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Medizin

18. Oktober 2017 Lungenkrebs: Perizyten dichten Blutgefäße nur ungenügend ab – neuer Immuntherapie-Ansatz?

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass Perizyten, die in normalen Blutgefäßen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.
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Ein Forschungsteam aus der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie des Inselspitals Bern, dem Department of Biomedical Research DBMR und dem ARTORG Center for Biomedical Engineering der Universität Bern hat herausgefunden, dass spezielle Bindegewebszellen, die Perizyten, beim Tumorwachstum eine wichtige Rolle spielen. Die Aufgabe von Perizyten ist es, Blutgefäßwände abzudichten. Die Erkenntnisse der Studie können dazu verwendet werden, die Immuntherapie bei Lungenkrebs zu verbessern.

Bindegewebszellen unterstützen Tumor

"Es wurde schon länger vermutet, dass Perizyten mit dem Tumorwachstum zusammenhängen – darum haben wir gezielt nach diesem Zusammenhang gesucht", sagt Sean Hall, Leiter der Gruppe Thoraxchirurgie am Inselspital und DBMR. Dafür wurden Proben von Tumorzellen aus nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen von Patientinnen und Patienten gesammelt, die am Inselspital Bern operiert wurden. Aus diesem Lungengewebe isolierte Hall anschließend Perizyten. Die Forschenden verglichen diese speziellen Bindegewebszellen mit solchen aus gesundem Lungengewebe. Dabei entdeckten sie, dass die Zellen aus dem Tumorgewebe mehrere Anomalien aufwiesen.

So war Interleukin-6 darin übermäßig vorhanden, ebenso PD-L1, ein Hemmstoff, der die körpereigene Immunantwort unterdrückt. "Die Resultate weisen darauf hin, dass Perizyten in kleinzelligen Lungenkarzinomen eine Entzündung aktiv fördern und auch die körpereigene Immunantwort unterdrücken", sagt Colette Bichsel vom ARTORG Center for Biomedical Engineering der Universität Bern und Erstautorin der Studie.
 
Aufnahmen von Blutgefäßen, die von "normalen" Perizyten abgedichtet werden (obere Reihe), verglichen zu Blutgefässen mit Perizyten aus Tumorgewebe (unten). Die Gefäße unten sind deutlich undichter. © Inselspital Bern/Universität Bern
Aufnahmen von Blutgefässen, die von "normalen" Perizyten abgedichtet werden (obere Reihe), verglichen zu Blutgefässen mit Perizyten aus Tumorgewebe (unten). Die Gefässe unten sind deutlich undichter. © Inselspital Bern/Universität Bern



Die Forschenden wollten auch herausfinden, wie die Perizyten ihre Aufgabe, die Blutgefäßwände abzudichten, im Tumor erfüllen. Um dies zu untersuchen, entwickelte Colette Bichsel am ARTORG Center einen Chip, auf dem Blutgefäße gezüchtet und im Labor gehalten werden können. Darauf wuchsen Blutgefäße sowohl mit gesunden Perizyten als "Abdichtung" als auch solche mit Perizyten aus Lungenkarzinomen. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: die Blutgefäße mit Tumor-Bindegewebszellen waren undichter als normale Blutgefäße. "Dies lässt vermuten, dass Perizyten in einem Lungenkarzinom Blutgefäße nur ungenügend abdichten, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich Tumorzellen im Körper ausbreiten können", erklärt Bichsel.

Erstmals konnte so nachgewiesen werden, dass Perizyten beim Wachstum von Lungenkarzinomen eine wichtige Rolle spielen und es konnte der Mechanismus dahinter erklärt werden. Die Forschenden erhoffen sich durch weitere Studien neue Ansätze für die Immuntherapie von Lungenkrebs.

Quelle: Universität Bern


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