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Medizin
04. November 2015

Kombinationstherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms: OTILIA-Studie – Erste Interimsanalyse bestätigt gute Wirksamkeit von Avastin first-line

Avastin® (Bevacizumab) hat sich in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel als Standard für die First-Line-Therapie von Frauen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (FIGO-Stadium IIIB-IV) fest etabliert. In der zulassungsrelevanten Studie GOG-0218 verlängerte die frühe und kontinuierliche First-Line-Therapie mit Bevacizumab mit 15 mg/kg über 15 Monate das progressionsfreie Überleben (PFS) gegenüber der alleinigen Chemotherapie signifikant um 6,2 Monate auf median 18,2 Monate (1,2). Erste Ergebnisse der bundesweit durchgeführten nicht-interventionellen Studie (NIS) OTILIA zeigen jetzt, dass sich die gute Wirksamkeit von Bevacizumab auch unter klinischen Alltagsbedingungen bestätigt. In einer ersten Interimsanalyse, durchgeführt zusammen mit dem Safety Board der AG Ovarialkarzinom der Nord-Ostdeutschen Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie (NOGGO), die kürzlich auf dem Europäischen Krebskongress (ECC) vorgestellt wurde, erreichten die Patientinnen mit Bevacizumab first-line ein PFS von über 20 Monaten (3).

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„Das sind bemerkenswerte erste Ergebnisse, die uns zeigen, dass sich Avastin in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel gut im klinischen Alltag einsetzen lässt“, kommentierte Prof. Alexander Mustea, stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Greifswald, die Ergebnisse der ersten geplanten Interimsanalyse. Das Sicherheitsprofil bestätigt die Erkenntnisse der beiden zulassungsrelevanten randomisierten Phase-III-Studien GOG-0218 (1,2) und ICON7 (4).

Derzeit über 20 Monate ohne Tumorprogress

Rationale der einarmigen Studie OTILIA (Ovarian cancer Treatment first-Line with Avastin; NCT01697488) ist es, Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit der First-Line-Behandlung mit Avastin in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel unter klinischen Alltagsbedingungen zu prüfen. Die Entscheidung für die Kombinationstherapie wird in der OTILIA-Studie individuell von dem behandelnden Arzt getroffen, gemäß der Daten zu 65% im Tumorboard. Eine Evaluation zeigte, dass sich die Ärzte bei der Entscheidung für den First-Line-Einsatz von Bevacizumab mehrheitlich an den Therapie-Leitlinien (81%) sowie der Wirksamkeit des Bevacizumab-Regimes (69 %) orientierten. Zum Zeitpunkt der Interimsanalyse nahmen bundesweit 197 Zentren an der Studie teil.
Die aktuellen Daten zum PFS basieren auf 137 Patientinnen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (FIGO-Stadium IIIB-IV). Das sind etwa 20% der aktuellen ‚Per-protocol‘-Population (n = 671). Trotz des vorläufigen Charakters der bisherigen Untersuchungsergebnisse (erst 20% der PFS-Events traten bisher ein), zeigen sich beachtenswerte Verträglichkeitsergebnisse, betonte Mustea bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Keine neuen Sicherheitssignale im Klinikalltag

Darüber hinaus bestätigen die Daten aus dem klinischen Alltag die gute Verträglichkeit der frühen und kontinuierlichen First-Line-Therapie mit Bevacizumab. Die Ergebnisse zur Sicherheit und Verträglichkeit basieren auf 734 Patientinnen (Safety Population), die mindestens eine Bevacizumab-Dosis erhalten haben, erläuterte Mustea. Bislang zeigen sich keine neuen Sicherheitssignale. Die meisten unerwünschten Ereignisse waren mild bis moderat ausgeprägt und ließen sich gut handhaben. Unerwünschte Ereignisse von Grad 3-4 traten bei etwas mehr als einem Viertel der Patientinnen auf (27 %) und führten in der Regel nicht zum Therapieabbruch.

Fokus auf den älteren Patienten ≥ 70 Jahre

Mustea wies darauf hin, dass in die OTILIA-Studie auch ältere Patientinnen über 70 Jahre eingeschlossen werden. Derzeit beträgt ihr Anteil in der ‚Per-protocol‘-Population 27%. Die Rekrutierung der älteren Patientinnen läuft weiter, da im Rahmen einer zweiten Studienphase Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung unter Praxisbedingungen gezielt bei älteren Patientinnen (≥ 70 Jahre) evaluiert werden.

Darüber hinaus sind die Erhebung der Lebensqualität, die Evaluierung von Auswahlkriterien und therapeutischen Entscheidungsprozessen weitere Fragestellungen, die im Rahmen der OTILIA-Studie untersucht werden.

Fazit: OTILIA-Daten bestätigen Avastin als gelebten Standard beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Die ersten Ergebnisse der NIS OTILIA zeigen, dass sich die frühe und kontinuierliche First-Line-Therapie mit Bevacizumab in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel im klinischen Alltag als wirksamer und gut verträglicher Standard fest etabliert hat. Diese Ergebnisse aus der klinischen Praxis sind die ersten ihrer Art und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Versorgungsforschung von Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom in Deutschland. Ziel ist es, insgesamt 1.190 Patientinnen aus 350 Zentren einzuschließen und auszuwerten.

Literatur:

(1) Burger RA et al., NEJM 2011, 365: 2473-2483.
(2) Burger RA et al., JCO 2011, 29 (suppl) 33s: #5023.
(3) Mustea A et al., ECC 2015, #2754.
(4) Perren TJ et al., NEJM 2011, 365: 2484-2496.


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