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Medizin
09. März 2016

Kopf-Hals-Tumoren: Fortschritte bei verschiedenen Therapieansätzen

Schonende Vorgehensweisen, kluge Kombinationen und hoffnungsvolle neue Therapieoptionen. Die vielfältigen Aspekte der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren beleuchteten Prof. Andreas Dietz aus Leipzig und Prof. Rainer Fietkau aus Erlangen auf einer Pressekonferenz anlässlich des 32. Deutschen Krebskongresses in Berlin.

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Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Ohrenschmerzen – die Frühsymptome der Tumore der Kopf-Hals-Region gleichen denen einer Erkältung und können leicht missgedeutet werden. „Bemerkt der behandelnde Arzt nicht, dass es sich um einen Tumor handelt und wächst dieser weiter, hat das oft desaströse Konsequenzen für den Patienten“, betonte Fietkau. Etwa 80% der Kopf-Hals-Tumoren werden primär operativ behandelt. Hier kommt den Patienten zugute, dass sich die chirurgische Therapie in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt hat. In manchen Fällen lassen sich durch verfeinerte Rekonstruktionstechniken die für den Schluckvorgang relevanten Strukturen wieder herstellen. Trotz einer angestrebten kompletten Tumorentfernung, bemüht man sich heute, so wenig radikal wie möglich vorzugehen. Unterstützt wird diese schonende Vorgehensweise etwa durch die Laserchirurgie, die ohne Eröffnung des Halses direkt durch den Mund erfolgt (transorale Laser-Mikrochirurgie).

Optimierte Therapieschemata und erfolgreiche immunologische Ansätze

Die Heterogenität der Tumoren erfordert eine differenzierte Vorgehensweise. So stellt bei Mundhöhlenkarzinom die chirurgische Entfernung meist die erste Option dar, ggf. wird anschließend bestrahlt. Ein Zungengrundkarzinom wird dagegen selten operiert, da diese Eingriffe oft mit Schluckstörungen einhergehen. „Diese Patienten werden häufiger einer primären Strahlen- und Chemotherapie unterzogen. Insbesondere HPV-bedingte Tumoren, sprechen sehr gut auf die Strahlentherapie an“, erläuterte Fietkau.

Kleine Kehlkopfkarzinome werden operiert, größere zunächst mit 1-3 Zyklen Chemotherapie behandelt. Ist dieses Vorgehen erfolgreich, erfolgt eine Strahlentherapie, falls nicht, muss der Kehlkopf doch operativ entfernt werden. Auch das häufig inoperable Nasopharynxkarzinom wird meist primär mit Strahlen- und simultaner Chemotherapie therapiert. Durch diese Kombination verbesserten sich die Behandlungserfolge deutlich: Die Prognose stieg um 10-20%, selbst Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung ohne Metastasierung erreichen Überlebensraten von 30-50%. Neue Techniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie verringern zudem Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder beeinträchtigte Schluckfunktionen.

Hoffnung auf bessere Therapiemöglichkeiten geben aktuelle Ergebnisse mit PD-1-Inhibitoren. Aufgrund überzeugender Daten wurde eine Phase-III-Studie (CheckMate -141) frühzeitig abgebrochen, die das Gesamtüberleben unter Nivolumab (Opdivo®) mit Standardtherapien bei Patienten mit wiederkehrenden oder metastasierenden, platinresistenten Hals-Kopf-Tumoren verglich. Zuvor hatte bereits eine Studie (KEYNOTE-012) mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab (Keytruda®) bei Patienten mit rezidivierten/metastasierten Kopf-Hals-Tumoren bemerkenswerte Ansprechraten erzielt (1). „Das ist gerade ein sehr aufregendes Feld und wir überlegen, wie wir die neuen Therapeutika integrieren können“, berichtete Fietkau.

Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft unterstützt Therapieansätze

„Trotz aller Fortschritte bedeutet die Therapie für die meisten Patienten einen enormen Eingriff in die vitalen Parameter wie Schluck- und Atemvorgänge. Sowohl die Diagnose als auch die Therapie sind für viele Patienten ein Schock und die Folgen begleiten sie ihr gesamtes restliches Leben“, erklärte Dietz. Vor allem der Verlust der Stimme kann zur existentiellen Bedrohung werden. Dazu kommt etwa bei Rauchern die Scham über den oft als „selbst verschuldet“ empfundenen Tumor. „Wir müssen uns um diese Patienten kümmern“, betonte Dietz. Diese Aufgabe hat sich auch die Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Kopf-Hals-Tumoren (IAG-KHT) zum Ziel gesetzt, der Fietkau (Vorsitzender) und Dietz (stellvertretender Vorsitzender) angehören. „Wir haben verschiedene Fachdisziplinen ins Boot geholt, um gemeinsam Studienkonzepte und individuelle Therapien zu entwickeln“, erklärte Fietkau.

Dr. Marion Hofmann-Aßmus

Quelle: Pressekonferenz der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Kopf-Hals-Tumore und der Arbeitsgemeinschaft HNO und MKG der Deutschen Krebsgesellschaft, DKK 2016, 26.02.2016, Berlin

Literatur:

(1) Seiwert T et al. J Clin Oncol 2015;33:suppl; #LBA6008


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