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Medizin

30. Mai 2020 Immuntherapie beim fortgeschrittenen Melanom: Vorteil durch Pembrolizumab ist langanhaltend und zeigt sich auch nach Retreatment

Die Phase-III-Studie KEYNOTE-006 hat bereits die Überlegenheit einer Monotherapie mit Pembrolizumab (KEYTRUDA®) gegenüber Ipilimumab hinsichtlich einer Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom gezeigt, zuletzt nach einem Follow-up von 5 Jahren (1). Auf dem virtuellen ASCO-Kongress 2020 (ASCO20 Virtual) wurden nun Daten zum Langzeitüberleben nach weiteren 8 Monaten Follow-up vorgestellt, die die Verbesserung des Langzeitüberlebens bestätigten. Bemerkenswert war, dass alle Patienten, die während der 2-jährigen Therapie mit dem PD-1-Inhibitor eine komplette Remission (CR) erreicht hatten, 3 Jahre nach Ende der Therapie noch am Leben waren. Auch von einer erneuten Behandlung (Retreatment) mit dem Antikörper bei einer Krankheitsprogression profitierten die meisten Patienten (2).
In der unverblindeten Studie hatten 834 Ipilimumab-naive Patienten entweder Pembrolizumab alle 2 oder 3 Wochen über maximal 2 Jahre erhalten (n=556) oder 4 Zyklen Ipilimumab alle 3 Wochen (n=278). Patienten, die nach mind. 94 Wochen Therapie Pembrolizumab absetzten und unter dem PD-1-Inhibitor eine CR, partielle Remission (PR) oder Krankheitsstabilisierung (SD) erzielt hatten, wurden als „2 Jahre mit Pembrolizumab behandelt“ eingestuft. Patienten, bei denen es nach 2-jähriger abgeschlossener Therapie mit erreichter CR/PR/SD zu einer Progression gekommen war, konnten eine erneute Behandlung mit Pembrolizumab über ein Jahr erhalten.

Bei den von Prof. Dr. Georgina Long, Sydney, Australien, in einer Poster Discussion Session beim ASCO20 Virtual vorgestellten Daten (Datenschnitt am 31.07.2019) betrug die mediane Nachbeobachtungszeit 66,8 Monate; der Zeitraum zwischen dem Einschluss des letzten Patienten bis zum Datenschnitt lag bei 65 Monaten. Etwa zwei Drittel der Patienten hatten Pembrolizumab bzw. Ipilimumab als Erstlinientherapie erhalten, der Rest in der zweiten Behandlungslinie, überwiegend nach BRAF-/MEK-Inhibitor-Vorbehandlung.

Wie Long berichtete, betrug das mediane OS nach der längeren Follow-up-Zeit 32,7 Monate für die Patienten der Pembrolizumab-Gruppe und 15,9 Monate für die Patienten der Ipilimumab-Gruppe (HR=0,74) bei einer 60-Monats-OS-Rate von 40% vs. 31%. Der Vorteil zugunsten von Pembrolizumab blieb auch erhalten, wenn die Patienten nach der Therapielinie stratifiziert wurden. Im Falle einer Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab oder Ipilimumab betrug das mediane OS 38,7 vs. 17,1 Monate (HR=0,72) mit einer 60-Monats-OS-Rate von 43% vs. 33% und im Falle einer Zweitlinienbehandlung 23,5 vs. 13,6 Monate (HR=0,78) mit einer 60-Monats-OS-Rate von 32% vs. 27%. Die objektive Ansprechrate (ORR) lag bei der Gesamtpopulation bei 42% unter Pembrolizumab vs. 46% unter Iplimumab, bei Erst- und Zweitlinien-Patienten entsprechend bei 46% vs. 17% bzw. 34% vs. 15%.

Besonders gut waren die Therapieergebnisse der Patienten, die Pembrolizumab über 2 Jahre erhalten hatten. Von den betreffenden 103 Patienten hatten 30 eine CR erzielt, 63 eine PR und 10 eine SD. Zum Zeitpunkt der Analyse nach einem medianen Follow-up von 42,9 Monaten nach Abschluss der Behandlung war bei den Patienten die mediane Dauer des Ansprechens noch nicht erreicht. Long betonte, dass alle Patienten, die eine CR erreicht hatten, 3 Jahre nach Therapieende bzw. 5 Jahre nach Therapiebeginn noch am Leben waren. Bei den PR-Patienten waren es mit 94,8% nur unwesentlich weniger, bei den SD-Patienten 66,7%.

15 Patienten nahmen die Möglichkeit der erneuten Behandlung mit Pembrolizumab in Anspruch, und zwar im Median 24,5 Monate nach Ende der ersten Behandlungslinie mit Pembrolizumab. Das Retreatment mit Pembrolizumab dauerte im Median 8,3 Monate. Durch die erneute Behandlung mit dem PD-1-Inhibitor erzielten 3 Patienten eine CR, 4 eine PR und 5 eine SD. Zwei Patienten sind derzeit noch in der Auswertung und ein Patient verstarb unter der erneuten Immuntherapie mit Pembrolizumab.

Damit, so Longs Fazit, stabilisiert sich beim fortgeschrittenen Melanom die 5-Jahres-OS-Rate unter einer Erstlinientherapie mit Pembrolizumab bei 43% mit 17% CR. Insbesondere sei bemerkenswert, dass alle Patienten, die eine CR entwickelten, auch nach 5 Jahren noch am Leben waren. Außerdem deuten die Daten darauf hin, dass Patienten, die während der ersten Behandlung angesprochen hatten, auch von einer erneuten Behandlung mit dem PD-1-Inhibitor profitieren. Long: „Ein Retreatment mit Pembrolizumab nach Progression bei Patienten mit SD/PR/CR bietet eine zusätzliche Krankheitskontrolle.“

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: ASCO20 Virtual

Literatur:

(1) Robert C et al. Lancet Oncol 2019;20:1239-51.
(2) Long GV et al. Long-term survival from pembrolizumab (pembro) completion and pembro retreatment: Phase III KEYNOTE-006 in advanced melanoma. ASCO20 Virtual, Abstract 10013 und Poster, präsentiert in einer Poster Discussion Session.


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