Dienstag, 1. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Vargatef
Vargatef
Medizin

24. April 2017 Klinische Premiere für Radioembolisation mit Holmium-166

Nach erfolgreicher klinischer Erprobung in den Niederlanden wurde am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden weltweit der erste Krebspatient in der klinischen Routine mit Holmium-166 radioaktiv beladenen Kügelchen behandelt. Das vom Radiologen Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann und dem Nuklearmediziner Prof. Jörg Kotzerke geleitete Team wandte das Radioembolisationsverfahren mit den innovativen Sphären Mitte März bei einem Darmkrebspatienten an, dessen Leber bereits Metastasen aufweist.
Anzeige:
Xospata
 
Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Premiere in Dresden stattfand, ist die enge Zusammenarbeit der Experten der Klinik für Nuklearmedizin mit ihren auf Interventionelle Verfahren spezialisierten Kollegen des Instituts für Radiologie: Bereits seit mehreren Jahren wenden die Ärzte gemeinsam die „Selektive Interne Radio-Therapie“ – kurz SIRT – an. Bisher nutzte das interdisziplinäre Expertenteam dazu den Beta-Strahler Yttrium-90, zu dem es nun mit dem Holmium-166 eine attraktive Alternative gibt. Dank der besonderen Eigenschaften dieses neu in die Krankenversorgung eingeführten Isotops können die Experten Tumore oder Metastasen nicht nur mit einer stärkeren Strahlendosis behandeln, sondern gleichzeitig genau erkennen, wo sich die mit Holmium-166 beladenen Kügelchen befinden und wie intensiv sie das erkrankte Gewebe bestrahlen.

Das lebensbedrohliche Wachstum von Tumoren beziehungsweise Metastasen lässt sich mit der SIRT in vielen Fällen wirksam bremsen. Mit dem Verfahren lässt sich das Krebsgewebe gleichzeitig aushungern und bestrahlen. Bei dieser minimal-invasiven Therapie nutzen die Nuklearmediziner und Radiologen sogenannte Mikrosphären. Das sind feinste Kügelchen mit einem Durchmesser von 20 bis 30 Mikrometern – was etwa der drei- bis vierfachen Größe von Blutplättchen entspricht. Die winzigen Sphären werden über einen Katheter direkt in die Arterien des betroffenen Organs eingeschleust – das Verfahren wird aktuell zumeist bei Tumorerkrankungen der Leber angewandt. Aufgrund ihrer Größe passieren die Kügelchen das gesunde Gewebe, verstopfen jedoch kleinere Blutgefäße der Tumore oder Metastasen und verringern so deren Durchblutung. Dieses Prinzip nennen die Mediziner Embolisation. Gleichzeitig geben die in den Gefäßen steckenbleibenden Mikrosphären radioaktive Strahlung ab, die das kranke Gewebe so stark schädigt, dass es abstirbt.

Die Radioembolisation wird seit Jahren erfolgreich und ohne große Komplikationen in der Behandlung von Krebspatienten eingesetzt. Ein weiterer Vorteil liegt in der Art des Verfahrens selbst: Der minimal-invasive Zugang senkt das operative Risiko für Patienten und verkürzt gleichzeitig die Dauer der Genesung nach der Therapie. Von der minimal-invasiven Therapie profitieren bislang Patienten mit lebereigenen Tumoren oder Lebermetastasen zum Beispiel vom Darmkrebs, wenn konventionelle Behandlungen nicht anschlagen; bei inoperablen Tumoren oder als zeitliche Überbrückung zu einer Organtransplantation. Ob der Patient für eines der Verfahren infrage kommt, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Sie wird im Rahmen einer interdisziplinären Expertenrunde – dem Tumorboard des Universitäts KrebsCentrums Dresden – getroffen.

Bislang nutzen die Ärzte weltweit den Beta-Strahler Yttrium-90 mit aus Glas oder Kunstharz bestehenden Kügelchen als Trägersubstanz. Die nun eingesetzten Mikrosphären, die aus dem Kunststoff Polylactid (kurz PLLA, vom englischen Wort polylactic-L-acid) bestehen, des niederländischen Herstellers Quirem Medical BV – einer Ausgründung des Universitätsklinikums Utrecht (UMCU) – sind mit Holmium-166 markiert, das zu den Metallen der Seltenen Erden zählt. Es weist besondere paramagnetische Eigenschaften auf, die denen des Eisens weit überlegen sind. Damit lassen sich diese neuen, in Dresden erstmals in der klinischen Routine eingesetzten Sphären sowohl mit dem nuklearmedizinischen Standardverfahren SPECT als auch mit der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar machen – und dies bereits bei geringen Konzentrationen im Gewebe. Diese für den Patienten völlig ungefährlichen Methoden ermöglichen es den Ärzten, die Verteilung der Mikrosphären in der Leber quantitativ zu messen, was eine genaue Lokalisation der radioaktiven Sphären im Tumorgewebe direkt nach der Radioembolisation ermöglicht.

Damit die Kügelchen wirklich in die Leber und nicht doch in andere Bereiche des Körpers gelangen, untersuchen die Radiologen im Vorfeld der Therapie die Blutgefäße der Leber, indem sie Kontrastmittel einspritzen. Dank angiographischer Aufnahmen können sie Lage und Verlauf der Gefäße sichtbar machen. In vielen Fällen muss der Blutfluss in einer Arterie, die den Zwölffingerdarm und einen Teil des Magens versorgt, unterbrochen werden. Dies erfolgt durch einen per Katheter eingebrachten Gefäßverschluss – einen sogenannten Coil. Für diese beiden Organe bleibt das folgenlos: Sie werden auch über andere Arterien ausreichend mit Blut versorgt. Danach bringen die Nuklearmediziner über denselben Zugangsweg eine diagnostische radioaktive Testsubstanz ein und prüfen die spätere Verteilung der radioaktiven Kügelchen in einem szintigraphischen Bild (SPECT).

Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT) und der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) geben weitere wichtige Hinweise für die Therapie. Die MRT-Bilder dokumentieren Größe, Anzahl und Lage, die PET zeigt die Vitalität der Tumore bzw. der Metastasen. PET und MRT liefern dem Nuklearmediziner die Daten zur individuellen Dosierung des radioaktiven Isotops. Die Berechnung der Dosis ist sehr komplex und bedarf großer Erfahrung.

Die Entscheidung, Krebspatienten mit der Selektiven Internen Radio-Therapie zu behandeln, fällt im interdisziplinären Tumorboard des Universitäts KrebsCentrums. In diesem Gremium diskutieren die Experten aller mit der Behandlung von Krebsleiden befassten Fachgebiete mehrmals wöchentlich die Befunde aller Krebspatienten und entscheiden einvernehmlich über die weiteren Schritte von Diagnostik und Therapie.

Weitere Informationen des Herstellers: www.quiremspheres.com/quiremspheres.html

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Klinische Premiere für Radioembolisation mit Holmium-166"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab