fortschritte während der letzten 2 Dekaden immer noch als unheilbar. In seiner Entwicklung gibt es einen kritischen Punkt, der mit der Entstehung neuer Blutgefäße (Angiogenese) im Rückenmark einhergeht. Der genaue Auslöser für diesen Vorgang ist nicht völlig klar. Doch nun gelang es einem internationalen Team um Mediziner der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems), Hinweise auf diesen Auslöser zu finden.

Transkriptionsfaktor JunB: Herstellung von Proteinen

Konkret analysierte das Team die Rolle eines als JunB bezeichneten Transkriptionsfaktors, also eines Proteins, das die Herstellung anderer Proteine reguliert. In einer Reihe von unterschiedlichen Experimenten gelang es, eindeutige Belege dafür zu finden, dass JunB in einer frühen Phase des Multiplen Myeloms die Herstellung von Proteinen veranlasst, die in weiterer Folge die Entstehung neuer Blutgefäße im Rückenmark initiieren. Damit trägt JunB unmittelbar zum Übergang von Vorläufererkrankungen in ein symptomatisches Multiples Myelom bei.
 
 
 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Expertengespräch: Update 2020 Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms – DKG-Thesen 2020/2021

Erschienen am 01.09.2020Im Rahmen des Annual Meetings der American Society of Hematology (ASH 2019) und des Europäischen Hämatologenkongresses (EHA 2020) diskutierten Experten die aktuellen...

Erschienen am 01.09.2020Im Rahmen des Annual Meetings der American Society of Hematology (ASH 2019) und des Europäischen...

© David A Litman – stock.adobe.com

JunB – Protein mit vielschichtigen Funktionen

Für das Team um Dr. Podar ist JunB kein unbekanntes Protein. Schon seit Jahren analysiert es die vielschichtigen Funktionen, die dieses für den Verlauf des Multiplen Myeloms hat. „Wir konnten bereits zeigen, dass JunB das Überleben entarteter Blutzellen sichert, deren Vermehrung fördert sowie zu Medikamentenresistenzen beiträgt“, erläutert Dr. Podar die Ergebnisse früherer Arbeiten. „Dass wir jetzt auch noch eine wichtige Rolle für die Entstehung von tumorfördernden Blutgefäßen zeigen konnten, unterstreicht die Bedeutung dieses einzelnen Proteins für den Verlauf dieser schwer behandelbaren Erkrankung.“

Experimente zur Entdeckung der Funktionen

Die Hinweise zur Entdeckung der neuen Funktion von JunB sammelte das Team in zahlreichen, einander ergänzenden Experimenten. In Tumorzellmodellen wurde gezeigt, dass ein An- oder Abschalten der für JunB verantwortlichen Gene zu einer starken Korrelation mit der Aktivierung von Genen führte, deren Rollen für die Angiogenese bekannt sind (VEGF, VEGFB, IGF1). Auch konnte gezeigt werden, dass Nährmedien von Zellmodellen, in denen JunB aktiviert war, das Blutgefäßwachstum stimulierten. Weitere Experimente, wie 3D-Modelle, Fremdtransplantationen in Tiermodellen und unter Verwendung von Rückenmarkschnitten von Betroffenen, bestätigten die immer dichter werdenden Hinweise, dass JunB eine Schlüsselrolle bei der Initiierung der Angiogenese hat. Dabei gelang es auch zu zeigen, dass diese Rolle unabhängig von der Sauerstoffsituation im Gewebe ist – ein wichtiger Aspekt, da rasch wachsende Tumore oftmals eine mangelnde Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff aufweisen, was bestimmte, tumorfördernde Gene aktiviert. Weiter wurde gefunden, dass die Aktivierung von JunB in einer frühen Phase während des Übergangs in einen aggressiven Verlauf erfolgt. Dazu Dr. Podar: „Damit bietet sich JunB als spannendes Target für die Entwicklung neuer Therapeutika an. Zumal – wie wir ja bereits zuvor zeigen konnten – JunB weitere Rollen im Verlauf des Multiplen Myeloms hat, die es als geeignetes Ziel ausweisen.“

Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität Krems

Literatur:

JunB is a key regulator of multiple myeloma bone marrow angiogenesis. F. Fan, S. Malvestiti, S. Vallet, J. Lind, J. M. Garcia-Manteiga, E. Morelli, Q. Jiang, A. Seckinger, D. Hose, H. Goldschmidt, A. Stadlbauer, C. Sun, H. Mei, M. Pecherstorfer, L. Bakiri, E. F. Wagner, G. Tonon, M. Sattler, Y. Hu, P. Tassone, D. Jaeger, K. Podar. Leukemia, https://doi.org/10.1038/s41375-021-01271-9.


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