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Medizin
08. Februar 2017

Wie junge Krebspatienten mit der Diagnose leben

In einer großangelegten Befragung haben Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig die Lebenszufriedenheit und die psychosoziale Versorgungssituation von Krebspatienten im jungen Erwachsenenalter untersucht. So leidet etwa jeder Zweite der befragten 18- bis 39-Jährigen unter Ängsten. Unzufrieden sind die Betroffenen vor allem mit ihrer beruflichen und finanziellen Situation sowie der eigenen Familienplanung und Sexualität. Zudem fehlt vielen Patienten eine altersangemessene Unterstützung.
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Ausbildung, Familie, Karriere: Junge Erwachsene stehen nach der Schulzeit vor großen Herausforderungen. Mitten in dieser turbulenten Zeit erhalten jährlich etwa 15.000 der 18- bis 39-Jährigen die Diagnose Krebs. Die eigene Lebensplanung steht Kopf, die Betroffenen müssen zunächst mit den körperlichen und psychosozialen Folgen der Erkrankung und der Behandlung kämpfen. „Genau das ist das Dilemma. Junge Erwachsene stehen vor vielfältigen Entwicklungsaufgaben, die durch die Erkrankung ins Wanken geraten und zunächst das eigene Überleben in den Mittelpunkt stellen. Doch der Wunsch nach einer eigenen Familie und einem Beruf bleibt natürlich bestehen, sodass jüngere Krebspatienten unter einem höheren psychischen Druck stehen als ältere“, betont Dr. Kristina Geue vom Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig.

Bislang standen Krebspatienten im jungen Erwachsenenalter (im Englischen „Adolescents and Young Adults“ AYA) nur bedingt im Fokus psychoonkologischer Forschung. Dabei entsprechen sie weder dem typischen Patientenprofil der Erwachsenen-Onkologie noch dem der pädiatrischen Onkologie. Das Forschungsprojekt „AYA Leipzig“ hat nun erstmals 514 junge Krebspatienten aus ganz Deutschland zu ihrer Lebenszufriedenheit, der Versorgungssituation und dem Unterstützungsbedarf zweimal innerhalb eines Jahres befragt. Darüber hinaus wollten die Forscher wissen, wie zufrieden die Betroffenen mit der derzeitigen psychoonkologischen Versorgung in den Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen und der ambulanten Betreuung sind. Die Studienergebnisse können nun helfen, die psychosoziale Versorgung der AYA in Deutschland zu verbessern.

„Die Studie ist auf sehr große Resonanz gestoßen. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 29 Jahre alt und litten mehrheitlich an Brust- oder Lymphdrüsenkrebs“, erläutert Prof. Dr. Yve Stöbel-Richter, die zusammen mit Dr. Kristina Geue das Forschungsprojekt leitet. Besonders bewegt hat die jungen Erwachsenen, wie sehr sich Freundschaften und andere wichtige soziale Beziehungen durch die Erkrankung veränderten. Daneben war die Wiederaufnahme der Ausbildung bzw. des Berufs für viele Betroffene eine große Herausforderung. Der Wunsch nach einem normalen Leben ist groß. Die Angst vor dem Wiederauftreten der Erkrankung beeinträchtigt viele der jungen Krebspatienten ebenso wie mögliche langfristige körperliche Folgen der Erkrankung und Behandlung. Neben therapeutischen Angeboten zur Reduktion von Ängsten und anderen psychosozialen Belastungen vermissen sie insbesondere bewegungs- und entspannungstherapeutische Gruppenangebote mit anderen jungen Krebspatienten.

Das Forscherteam will nun aus den Ergebnissen hilfreiche Handlungsempfehlungen für das ärztliche und therapeutische Personal für die psychoonkologische Versorgung der AYA ableiten. „Ziel ist es, Ärzte und Pflegepersonal für die besonderen Bedürfnisse und Probleme dieser Patientengruppe zu sensibilisieren“, sagt Prof. Dr. Anja Mehnert, Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. Geplant ist auch, die Wirksamkeit einer Online-Schreibtherapie zu untersuchen. „In diesem psychoonkologischen Unterstützungsangebot soll es vor allem darum gehen, Ängste der jungen Betroffenen zu reduzieren. Das Projekt reiht sich damit in den Forschungsschwerpunkt zu den Folgen einer Krebserkrankung – Cancer Survivorship – an unserer Abteilung und dem Universitären Cancer Center Leipzig unter Leitung von Professor Florian Lordick ein“, so Mehnert.

Quelle: Universität Leipzig


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