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Medizin
14. September 2016

Einsatz neuer Krebsmedikamente: Die Biologie entscheidet

Lange galt der Ursprungsort einer Krebserkrankung als entscheidend für die medikamentöse Behandlung. Diese Regel gilt nicht mehr. Sowohl bei den Arzneimitteln als auch bei der Immuntherapie richtet sich der Einsatz nach biologischen Kriterien. Die Jahrestagung der deutschsprachigen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich der Immuntherapie und die Möglichkeit, im kollegialen Dialog Erfahrungen auszutauschen.
Neue Krebsmedikamente: Gezielte Wirkung bei sehr verschiedenen Erkrankungen

Dass die modernen Medikamente zu einem deutlichen Perspektivenwechsel mit Blick auf die Behandlung geführt haben, macht Prof. Dr. med. Andreas Hochhaus, diesjähriger Kongresspräsident und Direktor der Abteilung Hämatologie/Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Jena deutlich: "Wo wir früher Tumoren anhand ihrer Verortung an bestimmten Organen klassifiziert haben, werden wir in Zukunft verstärkt Klassifikationen basierend auf bestimmten genetischen Mutationen des Tumorgewebes oder immuntherapeutisch wirksamen Mechanismen sehen. Wenn wir in klinischen Studien die Wirksamkeit von bestimmten Medikamenten bei verschiedenen Entitäten nachweisen können, werden wir zukünftig noch stärker ein bestimmtes Medikament bei sehr verschiedenen Erkrankungen einsetzen." Laut Hochhaus werde diese Entwicklung dazu führen, dass die Bedeutung der Medizinischen Onkologie noch zunehmen werde. Eine moderne, evidenzbasierte und effektive Therapie hämatologischer und onkologischer Erkrankungen könne nur mit Spezialistinnen und Spezialisten realisiert werden. "Die medikamentöse Therapie von soliden Tumoren und hämatologischen Erkrankungen immer auf dem neuesten Stand des Wissens und im Sinne des Mandats unserer Patientinnen und Patienten durchzuführen – dafür werden wir als medizinische Hämatologen und Onkologen in Zukunft mehr denn je gebraucht", ergänzt der Kongresspräsident.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile: Auch bei einer effektiven Krebstherapie

Die Vielfalt der neuen Ansätze macht Prof. Dr. med. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, deutlich. "Wir erleben derzeit eine dramatische Zunahme an Wissen. Das gilt für Diagnostik und Therapie. Wir verstehen immer mehr von der Entstehung und dem Verlauf von soliden Tumoren und hämatologischen Erkrankungen. Mit den neuen Formen der Immuntherapie, mit den vielen gezielten Arzneimitteln zur Hemmung des Gefäßwachstums, aber auch mit neuer Chemo- und Hormontherapie hat sich unser "Werkzeugkasten" in wenigen Jahren fast verdoppelt. Das ist für uns Ärztinnen und Ärzte ein Riesengewinn." Aufgrund dieses Wissenszuwachses werde die Behandlung immer komplexer, so Bokemeyer weiter. "Dieser Komplexität werden wir mit einem singulären Therapieansatz nicht gerecht. Was wir in der medikamentösen Tumortherapie brauchen, sind sehr spezifische Instrumente." Es gehe insbesondere darum, Therapieregime zu entwickeln, die die verschiedenen medikamentösen Therapieansätze kombinierten. "Bei einer effektiven Krebstherapie ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile", so Bokemeyer weiter.

Moderne Diagnostik: Integraler Bestandteil innovativer Therapie

Die neuen therapeutischen Ansätze nutzen auch Fortschritte in der Diagnostik. Die Untersuchung von zirkulierenden Tumorzellen im Blut von Krebspatienten, die sogenannte "Liquid Biopsy", erspart oft die Entnahme einer schmerzhaften und nebenwirkungsbelasteten Biopsie. Das Next Generation Sequencing (NGS) ermöglicht in immer kürzerer Zeit und zu immer geringeren Kosten die Analyse genetischer Mutationen des Tumorgewebes und der Keimbahn. "Die molekulargenetische Diagnostik ermöglicht uns in der Hämatologie und Onkologie einen äußerst selektiven Einsatz der modernen Onkologika. Auf dem Weg zur personalisierten Tumortherapie ist das ein riesiger Schritt“, so der Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO.

Studententag: Ein Tag für den Nachwuchs in der Hämatologie und Onkologie

Der Studententag am Samstag, den 15. Oktober 2016, hat sich als ein zentrales Angebot der Jahrestagung der deutschsprachigen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie und wichtige Plattform für den wissenschaftlichen Nachwuchs etabliert. "Wir möchten unseren jungen Kolleginnen und Kollegen die zentrale Rolle von Wissenschaft und Forschung in der Hämatologie und Onkologie nahebringen. Gerade in unserem Fachgebiet erleben wir eine rasante Zunahme des medizinischen Wissens. Damit ist die Hämatologie und Onkologie für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein extrem attraktives und spannendes Arbeitsfeld“, so Bokemeyer.

Ausführliche Informationen finden Sie unter: www.haematologie-onkologie-2016.com

Quelle: DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.


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