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Medizin
03. Mai 2017

Positives Signal für Mikrobiom- und Krebsforschung an der Universität Tübingen

Der Wissenschaftsrat hat sich für den Aufbau eines Instituts für die Mikrobiom- und Krebsforschung ausgesprochen. Das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern befürwortete die Einrichtung des so genannten M3-Forschungsinstituts (Malignom, Metabolom und Mikrobiom) mit einem Investitionsvolumen von mehr als 53 Millionen Euro. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern muss dem Vorschlag am 23. Juni noch zustimmen.

 
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Für das neue Institut wird auf dem Gelände des Universitätsklinikums Tübingen auf dem Schnarrenberg ein Neubau mit rund 4.200 Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Der Baubeginn ist für 2018, die Fertigstellung für 2022 geplant. Das künftige Institut soll 18 Forschungsgruppen mit insgesamt rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umfassen. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zeigte sich hoch erfreut über die gute Nachricht: „Das M3-Forschungsinstitut bedeutet eine enorme Unterstützung für die Expertise des Tübinger Universitätsklinikums in der personalisierten Medizin.“

M3 steht stellvertretend für die Begriffe Malignom, Metabolom und Mikrobiom. Als Mikrobiom bezeichnen Wissenschaftler die Gesamtheit der den Körper besiedelnden Mikroben, als Metabolom die Summe der Stoffwechselprodukte. Als Malignome werden bösartige Tumore bezeichnet. „Wir wollen die Tumorforschung mit der Erforschung von Mikrobiom- und Stoffwechselveränderungen verknüpfen und so den Weg weisen für neue und bessere Therapien zur Behandlung von Krebserkrankungen“, sagte Prof. Nisar Peter Malek, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I des Universitätsklinikums Tübingen und designierter medizinischer Leiter des M3-Instituts.

„Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, die Einführung von Hochdurchsatzverfahren zur Quantifizierung biologischer Prozesse und die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren haben die Medizin in den vergangenen zwei Jahrzehnten revolutioniert“, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen, Prof. Ingo Autenrieth. Auf der Basis dieser Technologien seien neue Medikamente und Tumortherapien entwickelt worden. Trotz dieser ersten Erfolge sei aber auch deutlich geworden, dass viele Krebsformen deutlich komplexer sind, als bisher gedacht: „Nach wie vor sind die für die Entstehung und den Verlauf von Erkrankung relevanten biologischen Systeme und ihre wechselseitige Beeinflussung unzureichend verstanden.“

Malek verwies in diesem Zusammenhang auf die neu entdeckte Rolle des menschlichen Mikrobioms: „Der Mensch ist durch Billionen von Mikroben besiedelt, die durch eine Fülle von Metaboliten den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen“, erklärte der Mediziner: „Der Mensch muss deshalb als `Superorganismus´ verstanden werden, einer komplexen Einheit aus dem menschlichen Genom und seinen Körperzellen sowie dem Mikrobiom.“ Kommunikation und Regulation dieses komplexen Systems erfolgen über eine Vielzahl von Stoffwechselprodukten, die unter anderem in das menschliche Immunsystem, aber auch in Krankheitsprozesse eingreifen, beispielsweise in Entzündungsreaktionen. „Diese Betrachtungsweise eröffnet eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten, um verschiedenste biologische Prozesse des Menschen gezielt zu verändern“, erklärte der Direktor der Medizinischen Klinik. „Diese reichen von diätetischen Maßnahmen über den Einsatz von lokal oder systemisch wirkenden Antibiotika bis hin zur Übertragung spezifischer Mikroorganismen.“

Das M3-Institut soll die Forschung auf diesem noch jungen wissenschaftlichen Feld vorantreiben. Die geplanten 18 Forschungsgruppen sollen zu drei Forschungsschwerpunkten zusammengefasst werden, die sich mit der Entwicklung neuer Modellsysteme, mathematischer Modellierung und sys-tembiologischer Analyse sowie experimenteller Therapie befassen werden. Neben Experten aus der Krebsforschung werden an dem künftigen Institut Fachleute aus der Infektions- und Diabetesfor-schung, Bioinformatiker, Systembiologen und Pharmakologen der Universitäten Stuttgart und Tü-bingen beteiligt sein. Eine enge Kooperation ist zudem mit der Abteilung Mikrobiomforschung am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie vereinbart.

Das neue Institutsgebäude wird am Rande des Tübinger Schnarrenbergs, in unmittelbarer Nähe zu den Forschungsgebäuden der Neurologie entstehen. Von der Fördersumme von mehr als 53 Millio-nen Euro sind rund 42 Millionen Euro für den Neubau eingeplant. 3,8 Millionen Euro sind für die Erstausstattung von Büros und Laboren vorgesehen sowie weitere 7,5 Millionen Euro für die An-schaffung von Großgeräten. Das Land Baden-Württemberg und die Medizinische Fakultät über-nehmen jeweils 25 Prozent der Gesamtkosten.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen


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