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Medizin

09. Juni 2020 Mammakarzinom: Wirksamkeit von Trastuzumab Emtansin in der Post-Neoadjuvanz erneut bestätigt

Im Mai 2020 wurden auf dem virtuellen Brustkrebs-Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) neue Daten zum frühen HER2-positiven Mammakarzinom publiziert. Diese zeigen, dass der HER2-Status im Resttumor keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von Trastuzumab Emtansin (Kadcyla®) im post-neoadjuvanten Setting hat, sodass zukünftig eine HER2-Retestung des Tumorrests nicht mehr notwendig sein könnte (1).  Zudem hat eine explorative Analyse der KATHERINE-Studie erstmals den Zusammenhang zwischen der Biomarker-Expression und dem Erfolg der HER2-gerichteten Therapie mit Trastuzumab Emtansin bei Patienten mit frühem HER2-positiven Mammakarzinom untersucht. Dabei konnte der Nutzen der Behandlung unabhängig von allen untersuchten Biomarkern belegt werden. Diese Ergebnisse wurden auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt (2).
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Die Zulassungsstudie KATHERINE untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit des post-neoadjuvanten Einsatzes von Trastuzumab Emtansin gegenüber Trastuzumab (Herceptin®) bei Patienten mit HER2-positivem Mammakarzinom, bei denen die neoadjuvante Taxan-haltige und HER2-gerichtete Therapie nicht zu einer pathologischen Komplettremission (pCR) in Brust und Axilla führte (3). Die Studiendaten zeigen, dass die 3-Jahres-iDFS (invasiv krankheitsfreies Überleben)-Rate von 77,0% unter Trastuzumab auf 88,3% unter Trastuzumab Emtansin verbessert werden konnte. Dies entspricht einer signifikanten und klinisch bedeutsamen Reduktion des Rezidiv- bzw. Sterberisikos um 50,0% (HR: 0,50; 95%-KI: 0,39-0,64; p < 0,001) (3).

HER2-Status im Resttumor hat keinen Einfluss auf Wirksamkeit

Welchen Einfluss adjuvante Strahlentherapie (ART), Hormonrezeptorstatus (HR+ vs. HR-/unbekannt) oder HER2-Status bei erneuter Untersuchung des Tumorgewebes des OP-Resektats auf den Behandlungserfolg haben, wurde in einer Subgruppenanalyse der KATHERINE-Studie überprüft. Insgesamt erhielten in der Studie 82,0% der Patienten eine ART und/oder eine Hormontherapie (HT; 71,0%). Betrachtet man nur die HR+-Patienten (1.074), erhielten 97% (1.037) eine HT, aufgeteilt auf 525 Patienten (98,3%) im Trastuzumab Emtansin und 512 (94,8%) im Herceptin-Arm.
Unabhängig von ART und HR-Status war der iDFS-Vorteil konsistent mit dem der Primäranalyse. Außerdem wurden bei der Kombinationsbehandlung aus HT + Trastuzumab Emtansin keine neuen Sicherheitssignale beobachtet (1).

Von 845 Patienten mit prä-neoadjuvanter Biopsie und chirurgischen HER2-Statusdaten wiesen 70 (8,3%) eine Resterkrankung auf, die bei erneuter Prüfung des OP-Resektats als HER2- (d.h. HER2- oder IHC 0-1+/ISH unbekannt) angesehen wurde. Innerhalb dieser Gruppe gab es unter Trastuzumab Emtansin (28 Patienten) keine iDFS-Ereignisse verglichen mit 11 Ereignissen in der Trastuzumab Gruppe (42 Patienten). Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Retestung des HER2-Status aus dem Tumorrest im post-neoadjuvanten Setting nicht notwendig ist und Trastuzumab Emtansin auch bei Patienten mit (zum Zeitpunkt der Operation) HER2-negativer Resterkrankung wirksam ist (1).

Post-neoadjuvanter Therapieerfolg unabhängig von Biomarker-Expression

Anhand von prognostischen Biomarkern können Aussagen über den voraussichtlich erwarteten Krankheitsverlauf gemacht werden. Dieses hochaktuelle Thema greift eine explorative Analyse der KATHERINE-Studie auf. Darin wurde der potenzielle Einfluss verschiedener Biomarker auf den Therapieerfolg mit Trastuzumab Emtansin im post-neoadjuvanten Setting untersucht. Bei 1.363 Patienten (91,7%) wurde der PIK3CA-Mutationsstatus untersucht. Dabei zeigte sich der iDFS-Vorteil von Trastuzumab Emtansin unabhängig davon, ob eine PIK3CA-Mutation vorlag oder nicht (mit Mutation: HR=0,54; 95%-KI: 0,23-0,90 vs. ohne Mutation: HR=0,48; 95%-KI: 0,35-0,65) (2). Zudem wurde anhand chirurgischer Proben von 815 Patienten untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Expression der Biomarker HER2 sowie PD-L1 und der Wirksamkeit von Trastuzumab Emtansin vorliegt. Eine hohe vs. niedrige HER2-Expression war mit einem schlechteren Ergebnis innerhalb des Trastuzumab-Arms assoziiert (HR=2,02; 95%-KI: 1,32-3,11), jedoch nicht innerhalb des Trastuzumab Emtansin-Armes (HR=1,01; 95%-KI: 0,56-1,83). Auch für den Biomarker PD-L1 hatte eine hohe oder niedrige Expression keinen Einfluss auf den Therapieerfolg (HR=1,05; 95%-KI: 0,59-1,87), im Gegensatz zum Trastuzumab-Arm (HR=0,66; 95%-KI: 0,44-1,00). Somit scheint der Nutzen von Trastuzumab Emtansin in der Post-Neoadjuvanz unabhängig von allen untersuchten Biomarkern zu sein (2).

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Loibl S et al., ESMO 2020, oral Presentation.
(2) Denkert C et al., ASCO 2020, Abstract 502.
(3) von Minckwitz G et al., NEJM 2019, 380: 617-628.


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