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Medizin

23. Januar 2020 Mamma- und Ovarialkarzinom: Geteilte G-BA-Nutzenbewertung zu Olaparib

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat 2 Beschlüsse zu Olaparib Filmtabletten (Lynparza®) (1) in den neuen Anwendungsgebieten veröffentlicht: Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-negativem gBRCAm Mammakarzinomi hat der G-BA einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zur Chemotherapie beschlossen. Der G-BA zog für seine Entscheidung im Wesentlichen die Vorteile in den Sicherheitsendpunkten heran. Für Olaparib Filmtabletten beim fortgeschrittenen high-grade epithelialen BRCA1/2-mutierten (in der Keimbahn und/oder somatisch) Ovarial-, Eileiter- oder primären Peritonealkarzinom in der Erhaltungstherapie nach abgeschlossener Erstlinien-Chemotherapie sieht der G-BA keinen Zusatznutzen im Vergleich zum Beobachtenden Abwarten. Dieser Beschluss steht im klaren Widerspruch zum klinischen Stellenwert von Olaparib in der Therapie des Ovarialkarzinoms, denn der G-BA lässt in seiner Bewertung einen Teil der klinisch bedeutsamen Ergebnisse der SOLO1-Studie (2) unberücksichtigt. Da noch finale Ergebnisse zum Gesamtüberleben ausstehen, wurde der Beschluss des G-BA für das fortgeschrittene Ovarialkarzinom bis zum 01. April 2024 befristet.
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G-BA sieht nur geringen Zusatznutzen

In seinem Beschluss sieht der G-BA für Olaparib Filmtabletten beim fortgeschrittenen gBRCA-mutierten HER2-negativen Mammakarzinom einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für die Gesamtpopulation im Anwendungsgebiet. Den Zusatznutzen leitet der G-BA aus den Sicherheitsvorteilen von Olaparib im Vergleich zur Chemotherapie (nach Wahl der Ärztin oder des Arztes Capecitabin oder Vinorelbin oder Eribulin) ab: In der Zulassungsstudie OlympiAD (3, 4) konnte das Risiko für das Auftreten schwerer unerwünschter Ereignisse bei Patienten, die Olaparib Filmtabletten erhielten, um 55% im Vergleich zu Patienten des Kontrollarms reduziert werden.

„Wir freuen uns sehr, dass nun auch den an Brustkrebs erkrankten Patientinnen mit BRCA-Keimbahnmutationen eine effektive Therapie mit Olaparib zur Verfügung steht“, so Dr. Julia Büchner, AstraZeneca. „Der zielgerichtete Wirkmechanismus der PARP-Inhibition resultiert in einem günstigeren Nebenwirkungsprofil im Vergleich zu bisher eingesetzten Chemotherapien. Dieses schlägt sich auch positiv im G-BA Beschluss zu dieser Indikation nieder.“

Kein Zusatznutzen beim primär fortgeschrittenen BRCAm Ovarialkarzinom

Zielgerichtete Therapien, z.B. mit Olaparib, sind in den späteren Therapielinien beim Ovarialkarzinom bereits als Standard in der Versorgung etabliert. Der Stellenwert von Olaparib bei der Therapie des Platin-sensitiven Rezidivs eines Ovarialkarzinoms spiegelt sich auch in früheren Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses wider. Zum einen hat der G-BA für Olaparib Ende 2018 einen Zusatznutzen basierend auf dem Überlebensvorteil ausgesprochen (5) und zum anderen Olaparib in 2 weiteren Bewertungsverfahren im vergangenen Jahr als einen Teil der zweckmäßigen Vergleichstherapie benannt (6, 7).
Olaparib ist derzeit der einzige PARP-Inhibitor, der als Erstlinien-Erhaltungstherapie zugelassen ist. Nun hat der G-BA über den Zusatznutzen von Olaparib Filmtabletten in diesem Anwendungsgebiet entschieden: Bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen high-grade epithelialen Ovarialkarzinom und BRCA1/2-Mutationen, für die eine Erhaltungstherapie nach Ansprechen auf die Erstlinien-Chemotherapie infrage kommt, sieht der G-BA keinen Zusatznutzen von Olaparib im Vergleich zum Beobachtenden Abwarten. Die in der Zulassungsstudie SOLO1 gezeigten klinisch hoch relevanten Vorteile im progressionsfreien Überleben und der damit assoziierten Zeit bis zur nachfolgenden Folgetherapie zieht der G-BA zur Ableitung des Zusatznutzens nicht heran. Diese wissenschaftlich und klinisch anerkannten Endpunkte werden vom Gremium in der vorliegenden Therapiesituation als nicht patientenrelevant eingestuft.

