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Medizin

30. September 2019 Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition

Die finalen Daten der Phase-III-Studie KEYNOTE-062 hatten gezeigt, dass eine Erstlinien-Monotherapie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab (KEYTRUDA®) bei Patienten mit PD-L1-positivem (kombinierter positiver Score (CPS) ≥ 1) lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Magenkarzinom oder Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs (AEG) einer Standard-Chemotherapie hinsichtlich des Überlebens nicht unterlegen ist und bei Patienten mit hoher PD-L1-Expression (CPS ≥ 10) sogar einen Überlebensvorteil bietet – bei verbessertem Sicherheitsprofil (1). Beim ESMO-Kongress 2019 wurden die Ergebnisse einer retrospektiven Analyse vorgestellt, die das Outcome der Patienten in Anhängigkeit vom Mikrosatelliten-Status untersuchte. Ergebnis: Patienten mit ausgeprägter Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-high) profitieren in besonderem Maße von dem Checkpoint-Inhibitor (2).
Für Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom und AEG war lange Zeit die Chemotherapie die einzige Behandlungsoption. Die finalen Daten der Phase-III-Studie KEYNOTE-062, die im Rahmen der ASCO Jahrestagung 2019 in Chicago vorgestellt wurden, hatten gezeigt, dass die Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab eine zukünftige Therapiealternative für diese Patienten darstellen könnte, die bei nicht unterlegener Wirksamkeit (Hazard Ratio 0,91) gegenüber der Chemotherapie aus Cisplatin + 5-FU/Capecitabin wesentlich besser verträglich ist und bei Magenkarzinomen/AEG mit CPS ≥ 10 sogar einen Überlebensvorteil bietet (medianes Gesamtüberleben (OS): 17,4 vs. 10,8 Monate; HR=0,69; 95%-KI: 0,40-0,97) (1). Im Gegensatz zur Pembrolizumab-Monotherapie hatte die kombinierte Chemoimmuntherapie aus Pembrolizumab plus Chemotherapie gegenüber der reinen Chemotherapie hinsichtlich des OS keine Vorteile erbracht, auch nicht bei Patienten mit CPS ≥ 10.

Prof. Dr. Kohei Shitara, Kashiwa, Chiba, China, stellte beim ESMO-Kongress in Barcelona eine Analyse vor, bei der das Outcome der Patienten in Abhängigkeit vom Mikrosatelliten-Status der Tumoren evaluiert wurde (2). Dazu wurde eine retrospektive Analyse der KEYNOTE-062-Studiendaten im Hinblick auf dem Mikrosatellitenstatus durchgeführt und die Patienten mit hoher Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-high) getrennt analysiert.

In der Pembrolizumab-Monotherapie-Gruppe (n=256) wurden 14 Patienten und in der Chemotherapie-Gruppe 10 Patienten mit einem MSI-high-Status identifiziert (alle CPS ≥ 1), darunter 11 Patienten (Pembrolizumab) bzw. 10 Patienten (Chemotherapie) mit CPS ≥ 10.
Wie Shitara berichtete, zeigte sich in der MSI-high-Gruppe ein deutlicher Überlebensvorteil zugunsten von Pembrolizumab gegenüber der Chemotherapie.

Bei den Patienten mit CPS ≥ 1 war das mediane OS unter Pembrolizumab noch nicht erreicht gegenüber 8,5 Monaten unter Chemotherapie bei einer HR von 0,29 (95%-KI: 0,11-0,81). Bei den Patienten mit CPS ≥ 10 war das mediane OS unter Pembrolizumab ebenfalls noch nicht erreicht vs. 13,6 Monaten unter der Chemotherapie (HR=0,21; 95%-KI: 0,06-0,83). Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich auch im Hinblock auf das progressionsfreie Überleben (PFS).

Auch bei den Patienten mit MSI-high, die eine kombinierte Chemoimmuntherapie aus Pembrolizumab + Chemotherapie erhalten hatten, war ein deutlicher Überlebensvorteil zugunsten der Pembrolizumab-basierten Therapie gegenüber der reinen Chemotherapie zu erkennen, der sich in der primären Analyse der Studie nicht gezeigt hatte (medianes OS nicht erreicht vs. 8,5 Monate, HR=0,37; 95%-KI: 0,14-0,97 in der CPS ≥ 1 Population und medianes OS nicht erreicht vs. 13,6 Monate, HR=0,26; 95%.KI: 0,07-0,99 in der CPS ≥ 10 Population).

Shitara plädierte dafür, zukünftig vor Einleiten einer Erstlinienbehandlung beim PD-L1-positiven lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Magenkarzinom oder AEG einen Test auf Mikrosatelliteninstabilität durchzuführen, um diejenigen Patienten zu stratifizieren, die in besonderem Maße von einer Pembrolizumab-basierten Therapie profitieren. Er machte jedoch auch klar, dass die Pembrolizumab-Monotherapie auch weiterhin für Non-MSI-high-Patienten eine effektive und verträgliche Option darstelle, denn die ursprünglichen Studienergebnisse der KEYNOTE-062-Studie – vergleichbare Wirksamkeit gegenüber der Chemotherapie bei überlegener Verträglichkeit und Überlebensvorteil in der CPS ≥ 10 Population – blieb auch dann erhalten, wenn die MSI-high-Patienten aus der Auswertung herausgerechnet wurden.

CS

Quelle: ESMO 2019

Literatur:

(1) Tabernero J et al. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr LBA4007) und Vortrag bei der Oral Abstract Session „Gastrointestinal (Noncolorectal) Cancer,“ ASCO 2019
(2) Shitara K et al. Pembrolizumab with or without Chemotherapy vs Chemotherapy in Patients with Advanced G/GEJ Cancer (GC) Including Outcomes According to Microsatellite Instability-High (MSI-H) Status in KEYNOTE-062. ESMO 2019, Abstract #LBA44


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