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Medizin

06. Februar 2019 ITP: Real-world-Daten der RISA-Studie bestätigen Langzeitsicherheits- und Wirksamkeitsprofil von Eltrombopag

Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RA) wie Eltrombopag (Revolade®) werden zur Behandlung der Immunthrombozytopenie (ITP) erstmals in der Zweitlinie empfohlen, die Splenektomie spielt in der Therapie nun eine untergeordnete Rolle (1). Die Real-world-Daten der RISA-Studie untermauern das Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil von Eltrombopag (2). Die Lebensqualität der Patienten wird ein immer wichtigeres Kriterium in der ITP-Therapie (1).
Der TPO-RA Eltrombopag ist zur Behandlung der ITP ab einem Alter von einem Jahr oder älter unabhängig vom Splenektomie-Status zugelassen (3). Mit der Aktualisierung der ITP-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) Anfang 2018 ergeben sich u.a. im Therapieregime einige wesentliche Neuerungen für die Behandlung von ITP-Patienten (1). Im Rahmen des DGHO-Kongresses im Herbst 2018 in Wien wurden zudem erste Real-world-Daten der RISA-Studie präsentiert (2). Sie bestätigen die guten Langzeitsicherheits- und Wirksamkeitsprofile von Eltrombopag, die bereits durch die EXTEND-Studie belegt wurden (2,4). In der 2. Ausgabe des Science Channel beleuchten Experten diese entscheidenden Neuerungen und die aktuelle Datenlage – auch unter dem Gesichtspunkt der Lebensqualität von ITP-Patienten.

TPO-RA wie Eltrombopag nun Zweitlinie

Eine entscheidende Neuerung in der aktualisierten ITP-Leitlinie stellt der Einzug von TPO-RA wie Eltrombopag in die Zweitlinientherapie dar (1). Ihre Anwendung ist somit nach Therapieversagen von Kortikosteroiden indiziert (1). Angesichts der neuen medikamentösen Behandlungsoption ist die Splenektomie in den Hintergrund gerückt: „Ich denke, dass die Splenektomie nur noch in Ausnahmefällen indiziert ist und nur in sehr seltenen Fällen für den Patienten einen Ausweg darstellen könnte. TPO-RA haben sie verdrängt und das ist gut so“, erklärt Prof. Dr. Axel Matzdorff, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II, Asklepios Klinikum Uckermark und Mit-Autor der ITP-Leitlinie (1). Laut des Experten sind TPO-RA kein Wundermittel, aber es gibt hohe Ansprechraten und eine gute Verträglichkeit.

Lebensqualität von ITP-Patienten rückt zunehmend in den Fokus

Neben der erstmaligen Empfehlung zur Gabe der TPO-RA als Secondline-Therapie ist die Lebensqualität ein entscheidendes Kriterium in der ITP-Therapie: Je länger die Erkrankung dauert, desto mehr tritt die Normalisierung der Thrombozytenzahl als Therapieziel in den Hintergrund und die Vermeidung von Nebenwirkungen und eine möglichst normale Lebensqualität in den Vordergrund (1). ITP-Patienten haben eine Lebensqualität, die mit der von Krebspatienten vergleichbar ist und zum Teil sogar schlechter ausfällt (1). Neben Blutungssymptomen und einer niedrigen Thrombozytenzahl kommt es bei ihnen zu weiteren zahlreichen Einschränkungen, die auch psychosoziale Aspekte einschließen (1). Dies sind u.a. Auswirkungen auf Beruf, Freizeit und Reisen sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit. Daher wird es der Situation von ITP-Patienten nicht gerecht, den Therapieerfolg ausschließlich anhand der Blutungsneigung und der Thrombozytenzahl zu messen (1). Gemäß Leitlinien-Empfehlung sollen Faktoren in die Therapieentscheidungen einbezogen werden, die Einfluss auf die Lebensqualität nehmen (1). „Es ist eine Veränderung in der Medizin und es ist ganz wichtig, den Patienten ins Boot zu holen. Die individuelle Therapie ist immer ein Gewinn – sowohl für den Patient als auch für den Arzt“, erläuterte Matzdorff.