Verlängertes PFS

„Wir können die Entscheidung des G-BA absolut nicht nachvollziehen. Im Kontext der hier gezeigten dramatischen Effekte mit einer Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens um mindestens 2 Jahre und einer Verlängerung der medianen Zeit bis zur nachfolgenden Therapie um 3 Jahre erscheinen die Methodik der Nutzenbewertung und der sich daraus ergebende Beschluss nicht sachgerecht“, führt Büchner aus. „Die Position des G-BA stellt einen groben Widerspruch zum klinischen Stellenwert von Olaparib dar, setzt ein falsches Signal für behandelnde Ärzte und Patientinnen und zeigt eine Diskrepanz zu den internationalen Empfehlungen“, fügt Dr. Lars Mühlenhoff, AstraZeneca, hinzu.
Das mediane progressionsfreie Überleben im Olaparib-Arm wurde nach der Beobachtungsdauer von 41 Monaten noch nicht erreicht, während das mediane PFS im Kontroll-Arm 13,8 Monate betrug. Die mediane Zeit bis zur nachfolgenden Therapie, die in diesem Anwendungsgebiet i.d.R. aus einer Chemotherapie besteht, wurde von 15,1 Monaten unter Beobachtendem Abwarten auf 51,8 Monate unter Olaparib verlängert. Sowohl das Risiko für den Progress oder Tod (HR (95%KI); p-Wert: 0,30 (0,23; 0,41); <0,0001)) als auch das Risiko für das Einleiten der ersten Folgetherapie (HR (95%KI); p-Wert: 0,30 (0,22;0,40); <0,0001)) wurden somit in der SOLO1-Studie um 70% im Vergleich zu Patientinnen im Kontroll-Arm reduziert.

Aktualisierte EBM-Fassung: Neue Abrechnungsmöglichkeiten der BRCA-Testung (8)
  • Die gemäß der Fachinformation (1) für die Therapieinitiierung mit Olaparib Filmtabletten erforderliche diagnostische Testung zum Nachweis oder Ausschluss von Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 in der Keimbahn kann seit dem 01. Januar 2020 über die GOP 11601 bei negativer Familienanamnese abgerechnet werden.
  • Ebenfalls seit dem 01. Januar 2020 kann die gemäß der Fachinformation (1) für die Therapieinitiierung mit Olaparib Filmtabletten erforderliche diagnostische Untersuchung auf genetische Veränderungen des BRCA1- oder BRCA2-Gens in neoplastisch veränderten Geweben und Organen über die GOP 19456 abgerechnet werden.
  • Bei positiver Familienanamnese kann die Untersuchung der Gene BRCA1 und BRCA2 sowie der Gene RAD51C, CHEK2 und PALB2 auf Mutationen über die GOP 11440 abgerechnet werden.

Quelle: AstraZeneca/MSD

Literatur:

(1) Fachinformation Lynparza® 100 mg/150 mg Filmtabletten. Stand Oktober 2019.
(2) Moore K, Colombo N, Scambia G, et al. N Engl J Med. 2018; 379(26): 2495-2505.
(3) Robson M et al. Ann Oncol 2019; 30(4): 558-566.
(4) Robson M et al. N Engl J Med 2017; 377(6): 523-533.
(5) Gemeinsamer Bundesausschuss. Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Olaparib (neues Anwendungsgebiet: high-grade epitheliales Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom; einschließlich erneute Bewertung nach Aufhebung des Orphan-Drug Status). Online verfügbar unter: https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/369/#beschluesse (letzter Zugriff: 21.01.2020).
(6) Gemeinsamer Bundesausschuss. Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Rucaparib (Erhaltungstherapie). Online verfügbar unter: https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/446/#zweckmaessige-vergleichstherapie (letzter Zugriff: 21.01.2020).
(7) Gemeinsamer Bundesausschuss. Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Niraparib (Überschreitung der 50Mio. €: Karzinom der Ovarien oder Tuben, Peritonealkarzinose; Erhaltungstherapie nach Platin-basierter Chemotherapie). Online verfügbar unter: https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/500/#nutzenbewertung (letzter Zugriff: 21.01.2020).
(8) Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM) Stand: 1. Quartal 2020. Online verfügbar unter: https://www.kbv.de/media/sp/EBM_Gesamt___Stand_1._Quartal_2020.pdf (letzter Zugriff: 20.01.2020).


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