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Medizin

07. Januar 2019 Leichtere Klassifizierung von Hirntumoren: Gerhard-Domagk-Preis 2018 geht an David Capper

Bei der Behandlung von Hirntumoren ist es wichtig, genau zu wissen, mit welcher Art man es zu tun hat. Die korrekte Diagnose eines Tumors ist für die Patienten lebensnotwendig, denn die verschiedenen Varianten reagieren unterschiedlich auf Strahlen- oder Chemotherapien. Für seine Forschung zur Klassifikation von Hirntumoren hat der Neuropathologe Prof. Dr. David Capper von der Berliner Charité den mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis der Gerhard-Domagk-Stiftung und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) erhalten.
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Der Ursprung von Hirntumoren liegt entweder im Gehirn oder im Rückenmark, weshalb sie auch Tumoren des Zentralnervensystems (ZNS) genannt werden. Bisher werden ungefähr 100 Arten von ZNS-Tumoren anhand von Gewebemerkmalen unterschieden. In Zusammenarbeit mit Kollegen des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ), des Kindertumorzentrums (KiTZ) und der Neuropathologie am Universitätsklinikum Heidelberg hat Capper ein computerbasiertes Diagnoseverfahren entwickelt, durch das sich Hirntumoren auf molekularer Ebene unterscheiden lassen.

Dabei analysieren die Forscher die DNA-Methylierung der Tumoren. Das sind chemische Markierungen im Erbgut, anhand derer sich Tumoren unterscheiden und molekulare Profile erstellen lassen. Diese Profile wurden mit 2.800 bereits klassifizierten Profilen anderer Referenzproben verglichen. Durch einen von den Forschern entwickelten Algorithmus lassen sich nun 82 Arten von ZNS-Tumoren anhand ihrer Methylierungsmuster bestimmen. Besonders hilfreich ist das Verfahren bei Hirntumoren, die durch die bloße Betrachtung durch das Mikroskop nicht zu unterscheiden sind.

Seine Ergebnisse zur DNA-methylierungsbasierten Klassifikation von Hirntumoren veröffentlichte die von Capper geleitete Arbeitsgruppe im Frühjahr 2018 im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Um einen breiten Einsatz des Verfahrens zu ermöglichen, entwickelte das Forschungsteam zudem eine kostenlose Website, auf der sowohl der Algorithmus als auch die 2.800 Referenzprofile zur Verfügung stehen (www.molecularneuropathology.org). Die Vorsitzende der Domagk-Stiftung und Direktorin des münsterschen Gerhard-Domagk-Instituts für Pathologie, Prof. Dr. Eva Wardelmann, würdigte Cappers Leistung bei der Preisübergabe als „bahnbrechend“: „Möglicherweise werden diese Ergebnisse künftig auch die Einteilung der Tumoren im restlichen Körper außerhalb des Gehirns beeinflussen oder sogar leiten“.

Der neue Träger des Gerhard-Domagk-Preises erhielt 2017 die Professur für Molekulare Neuropathologie an der Charité und leitet zudem die Arbeitsgruppe Molekulare Neuropathologie am Berliner Standort des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK). Vor seiner Berufung nach Berlin war der heute 39-jährige Oberarzt für Neuropathologie am Universitätsklinikum Heidelberg sowie als Mitarbeiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuropathologie des DKFZ tätig. Sein Medizinstudium absolvierte der gebürtige Stuttgarter an der Universität Tübingen, wo er auch promoviert wurde.

Für Capper ist der Gerhard-Domagk-Preis nicht die erste Auszeichnung, die er für seine Forschungen zu Hirntumoren erhalten hat: Allein 2018 erhielt er den Curt-Meyer-Gedächtnispreis, den Open-Data-Award des Berliner Institutes für Gesundheitsforschung sowie den Innovationspreis der Deutschen Hochschulmedizin.

Der Gerhard-Domagk-Preis wird seit 2014 von der Stiftung „Krebsforschung Prof. Dr. Gerhard Domagk“ vergeben. In Kooperation mit der Universitätsgesellschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und mit einer Spende der Bayer AG wird der Award jährlich bundesweit ausgeschrieben und zeichnet herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Krebsforschung aus. Dies geschieht auch im Gedenken an den 1964 verstorbenen Prof. Dr. Gerhard Domagk. Der bislang einzige Nobelpreisträger aus den Reihen der WWU gründete 1961 die nach ihm selbst benannte Stiftung, um die Krebsforschung zu fördern.

Quelle: Universitätsklinikum Münster


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