Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Medizin
18. September 2012

Krebs-Überlebensraten 20 Jahre nach dem Mauerfall

Zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung haben sich die Überlebensraten bei Krebs in Ost- und Westdeutschland weitestgehend angeglichen. Dies stellte ein Team von Epidemiologen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und aus elf deutschen Krebsregistern in einer aktuellen Studie fest.

Anzeige:
Blenrep
Blenrep

Daten aus den 1970er- und 1980er Jahren belegen, dass Menschen mit Krebs in Westdeutschland deutlich länger überlebten als Betroffene hinter dem Eisernen Vorhang. Betrachtet man den Diagnosezeitraum 1984 bis 1985, so überlebten in der ehemaligen DDR 28% der Darmkrebspatienten, 46% der Prostatakrebspatienten sowie 52% der Brustkrebspatientinnen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Westbürger, die an diesen Krebsarten erkrankt waren, erreichten dagegen bereits zwischen 1979 bis 1983 5-Jahres-Überlebensraten von 44%, 68% und 68%.

Unter der Federführung von Dr. Lina Jansen und Prof. Hermann Brenner aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) untersuchten nun Wissenschaftler des DKFZ und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) erstmals, wie sich die Überlebensraten in Deutschland im zweiten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung entwickelt haben. Die neue Studie basiert auf über einer Million Krebsfälle aus den elf deutschen bevölkerungsbezogenen Landeskrebsregistern, die im Untersuchungszeitraum etwa 40% der bundesdeutschen Bevölkerung abdeckten.

Die Epidemiologen analysierten die Krebsüberlebensraten im Zeitraum 2002 bis 2006. Sie stellten fest, dass sich die 5-Jahres-Überlebensraten bei 20 von 25 untersuchten Krebsarten zwischen Ost und West um weniger als 3% unterscheiden und damit als annähernd identisch betrachtet werden können.

Nur bei Krebs der Mundhöhle, der Speiseröhre und der Gallenblase sowie bei Melanomen erreichten Betroffene in den alten Bundesländern statistisch signifikant höhere 5-Jahres-Überlebensraten. Umgekehrt hatten Bürger der neuen Bundesländer einen kleinen Überlebensvorteil bei Leukämien.

„Die angeglichenen Krebs-Überlebensraten in den alten und neuen Bundesländern demonstrieren, dass das vereinheitlichte Gesundheitssystem vergleichbare Gesundheits-Chancen für Menschen in Ost und West geschaffen hat. Die dramatischen Überlebensunterschiede nach Krebs sind nahezu ausgeglichen, obwohl die ökonomischen Bedingungen nach wie vor unterschiedlich sind“, sagt Hermann Brenner. „Inzwischen ist es aber sinnvoller, den Einfluss sozioökonomischer Unterschiede auf das Krebsüberleben innerhalb einzelner Regionen zu prüfen, als in den überholten Kategorien Ost und West zu denken.“

Literaturhinweis:
Lina Jansen, Adam Gondos, Andrea Eberle, Katharina Emrich, Bernd Holleczek, Alexander Katalinic, Hermann Brenner und die GEKID Cancer Survival Working Group: Cancer survival in Eastern and Western Germany after the fall of the Iron Curtain. European Journal of Epidemiology 2012, DOI: 10.1007/s10654-012-9723-5

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum


Stichwörter
Das könnte Sie auch interessieren
Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs
Aktionswoche+zur+Aufkl%C3%A4rung+%C3%BCber+Kopf-Hals-Krebs
© Merck Serono

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute bekannt gegeben, dass es sich auch in diesem Jahr an der Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs beteiligt. Diese wird zum vierten Mal von der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft (engl.: European Head and Neck Society, EHNS) initiiert und findet vom 19. bis 23. September 2016 statt. Im Rahmen der europaweiten Aktivitäten veranstalten mehrere deutsche Kliniken und...

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf
Weltkrebstag%3A+Deutsche+Krebshilfe+informiert+und+ruft+zum+Handeln+auf
© julief514 / Fotolia.com

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Das diesjährige Motto der Weltgesundheitsorganisation lautet: „Wir können. Ich kann.“ Es steht dafür, dass Menschen durch einen gesunden Lebensstil dazu beitragen können, vielen Krebsarten vorzubeugen. „Gesundheit ist ein hohes Gut und es macht Spaß etwas dafür zu tun“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Die Organisation bietet Interessierten kostenlose Infomaterialien und...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Krebs-Überlebensraten 20 Jahre nach dem Mauerfall"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.