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Medizin
11. März 2016

mCRPC: Sequenz sekundärer Hormonmanipulation zu erwägen

Bei der Therapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) stehen mittlerweile mehrere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Da nach der primären Androgendeprivationstherapie (ADT), wie im Mausmodell gezeigt werden konnte, offenbar verschiedene Resistenzmechanismen greifen, scheint eine Sequenztherapie verschiedener Präparate der sekundären Hormonmanipulation sinnvoll. Auf einer von Janssen veranstalteten Fachpressekonferenz während des Krebskongresses in Berlin stellte Prof. Dr. Jürgen Gschwend, München, erste Daten dazu vor.

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Der Urologe verwies zunächst auf den EAU-leitliniengemäßen Paradigmenwechsel nach Versagen der primären ADT. Stand hier lange Zeit Docetaxel im Vordergrund, so deckt diese Chemotherapie jedoch nur den – meist späteren – symptomatischen Verlauf ab. Durch die Ergebnisse der COU-AA-302 Studie konnte jedoch belegt werden, dass ebenfalls die mCRPC-Patienten mit milder oder ohne Symptomatik bezüglich des Gesamtüberlebens (OS) von einer Abirateron-Gabe (Zytiga®) profitieren. Das mediane OS betrug unter Abirateron 34,7 versus 30,3 Monate unter Plazebo (p=0,0033).

Differente Resistenzmechanismen adressieren

Ähnliche Ergebnisse zeigte Enzalutamid in der PREVAIL-Studie. Gehören beide Medikamente der Klasse der sekundären Hormontherapeutika an, so unterscheidet sich allerdings ihr Wirkmechanismus. Enzalutamid hemmt den Signalweg des Androgenrezeptors an verschiedenen Stellen, unter anderem mittels einer direkten Blockade des Rezeptors für Testosteron. Abirateron wirkt über die Blockade von CYP17, womit kastrationsresistente Metastasen etwa aus Cholesterol androgenartige Metaboliten bis hin zum Testosteron produzieren können. Der Tumor kann sich auf diesem Wege selber mit den benötigten Androgenen versorgen. Dies unterdrückt Abirateron.

Da eine primäre ADT verschiedene Resistenzmechanismen und -mutationen auslösen kann, könnte eine Sequenztherapie von sekundären Hormontherapeutika diese Resistenzen eventuell besser unterlaufen. Dies hat man, so Gschwend, „auch tatsächlich in einer relativ kleinen retrospektiven Studie untersucht, die auf dem Genitourinary Cancers Symposium (ASCO-GU) vorgestellt wurde.“ Verglichen wurde dabei die Sequenz: zunächst Abirateron, und dann Enzalutamid (Abi-Enza) mit der umgekehrten Reihenfolge (Enza-Abi). Primärer Endpunkt waren die Zeiträume des addierten progressionsfreien Überlebens (PFS). 58 Patienten nutzten die Sequenz Abi-Enza und 13 erhielten Enza-Abi. Das mediane PFS unter Abi-Enza betrug 16,3 Monate gegenüber 12,5 Monate bei Enza-Abi (p=0,04). Beim sekundären Parameter, dem OS, lauteten die entsprechenden Daten: 29 vs. 21 Monate (p<0,1). In der multivariablen Regressionsanalyse, welche die erheblichen Abweichungen der Basis-Werte vor dem Start der Studie, also etwa des PSA, mit einbezog, ergab sich beim OS allerdings Signifikanz (p<0,01) (1).

„Diese Ergebnisse“, resümierte Gschwend, „geben unter anderem aufgrund der geringen statistischen Power der Studie lediglich erste Hinweise darauf, dass die Sequenz Abi-Enza Vorteile für den Patienten hinsichtlich des PFS und eventuell des OS erbringt.“ Diese Ergebnisse sollen in einer prospektiven Studie (NCT02125357) nun validiert werden.

Reimund Freye

Quelle: Fachpressekonferenz: Aktuelle Daten zur Resistenz und Sequenz: Profitieren Patienten vom Beginn der mCRPC-Therapie mit Zytiga®?, im Rahmen des 32. Deutschen Krebskongresses, Berlin, 26.02.2016; Veranstalter: Janssen

Literatur:

(1) Maughan BL et al. J Clin Oncol 2016;34(suppl 2S; abstract 308), ASCO-GU 2016: Abstract 308


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