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Medizin

17. Oktober 2018 mCRPC: Radium-223-dichlorid als Behandlungsoption nach 2 Vortherapien

Radium-223 (Xofigo®) ist nach 2 Vortherapien eine sinnvolle Behandlungsoption für mCRPC-Patienten: Der einzigartige Wirkmechanismus sowie die Daten zur Lebensqualität sprechen für den Einsatz der zielgerichteten Alpha-Therapie. Mit Blick auf die steigende Inzidenz von viszeralen Metastasen – deren Nachweis ein Ausschlusskriterium für die Therapie ist – sollte Radium-223 nach 2 Vortherapien eingeplant werden: So können Patienten von allen überlebensverlängernden Behandlungsoptionen profitieren. Im Anschluss an die Radium-223-Therapie sind systemische Therapien, wie z.B. eine Chemotherapie, weiterhin möglich.
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Fachinformation
Auf einem Symposium im Rahmen des 70. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) haben Experten die geänderte Zulassung von Radium-223 erörtert. Anhand einer Fallgeschichte diskutierten sie die Vorteile der Gabe von Radium-223 in der dritten Therapielinie, wenn Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) nach 2 vorausgehenden Therapien progredient sind.(1)

Ziel solle es sein, dass der Patient von allen zur Verfügung stehenden lebensverlängernden Therapieoptionen profitieren könne, betonte Prof. Dr. Carsten Ohlmann, Bonn. „Daher sollte Radium-223 für die dritte Therapielinie eingeplant werden und zwar, bevor sich im Krankheitsverlauf viszerale Metastasen entwickeln und Radium-223 nicht mehr angewendet werden darf (1). Die anderen systemischen Behandlungsoptionen können ebenfalls bei viszeraler Metastasierung angewendet werden und somit auch für die vierte oder fünfte Therapielinie infrage kommen“, führte Ohlmann fort. Zudem stellten der einzigartige Wirkmechanismus (2) von Radium-223 sowie die Daten zur Lebensqualität (3-5) gute Argumente für die Anwendung von Radium-223 nach 2 Vortherapien im Krankheitsverlauf des mCRPC dar.

Gemäß des aktuellen Anwendungsgebietes wird Xofigo als Monotherapie oder in Kombination mit einem LHRH-Analogon zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom und symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte viszerale Metastasen angewendet, bei denen die Erkrankung nach Erhalt von mindestens 2 vorausgehenden systemischen Therapielinien zur Behandlung des mCRPC (außer LHRH-Analoga) fortschreitet, oder für die keine andere verfügbare systemische mCRPC Therapie geeignet ist (1).

Dr. med. Jörg Klier, Köln, führte aus, dass der Grund für die Änderung der bislang zugelassenen Indikation von Radium-223 die Daten einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie der Phase III (ERA-223) sind. Die Studie untersuchte die Anwendung von Radium-223 in Kombination mit Abirateronacetat + Prednison/Prednisolon. Die ERA-223-Studie wird aktuell weitergeführt (6).

Einzigartiger Wirkmechanismus von Radium-223

Für den Einsatz von Radium-223 bei mCRPC-Patienten, die unter 2 Vortherapien progredient wurden, gibt es laut Klier gute Argumente: Radium-223 imitiert Calcium und wird selektiv im Knochen in Bereiche mit hohem Knochenstoffwechsel, wie Knochenmetastasen, eingebaut (2). Dort emittiert Radium-223 Alpha-Strahlung, die zum Zelltod der angrenzenden Tumorzellen führt. Da Radium-223 einen vom Androgenrezeptor unabhängigen Wirkmechanismus hat, sind keine Kreuzresistenzen wie bei der sequenziellen Therapie mit Abirateron oder Enzalutamid zu befürchten. „Daraus resultiert der Vorteil, dass Radium-223 völlig unabhängig von den Therapien, die der Patient zuvor erhalten hat, eingesetzt werden kann“, sagte Klier.

Verbesserung der Lebensqualität durch Radium-223

Gerade für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs ist neben der Verlängerung des Lebens eine gute Lebensqualität entscheidend. Sie konnte bei einem signifikant größeren Teil der mit Radium-223 behandelten Patienten im Vergleich zu Placebo verbessert werden (25% vs. 16%) (4). Ferner konnte Radium-223 die Zeit bis zum ersten Auftreten eines symptomatischen skelettalen Ereignisses im Median fast ein halbes Jahr verzögern – ein Punkt, der ebenfalls zur QoL beiträgt (15,6 Monate vs. 9,8 Monate, p<0,001) (3).

Bis zu 80% der Patienten mit mCRPC und symptomatischen Knochenmetastasen leiden unter unerträglichen Schmerzen (7). Im Vergleich zu Placebo berichteten signifikant mehr Patienten der Radium-223-Gruppe von einer Schmerzlinderung (30,2% Patienten der Radium-223- und 20,1% der Placebo-Gruppe) (4).# Auch die Zeit bis zum initialen Opioidgebrauch war unter Radium-223 signifikant länger als unter Placebo (Mediane Zeitdauer: NE vs. 6,9 Monate; p<0,0023) (5).

Als Option einplanen

Während am Anfang des Krankheitsstadiums des mCRPC circa 9 von 10 Patienten bereits Knochenmetastasen aufweisen (8), steigt im weiteren Krankheitsverlauf die Wahrscheinlichkeit, dass sich viszerale Metastasen entwickeln: 1-2 Jahre vor Lebensende weist jeder zehnte Patient viszerale Metastasen auf, kurz vor dem Tod sind es dann fast 50% (9). Laut Zulassung von Xofigo dürfen Patienten mit nachgewiesenen viszeralen Metastasen nicht mit Radium-223 behandelt werden (1). Bei diesen Patienten geht die Möglichkeit einer weiteren lebensverlängernden Behandlung verloren. Aus diesem Grund ist Radium-223 eine sinnvolle Behandlungsoption beim mCRPC nach 2 Vortherapien, damit die Patienten von allen lebensverlängernden Therapien profitieren können.

#Verbesserung bei schmerzbezogenen Fragen zur Lebensqualität des FACT-P Fragebogens Scores um ≥ 2 Punkte vom Ausgangswert in Woche 16 und/oder 24; p=0,010.

Quelle: Bayer

Literatur:

(1) Xofigo® 1100 kBq/ml Injektionslösung, Fachinformation, Version 8, September 2018.
(2) Perez & Brady's Principles and Practice of Radiation Oncology 5th Edition; Lippincott Williams & Wilkins 2008.
(3) Parker C et al (2013) Alpha emitter radium-223 and survival in metastatic prostate cancer. N Engl J Med. 369(3):213-223.
(4) Nilsson S et al. (2016) Patient-reported quality-of-life analysis of radium-223 dichloride from the phase III ALSYMPCA study. Ann Oncol. 27(5):868-874.
(5) Nilsson et al. ASCO Annual Meeting 2013 (abstract #5038).
(6) ClinicalTrials.gov. NCT02043678: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02043678.
(7) Goh P et al (2007) New multidisciplinary prostate bone metastases clinic: first of its kind in Canada. Curr Oncol 14(1):9-12.
(8) Frieling SJ et al (2015) Current and Emerging Therapies for Bone Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer. Cancer Control 22(1):109-120.
(9) Pezaro CJ et al. (2014) Visceral disease in castration-resistant prostate cancer. Eur Urol. 65(2):270-273.
 


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