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Medizin
13. Juni 2016

Immunthrombozytopenie: Eltrombopag mit Langzeit-Wirksamkeit über Jahre

EHA 2016
In mehreren placebokontrollierten Studie konnte der Thrombopoetinrezeptor-Agonist Eltrombopag, über sechs Wochen ebenso wie über sechs Monate gegeben, bei Patienten mit Immunthrombozytopenie (ITP) die Thrombozytenzahlen erhöhen und die Rate an Blutungen reduzieren. In vier dieser Studien konnten erwachsene Teilnehmer, die an chronischer ITP litten, die Behandlung mit Eltrombopag nach Ende der Studie fortsetzen; die Langzeitergebnisse dieser Fortsetzungsstudie EXTEND (Eltrombopag eXTENded Dosing) konnte James Bussel, New York, beim 21. Kongress der European Hematology Association in Kopenhagen vorstellen.
Zwischen 2006 und 2015 wurden insgesamt 302 Patienten mit chronischer ITP in der EXTEND-Studie nachverfolgt; bei 38% war zuvor eine Splenektomie durchgeführt worden. Die Dauer der Behandlung lag bei maximal 8,8 Jahren (median 2,4 Jahre) und die mediane Tagesdosis bei 50,2 mg. Bereits nach zwei Wochen hatte Eltrombopag die mittlere Thrombozytenzahl auf mindestens 50 x 109/l erhöht, wo sie für die Hälfte der Patienten auch über mehr als 31 Wochen blieb; nach zwei Jahren waren es noch 20%. Sowohl stark vorbehandelte Patienten als auch solche mit vorangegangener Splenektomie sprachen an, aber bei denjenigen mit weniger Vortherapien und bei den nicht splenektomierten Patienten lagen die Ansprechraten höher. Von 101 Patienten, die zu Beginn andere ITP-Therapien einnahmen – in der Mehrzahl Kortikosteroide, so Bussel – konnten 42 im weiteren Verlauf alle diese Medikamente absetzen, während 53 auf mindestens eines verzichten und 72 zumindest die Dosierung der zusätzlichen Medikamente reduzieren konnten.

Der Anteil an Patienten mit Blutungssymptomen nahm von 57% zu Beginn der Therapie auf 17% nach einjähriger Behandlung ab; Blutungen der WHO-Grade 3 und 4 waren selten. Neun Patienten (3%) mussten die Therapie mit Eltrombopag wegen einer Erhöhung von Leberenzymwerten abbrechen; bei vier Patienten war ein Grad-3-Katarakt die Ursache für einen Therapieabbruch. Insgesamt hatte 28 Patienten (9%) im Verlauf der Behandlung mit Eltrombopag einen Katarakt. 19 Patienten erlebten thromboembolische Ereignisse, die bei zehn von ihnen Grund für die Beendigung der Therapie waren. Bei einer medianen Behandlungsdauer von mehr als zwei Jahren wurden keine neuen, bislang unbekannten Nebenwirkungen registriert.

Die Langzeitbehandlung von Patienten mit chronischer ITP mit Eltrombopag war in der EXTEND-Studie mit anhaltender Erhöhung der Thrombozytenzahlen und einer Reduktion der Blutungskomplikationen assoziiert. Begleitende ITP-Therapien konnten abgesetzt werden, ohne dass Rescue-Medikamente benutzt werden mussten. Die Gabe von Eltrombopag wurde für bis zu sechs Jahre gut vertragen, aber es ist sinnvoll, so Bussel, hepatobiliäre Anomalien und Katarakte im Auge zu behalten und bei einer Langzeitbehandlung regelmäßig zu kontrollieren.

jg

Quelle: EHA 2016


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