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Medizin
18. November 2019

mCRC: Patienten mit schnellem Progress können vom Wechsel auf Ramucirumab in der Zweitlinie profitieren

Welcher VEGF-Inhibitor sollte in der antiangiogenen Zweitlinientherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms (mCRC) wann eingesetzt werden? Dieser Frage ging Prof. Dr. med. Sebastian Stintzing, Berlin, im Rahmen einer von Lilly unterstützen Veranstaltung* auf dem DGHO-Kongress in Berlin nach. Seiner Einschätzung zufolge hängt diese Wahl vorwiegend von der Geschwindigkeit des Tumorwachstums in der Erstlinie ab. So können auch Patienten mit raschem Progress von einem Wechsel auf Ramucirumab (Cyramza®)** (1) profitieren.
In der Behandlung des mCRC besitzen gegen VEGF gerichtete antiangiogene Therapien einen hohen Stellenwert. Für Patienten mit links- bzw. rechtsseitigem Primarius und RAS-Mutation bzw. rechtsseitigem Tumor und wt-Status stehen nach FOLFOX + Bevacizumab in der Erstlinie mit Bevacizumab, Aflibercept und Ramucirumab dafür 3 Optionen in Kombination mit FOLFIRI zur Verfügung. Stintzing plädierte dafür, bei der Wahl der antiangiogenen Zweitlinientherapie die individuellen Krankheitsverläufe zu berücksichtigen. Zudem solle an Behandlungsmöglichkeiten in späteren Therapielinien gedacht werden. So eröffne etwa der Wechsel von Bevacizumab auf Ramucirumab oder Aflibercept in der Zweitlinie die Möglichkeit, Bevacizumab in der Drittlinie nochmals einzusetzen.

Auch die „fast progressors“ profitieren vom Wechsel auf Ramucirumab

Stintzing zufolge sollten darüber hinaus insbesondere Patienten mit schnellem Erstlinienprogress in der Zweitlinie auf einen anderen VEGF-Inhibitor wechseln wie z. B. Ramucirumab/FOLFIRI. So profitierten in der RAISE-Studie alle evaluierten Subgruppen gleichermaßen vom Einsatz des vergleichsweise gut verträglichen Antikörpers, auch schnell progrediente Patienten (fast progressors), die binnen 6 Monaten nach Beginn der Erstlinientherapie einen Rückfall erlitten (2). Der Vorteil für das Gesamtüberleben (OS) in dieser prognostisch sehr ungünstigen Subgruppe war mit einer Reduktion des Sterberisikos um relativ 14% genauso ausgeprägt wie bei Patienten mit Progress nach mehr als 6 Monaten (HR=0,86 für beide Gruppen), was sogar für prognostisch besonders ungünstige Patienten mit BRAF-mutierten Tumoren galt. Daher empfehlen auch die Leitlinien der European Society for Medical Oncology (ESMO), bei einem schnellen Progress unter einer Bevacizumab-haltigen Erstlinientherapie einen Wechsel des Antikörpers (II, B) (3).

Resistenzen überwinden

Die „biologische Rationale“ für die Effektivität von Ramucirumab gerade bei Patienten mit schnellem Progress besteht laut Stintzing nach derzeitigem Wissensstand vermutlich darin, dass der Tumor unter dem Druck einer Bevacizumab-haltigen Erstlinientherapie zusätzliche angiogene Treiberfaktoren wie VEGF-D exprimiert. Dieser Resistenzmechanismus kann durch die Rezeptorblockade mit Ramucirumab überwunden werden, nicht jedoch durch die gegen die VEGF-Liganden gerichteten Antikörper Bevacizumab (anti-VEGF-A) und Aflibercept (anti-VEGF-A und -B) (4). „Durch den Wechsel des antiangiogenen Bausteins in der Zweitlinie können somit Resistenzmechanismen zielgerichtet unterbrochen werden“, folgerte Stintzing abschließend.

* Pro-Kontra-Debatte „Neue Kriterien zur Therapieentscheidung beim CRC: One Pot Pasta oder Angioge-neseinhibition à la carte“ im Rahmen der DGHO-Jahrestagung in Berlin, 14. Oktober 2019.

** Cyramza® ist in Kombination mit FOLFIRI (Irinotecan, Folinsäure und 5-Fluorouracil) indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem metastasierten Kolorektalkarzinom (mKRK) mit Tumorprogress während oder nach vorausgegangener Therapie mit Bevacizumab, Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin (1)

 

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Fachinformation Cyramza®, Stand September 2019.
(2) Tabernero J et al. 2015, Lancet Oncol 16: 499-508.
(3) Van Cutsem E et al. Ann Oncol 2016;27:1386-1422.
(4) Hicklin D and Ellis LM. J Clin Oncol 2005;23:1011-1027.


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