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Medizin
30. Juni 2016

Leberkrebs: Überlebensrate nach Transplantation verbessern

Eine von der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) initiierte internationale Studie hat gezeigt, dass Medikamente mit dem Wirkstoff Sirolimus bei Leberkrebs-Patienten nach einer Lebertransplantation zu einer höheren Überlebensdauer führen. 2015 wurden in Deutschland 220 an Leberkrebs erkrankte Menschen auf die Warteliste für eine Lebertransplantation gesetzt. Das sogenannte Hepatozelluläre Karzinom (HCC) gehört damit zu den drei häufigsten Indikationen, die eine Lebertransplantation notwendig machen, damit der Patient eine Überlebenschance hat.
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Trotz aller Fortschritte in der Transplantationsmedizin besteht jedoch auch nach der Transplantation für die Patienten ein hohes Risiko, dass der Leberkrebs zurückkehrt. Denn die Einnahme von Immunsuppressiva, was nach einer Transplantation zur Vermeidung einer Abstoßung des neuen Organs unabdingbar ist, kann die Entwicklung von Krebsgeschwüren fördern. In der von Prof. Edward K. Geissler, PhD, Leiter des Bereichs Experimentelle Chirurgie der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR (Direktor: Prof. Dr. Hans J. Schlitt), koordinierten „SiLVER-Studie“ konnte nun erstmals gezeigt werden, dass mit Immunsuppressiva, die den Wirkstoff Sirolimus enthalten, die Überlebensrate von lebertransplantierten HCC-Patienten signifikant verbessert werden kann.

HCC-Patienten profitieren von Studienergebnissen

In der SiLVER-Studie wurde die Anwendung immunsuppressiver Medikamente, die Sirolimus enthalten, hinsichtlich der Überlebensrate und der Rezidivbildung bei Patienten untersucht, die aufgrund eines Hepatozellulären Karzinoms lebertransplantiert wurden. Sirolimus hemmt das Enzym mTor, das für Überleben, Wachstum, Durchlässigkeit und Beweglichkeit von Zellen relevant ist. „Die Ergebnisse der SiLVER-Studie zeigen deutlich, dass lebertransplantierte HCC-Patienten länger rezidivfrei leben, wenn sie mit Sirolimus behandelt werden“, fasst Professor Geissler zusammen. Insgesamt nahmen in den letzten acht Jahren 525 Patienten an 45 Studienzentren in 13 Ländern weltweit an der Studie teil.

Dabei wurden bestimmte Patientengruppen identifiziert, die von einer Behandlung mit Sirolimus am meisten profitieren. Den größten Nutzen haben demnach Patienten mit einem weniger weit fortgeschrittenen Hepatozellulären Karzinom. Der Gewinn für diese Patienten zeigte sich in einer Verlängerung der tumorfreien Überlebenszeit um 7,9 Monate.

Vom Labor in die klinische Anwendung

Die SiLVER-Studie ist ein hervorragendes Beispiel für eine funktionierende translationale Medizin. Das bedeutet, dass wissenschaftliche Erkenntnisse schnell und effizient vom Forschungslabor in die klinische Anwendung am Krankenbett gebracht werden. Die SiLVER-Studie stellt bis dato die einzige prospektive, randomisierte Studie dar, die die schützende Wirkung von Sirolimus gegen Leberkrebs zeigt. Dadurch stellt sie erstmals evidenzbasierte Daten zur Verfügung, auf deren Grundlage spezifische immunsuppressive Medikamente für lebertransplantierte Patienten mit HCC ausgewählt werden können. Die Ergebnisse können nun ins klinische Umfeld übertragen werden und so dazu beitragen, die Behandlung von Patienten mit dieser Erkrankung zu verbessern.

„Darüber hinaus sind die Daten der SiLVER-Studie eine wichtige Basis an Informationen für weitere Analysen und Studien. Ziel der weiteren Forschungsarbeit ist es nun, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, welche Gruppen von lebertransplantierten HCC-Patienten bei welcher Anwendung von mTOR-Inhibitoren am meisten profitieren“, so Prof. Geissler.

Literaturhinweise:
Geissler EK, Schnitzbauer AA, Zülke C et al. Sirolimus use in liver transplant recipients with hepatocellular carcinoma: A randomized, multicenter, open-label phase 3 trial. Transplantation 100(1):116-125. (Epub ahead of print, Nov. 2015).

Guba M, von Breitenbuch P, Steinbauer M et al. Rapamycin inhibits primary and metastatic tumor growth by antiangiogenesis involvement of vascular endothelial growth factor. Nat Med 8:128-135.

Quelle: Universitätsklinikum Regensburg


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