Aktuelle Real-world-Daten zu Eltrombopag belegen den Nutzen für Patienten

Umfangreiche Studienergebnisse (4), in die nun auch Real-world-Daten einfließen, stützen die aktualisierten Therapieempfehlungen: Die Interimsdaten der RISA-Studie belegen die Langzeitsicherheit und -wirksamkeit von Eltrombopag – nicht im künstlichen Studiendesign, sondern in der alltäglichen Versorgungssituation der Patienten (2). Dabei wurden unter der Leitung von PD Dr. Oliver Meyer der Charité Berlin 128 Patienten mit chronischer ITP in die Studie eingeschlossen und mit Eltrombopag behandelt. Analysiert wurden Wirksamkeit, Verträglichkeit, Nebenwirkungen und die Veränderung der Lebensqualität unter der Medikation. Die mittlere bzw. maximale Behandlungsdauer zum Zeitpunkt der Interimsanalyse betrug 255 bzw. 758 Tage. Die Erkrankung verbesserte sich unter Eltrombopag deutlich: Im sechsten Behandlungsmonat wiesen knapp 80% der Patienten Thrombozytenzahlen von mehr als 50.000 Zellen/µl auf, etwa die Hälfte von ihnen erreichte Werte von mehr als 100.000 Zellen/µl. Es traten keine neuen Nebenwirkungen im Vergleich zu den bisherigen Studien auf. Damit bestätigen die Interimsergebnisse der RISA-Studie erneut, dass mit Eltrombopag eine ITP-Therapie mit gutem Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil besteht (2).

Stabile Remissionen nach Absetzen von TPO-RA nachgewiesen

In den vergangenen Jahren wurde von zahlreichen Einzelfällen berichtet, in denen Patienten unter TPO-RA in Remission gekommen sind. Einige Übersichtsarbeiten nennen Remissionsraten von 13-30% (2,3). Auch die aktuelle Leitlinie geht auf die Möglichkeit ein, bei Patienten mit stabiler Langzeitremission einen Absetzversuch der TPO-RA zu unternehmen (1). In den Leitlinien werden Zielwerte von mehr als 100.000 Thrombozyten/µl im peripheren Blut als Orientierung für normalisierte Werte genannt – und zwar über eine Dauer von mind. 6 und idealerweise 12 Monaten. Zusätzlich sollten in diesem Zeitraum keine weiteren Blutungskomplikationen sowie keine zusätzlichen Interventionen wie die Verabreichung von Kortikosteroiden oder Immunglobulinen erfolgt sein. Die Leitlinie sieht ein ausschleichendes Absetzen der TPO-RA über mehrere Monate vor (1). Sollten die Thrombozytenwerte nach Absetzen von Eltrombopag erneut abfallen, kann der TPO-RA erneut verabreicht werden. In einer Registerstudie aus Spanien blieben 53% der auswertbaren Patienten (26/49) nach Absetzen von Eltrombopag in stabiler Remission. 12 Patienten, bei denen der Absetzversuch ohne Erfolg blieb, erhielten eine erneute Therapie mit Eltrombopag, wobei 11 dieser Patienten auf die Behandlung ansprachen. Das Risiko von Wirkungsverlusten durch die Therapieunterbrechung sei gering. Das durchschnittliche Follow-up betrug 9 Monate (4).

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) McMillan R et al. Self-reported health-related quality of life in adults with immune thrombocytopenic purpura. Am J Hematol 2008;83:150-154.
(2) Ghadaki B et al. Sustained remissions of immune thrombocytopenia associated with the use of thrombopoietin receptor agonists. Transfusion 2013;53:2807-2812.
(3) Mahévas M et al. The temporary use of thrombopoietin receptor agonists may induce a a prolonged remission in adult chronic immune thrombocytopenia. Results of a French observational study. Br J Haematol 2014;165:865-869.
(4) Gonzáles-López TJ et al. Successful discontinuation of eltrombopag after complete remission in patients with primary immune thrombocytopenia; Am J Hematol 2015;90(3):E40-43.


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