Sonntag, 11. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Piqray
Piqray
Medizin
23. März 2016

Metastasiertes Melanom: Kombinierte Checkpoint-Blockade effektiver

Für Patienten mit metastasiertem Melanom erweisen sich die Monotherapie mit dem PD 1-Inhibitor Nivolumab und dessen Kombination mit dem CTLA-4-Antikörper Ipilimumab als signifikant wirksamer als die alleinige Gabe von Ipilimumab, wie Experten auf einem Symposium anlässlich des Deutschen Krebskongresses ausführten.

Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 

Mit der Zulassung des CTLA-4-Antikörpers Ipilimumab (Yervoy®) für die Therapie des metastasierten Melanoms konnten in den letzten Jahren bereits deutliche Fortschritte erreicht werden, erklärte Prof. Dirk Schadendorf, Universitätsklinikum Essen. Mit dem PD1-Inhibitor Nivolumab (Opdivo®) stehe ein weiteres Immuntherapeutikum zur Verfügung, das sich sowohl für die Monotherapie in der Erst- und Zweitlinie sowie als Kombinationspartner für Ipilimumab eigne. In der Zulassungsstudie Checkmate-066 (1, 2) war mit Nivolumab im Vergleich zur Chemotherapie mit Dacarbazin nach zwei Jahren das Gesamtüberleben mehr als verdoppelt (OS 57,7% vs. 26,7%), sagte Schadendorf und bezeichnete dies als einen Meilenstein in der Behandlung der Patienten.

Durch die Kombination von Ipilimumab und Nivolumab könnten die Patienten zusätzlich profitieren, denn die beiden Checkpoint-Inhibitoren hätten unterschiedliche Wirkmechanismen und erzielten dadurch additive Effekte, so Schadendorf. Dies belegten Daten der Checkmate-067-Studie (3). In der dreiarmigen placebokontrollierten Phase-III-Studie wurde die Nivolumab- und Ipilimumab-Monotherapie gegen die Kombination beider Substanzen bei 945 nicht vorbehandelten Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom getestet. Behandelt wurde bis zur Progression oder bis zum Abbruch der Therapie aufgrund inakzeptabler Toxizität.

Die Gesamtansprechraten waren sowohl unter der Kombinationstherapie (57,6%) als auch unter der Nivolumab-Monotherapie (43,7%) signifikant besser als unter der Ipilimumab-Monotherapie (19%). Mit der Kombination beider Checkpoint-Inhibitoren überlebten die Patienten progressionsfrei fast ein Jahr (PFS 11,5 Monate), im Nivolumab-Arm 6,9 Monate und unter Ipilimumab-Monotherapie 2,9 Monate. Finale Daten zum Gesamtüberleben lägen noch nicht vor, sagte Schadendorf.

Die bessere Wirksamkeit der Kombinationstherapie ging allerdings mit einer höheren Rate an Nebenwirkungen einher: Unerwünschte Ereignisse vom Schweregrad 3/4 traten bei 55% der Patienten unter Kombinationstherapie, bei 16,3% unter Nivolumab-Monotherapie und bei 27,3% unter Ipilimumab-Monotherapie auf. Sie betrafen vorwiegend die Haut und den Gastrointestinaltrakt. Unter der Kombinationstherapie träten sie meist innerhalb von 10 Wochen auf, könnten heftig ausfallen, hielten aber meist nur kurz an und seien therapierbar, berichtete Dr. Peter Mohr, Elbekliniken Stade/Buxtehude. PD1-Inhibitoren bewertete er als neue Erstlinien-Therapie für BRAF-negative Patienten, wobei nach Therapieversagen auf anti-PD1, Ipilimumab in der Zweitlinie eingesetzt werden könne. Für schlecht zu behandelnde Schleimhautmelanome empfahl er die Kombi-Therapie aus PD1-Inhibitor plus Ipilimumab.

Susanne Pickl

Quelle: BMS-Symposium „Immunonkologie: Von der Innovation zu einem Standard der Melanomtherapie“ im Rahmen des Deutschen Krebskongresses (DKK) am 25. Februar 2016 in Berlin.

Literatur:

(1) Robert C et al. Nivolumab in previously untreated melanoma without BRAF mutation. The New England Journal of Medicine. 372:320-330.
(2) Atkinson V et al., Poster Präsentatiom beim Society of Melanoma Research Congress (SMR) 2015.
(3) Larkin et al. N Engl J Med 2015; 373:23-34


Anzeige:
Bevacizumab
Das könnte Sie auch interessieren
Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
Brustkrebs%3A+Was+Frauen+%C3%BCber+die+Fr%C3%BCherkennung+wissen+sollten+%E2%80%93+und+welche+Risikofaktoren+existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen außerhalb des „Screening-Alters“...

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
Diagnose+Krebs%3A+Wer+hilft+bei+hoher+psychischer+Belastung%3F
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Sonnensünden kommen erst nach Jahrzehnten ans Tageslicht
Sonnens%C3%BCnden+kommen+erst+nach+Jahrzehnten+ans+Tageslicht
© Peter Atkins / Fotolia.com

Die moderne Krebsmedizin hat bei der Behandlung von Tumorerkrankungen in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt. Das gilt insbesondere auch für Hautkrebs, der durch ein Übermaß an UV-Strahlung ausgelöst wird. Die Hautkrebszahlen steigen. Auch das Dresdner Hauttumorzentrum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) verzeichnet kontinuierlich mehr Hautkrebspatienten – darunter viele Patienten mit fortgeschrittenen Hauttumoren. Bereits...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Metastasiertes Melanom: Kombinierte Checkpoint-Blockade effektiver"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.