Mittwoch, 4. August 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Medizin
22. Oktober 2014

IQWiG: Biomarker uPA/PAI-1 bei Mammakarzinom - Nutzen und Schaden des Tests unklar

Um sich nach der Operation für oder gegen eine ergänzende Chemotherapie zu entscheiden, steht Brustkrebs-Patientinnen ein Test zur Verfügung, der die Konzentration der Biomarker uPA und PAI-1 im Tumorgewebe misst. Da geeignete Studien fehlen, bleibt für Patientinnen mit einem mittleren Rückfallrisiko aber unklar, welchen Nutzen oder Schaden eine auf diesen Test gestützte Behandlungsstrategie für sie haben kann. Zu diesem Ergebnis kommt der am 20. Oktober 2014 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Anzeige:
Keytruda Lunge
Keytruda Lunge

Ergänzende Systemtherapien sollen Überleben verlängern

Auch wenn sich ein Brustkrebs (Mammakarzinom) bei der Operation vollständig entfernen ließ, kann der Tumor erneut auftreten. Das Risiko für ein solches Rezidiv kann niedrig, mittel oder hoch sein. Um das Rezidivrisiko zu verringern und das Überleben zu verlängern, werden adjuvante, d. h. ergänzende Systemtherapien angewendet, auch die Chemotherapie. Ob sie zum Einsatz kommt oder nicht, richtet sich bisher v. a. nach dem Alter der Patientinnen, der Anzahl der befallenen Lymphknoten und dem Grad der Entartung der Tumorzellen.

Prädiktive Marker sollen Therapieentscheidung verbessern

Während man bei einem niedrigen Rezidivrisiko in der Regel keine Chemotherapie empfiehlt, raten Ärztinnen und Ärzte bei einem hohen Rezidivrisiko fast immer zu einer ergänzenden Therapie. Bei Patientinnen mit einem mittleren Risiko reichen die etablierten Faktoren (Grad der Entartung der Tumorzellen u. a.) jedoch für eine solche Therapieempfehlung nicht aus. Deshalb ist in den Leitlinien auch keine enthalten.

Um bei Patientinnen mit mittlerem Rezidivrisiko bessere Therapieentscheidungen zu treffen, ihnen gegebenenfalls eine belastende Chemotherapie ersparen zu können, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sogenannte Biomarker. Diese sollen helfen, diejenigen Patientinnen zu identifizieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Nutzen von der Chemotherapie haben.

Hohe Konzentration ist mit schlechter Prognose verbunden

Solche Biomarker könnten die beiden Proteine Urokinase-Typ Plasminogen-Aktivator (uPA) und sein Inhibitor PAI-1 sein. Beide sind maßgeblich an Stoffwechselprozessen im Tumor beteiligt. Ist ihre Konzentration im Tumorgewebe hoch, gibt es auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv.

Auftrag des IQWiG war es, zu prüfen, ob sich uPA und PAI-1 auch als sogenannte prädiktive Marker eignen und sich Behandelnde und Patientinnen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie auf das Ergebnis entsprechender Tests stützen können.

Einzige Studie hat nicht das geeignete Design

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG fanden zwar eine Studie (Chemo-N0-Studie), die den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie bei Patientinnen mit hohen Konzentrationen von uPA und PAI-1 untersucht. Allerdings ist deren Aufbau nicht geeignet, die Fragestellung des Berichts umfassend zu beantworten.

Zum einen hatten Patientinnen mit hoher Marker-Konzentration, die eine Chemotherapie bekamen, keinen Überlebensvorteil (krankheitsfreies Überleben und Gesamtüberleben) gegenüber den Patientinnen ohne Chemotherapie. Zum anderen wurde bei den Patientinnen mit niedriger Konzentration von uPA und PAI-1 der Nutzen der Chemotherapie nicht untersucht.

Mangels geeigneter Studien bleibt deshalb unklar, welchen Nutzen oder Schaden eine auf uPA und PAI-1 gestützte Strategie zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante Chemotherapie hat.

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Stichwörter
Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"IQWiG: Biomarker uPA/PAI-1 bei Mammakarzinom - Nutzen und Schaden des Tests unklar"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose