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Medizin
24. November 2016

Mit der PD-L1-Hemmung das Immunsystem aktivieren

Die Krebsimmuntherapie ist ein neuer Hoffnungsträger für die Behandlung von Tumorpatienten. Bei einzelnen Tumorentitäten haben sich immunologische Substanzen bereits als fester Therapiebestandteil etabliert, bei anderen Entitäten liegen vielversprechende klinische Studiendaten vor. Neben der PD-1-Hemmung ist die PD-L1-Hemmung ein vielversprechender Ansatz.
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Bei der PD-L1-Hemmung wird gezielt das PD-L1-Protein blockiert, welches sowohl von den Tumorzellen (TC) als auch den tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC) exprimiert wird. Interagiert PD-L1 mit bestimmten Rezeptoren auf der Oberfläche der T-Zellen, wird das körpereigene Immunsystem inaktiviert. Durch die PD-L1-Blockade kann diese Inaktivierung verhindert werden. Vielversprechende Ergebnisse liegen mit der PD-L1-Hemmung bei den urogenitalen Karzinomen und dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) vor, erläuterte Prof. Dr. Martin Wolf, Klinik für Onkologie und Hämatologie, Klinikum Kassel, auf einem Satellitensymposium anlässlich der diesjährigen DGHO-Tagung.

Atezolizumab beim Urothelkarzinom

In der Phase-II-Studie IMvigor210 (1) wurden Patienten mit fortgeschrittenem bzw. metastasiertem Urothelkarzinom mit Atezolizumab behandelt, die entweder für eine Platin-Therapie nicht geeignet (Kohorte 1) oder bereits mit Platin vorbehandelt waren (Kohorte 2). Bei den Platin-vorbehandelten Patienten zeigte sich bei 46% der auswertbaren Patienten eine Tumorschrumpfung (2), erläuterte Prof. Dr. Viktor Grünwald, Medizinische Hochschule Hannover. Das Ausmaß der Tumorschrumpfung korrelierte, so Grünwald, mit der Höhe der PD-L1-Expression. Im Median überlebten diese Patienten 7,9 Monate (3). Die mediane Überlebenszeit liegt im Bereich dessen, was auch mit den PD-1-Hemmern beim fortgeschrittenen und Platin-vorbehandelten Urothelkarzinom erreicht wurde, betonte Grünwald. Im historischen Vergleich mit der Chemotherapie deute dies auf eine Verlängerung der medianen Gesamtüberlebenszeit durch die Immuntherapie hin.

Die Patienten, die für eine Platin-Therapie nicht geeignet waren (Kohorte 1), waren bereits firstline mit Atezolizumab behandelt worden. Die mediane Gesamtüberlebenszeit betrug hier 16 Monate bei einer 1-Jahres-Überlebensrate von 57% (4). Die Verträglichkeit von Atezolizumab bezeichnete Grünwald als insgesamt gut.

Atezolizumab beim NSCLC

Beim fortgeschrittenen NSCLC liegen sowohl zur PD-1- als auch zur PD-L1-Hemmung vielversprechende Phase-III-Studiendaten vor, betonte PD Dr. Niels Reinmuth, Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Er stellte die aktuellen Ergebnisse mit Atezolizumab in der OAK-Studie (5) vor. Atezolizumab wurde hier bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC mit der Docetaxel-Monotherapie verglichen. Alle Patienten waren mit ein oder zwei Chemotherapien vorbehandelt, darunter mindestens ein Platin-haltiges Regime. Primärer Studienendpunkt war das Gesamtüberleben der Intent-to-treat(ITT)-Population (n=850).

Die Kaplan-Meier-Kurven zeigen nach einer Nachbeobachtungszeit von 19 Monaten eine mediane Gesamtüberlebenszeit von 13,8 Monaten für die mit Atezolizumab behandelten Patienten im Vergleich zu 9,6 Monaten im Kontrollarm mit Docetaxel (HR=0,73; p=0,0003). Der Überlebensvorteil bestätigte sich in den Subgruppenauswertungen, unter anderem unabhängig von der Histologie – Plattenepithel- bzw. kein Plattenepithelkarzinom (jeweils HR=0,73).

Gut die Hälfte der ITT-Population (55%) wies eine PD-L1-Expression (auf ≥ 1% TC oder IC) auf. Diese Subgruppe überlebte unter Atezolizumab median 15,7 Monate und damit 5,4 Monate länger als die Patienten im Kontrollarm mit median 10,3 Monaten (HR=0,74; p=0,0102). Doch, so Reinmuth, auch die Patienten ohne PD-L1-Expression (TC0/IC0: 45%) hatten im Atezolizumab-Arm eine signifikant längere mediane Überlebenszeit im Vergleich zum Chemotherapie-Arm (12,6 vs. 8,9 Monate; HR=0,75; p=0,0205). Die längste mediane Überlebenszeit erreichten die Patienten mit starker PD-L1-Expression (auf ≥ 50% TC (TC3) oder ≥ 10% IC (IC3)). Diese Subgruppe (16% der ITT-Population) überlebte im Atezolizumab-Arm im Median 20,5 Monate versus 8,9 Monate im Docetaxel-Arm (HR=0,41; p<0,0001).

Beim progressionsfreien Überleben zeigte sich nur für die Patienten mit starker PD-L1-Expression (TC3 oder IC3) ein klarer Vorteil (HR=0,63), nicht jedoch für die gesamte ITT-Population (HR=0,95; p=0,4928). Die Höhe der Ansprechrate unter Atezolizumab korrelierte mit der PD-L1-Expression. Die Ansprechdauer war unter Atezolizumab deutlich länger als unter der Chemotherapie, betonte Reinmuth (16,0 vs. 6,2 Monate).

Die meisten Nebenwirkungen, die unter Atezolizumab auftraten, waren leicht und mittelgradig (Grad 1-2). Die Inzidenz an Grad 3-4-Nebenwirkungen lag deutlich unter 5%; primär waren Fatigue und Anämie betroffen. Die Inzidenz immunvermittelter Nebenwirkungen betrug ≤1%. Insgesamt bietet die Immuntherapie wichtige neue Impulse für die Behandlung von Patienten mit NSCLC, resümierte Reinmuth. Die Zukunft sieht er in der Kombinationstherapie. 

Birgit-Kristin Pohlmann

Quelle: Roche-Satellitensymposium "Die nächste Generation der Krebsimmuntherapie" anlässlich der DGHO-Tagung 2016, Leipzig, 15. Oktober 2016

Literatur:

(1) Balar AV et al. ASCO 2016, LBA4500
(2) Dreicer R et al. ASCO 2016, #4515
(3) Loriot et al. ESMO 2016, 783P
(4) Bellmunt et al. ESMO 2016, 782PD
(5) Barlesi et al. ESMO 2016, LBA44


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