Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Darzalex
Darzalex
 
Medizin
28. Februar 2013

Immuntherapie mit WT1-reaktiven T-Zellen als ergänzender Therapiebaustein bei Glioblastomen

Manche T-Zellen des Immunsystems sind natürliche Feinde von Krebszellen. Ihre Wirksamkeit in der Therapie hängt offenbar ganz entscheidend davon ab, wie sie auf ihren Einsatz im Organismus vorbereitet werden. Viele T-Zellen des Immunsystems sind grundsätzlich dazu in der Lage, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Die Wissenschaft versucht darum, die Kräfte der T-Zellen für die Behandlung von Krebs auszunutzen. An solchen Immuntherapien arbeiten weltweit viele Forschungseinrichtungen, und auch an der Universität Würzburg gibt es einschlägige Projekte.

Anzeige:
Venclyxto

 

T-Lymphozyten
Abb.: T-Lymphozyten sind Zellen des Immunsystems, die Krebszellen zerstören können. Ihre Aktivität spiegelt sich in der Grafik wider, die im rechten Teil den vermehrten Tod der Tumorzellen anzeigt. (Bild Matthias Wölfl)
 


Matthias Wölfl, Oberarzt an der Universitätskinderklinik, ist einer der Würzburger T-Zell-Experten. Als Postdoc in den USA war er bis 2007 an einem Projekt beteiligt, bei dem es um den Einsatz von T-Zellen gegen Leukämie ging. Jetzt sind die viel versprechenden Ergebnisse des Projekts im renommierten Journal „Science Translational Medicine“ veröffentlicht.

T-Zellen aktivieren und vermehren

Was bei dem Projekt in den USA gemacht wurde? „In jedem Menschen gibt es so genannte WT1-reaktive T-Zellen, die bestimmte Leukämieformen bekämpfen können“, erklärt Wölfl. Doch leider kommen diese Zellen im Körper nur in verschwindend kleinen Mengen vor: Unter einer Million T-Zellen befinden sich nur bis zu zehn der gesuchten Kandidaten.

Um die Zellen in der Therapie einsetzen zu können, müssen sie darum zuerst aus dem Blut „gefischt“ und im Labor so aktiviert werden, dass sie sich teilen und vermehren. Nach einem zwei Monate dauernden Prozess sind schließlich so viele T-Zellen vorhanden, dass sich daraus eine hoch konzentrierte Infusion für die Patienten herstellen lässt.

Überraschung nach 15 Jahren Arbeit

An diesem aufwändigen Projekt des Fred-Hutchinson-Krebsforschungszentrums in Seattle hat Wölfl drei Jahre lang mitgewirkt. Insgesamt stecken aber 15 Jahre Forschungsarbeit in den jetzt veröffentlichten Ergebnissen. Und die bergen eine Überraschung: „Für die therapeutische Wirkung ist es offenbar ganz entscheidend, auf welche Weise man die T-Zellen im Labor aktiviert“, so Wölfl.

Was die Forscher herausfanden: Kommen die T-Zellen bei ihrer Aktivierung mit dem Botenstoff Interleukin-21 in Kontakt, sind sie später weitaus langlebiger und damit auch länger gegen Tumorzellen aktiv. Im Blut der Patienten waren sie bis zu ein Jahr lang nachweisbar. Fehlte dagegen bei der Aktivierung das Interleukin, waren sie schon nach weniger als vier Wochen verschwunden.

Patienten mit hohem Rückfallrisiko

Getestet wurden die T-Zellen an elf Erwachsenen in den USA. Sie alle hatten die üblichen Therapien gegen Leukämie hinter sich und befanden sich in einer schwierigen Ausgangsposition: Alle hatten zuvor auch Stammzelltransplantationen erhalten, bei allen war das Risiko für einen Rückfall sehr hoch.

„Unter diesen Bedingungen dürfen wir froh sein, dass bei einigen Patienten eine Wirkung auf die bösartigen Zellen erreicht wurde. Drei Patienten haben sogar mehr als zwei Jahre lang leukämiefrei überlebt“, so Wölfl.

Nur elf Patienten und keine Kontrollgruppe? „Die Untersuchung war als Phase I/II-Studie angelegt, die am Anfang jeder Arzneimittelentwicklung steht. Die Frage der Wirksamkeit darf man dabei gar nicht stellen, denn dazu müssten weitaus mehr Patienten behandelt werden“, erklärt Wölfl. Dennoch habe die Untersuchung sehr wertvolle Erkenntnisse zum biologischen Verhalten der T-Zellen und zu ihrer Anwendungssicherheit geliefert. Und sie lasse erkennen, dass diese Form der Immuntherapie durchaus Behandlungserfolge verspricht.

Zusätzlicher Baustein der Therapie

„Grundsätzlich können T-Zellen nur ein zusätzlicher Baustein der Therapie sein“, betont Wölfl. Sie kommen für Patienten in Frage, bei denen die Zahl der Krebszellen durch die herkömmliche Behandlung stark verringert wurde: „In dieser Situation greift eine Immuntherapie am besten.“

Immuntherapie gegen Hirntumoren

An der Würzburger Universitätskinderklinik befasst sich Matthias Wölfl ebenfalls mit der Immuntherapie durch T-Zellen. Dabei wird in Kooperation mit den Professoren Paul Gerhardt Schlegel und Matthias Eyrich geprüft, wie T-Zellen zu aktivieren und aufzubereiten sind, damit sie die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen mit bösartigen Hirntumoren (Glioblastomen) verbessern.

Die Projektpartner stecken derzeit mitten in der Arbeit, Patienten können noch nicht behandelt werden. Auch für diesen Therapieansatz gilt, dass er die herkömmliche Behandlung (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung) ergänzen soll. Keinesfalls sei das Verfahren als „neue Wunderwaffe“ gegen Hirntumoren zu bewerten, betont Wölfl.

Das Hirntumor-Projekt wird im bayerischen Forschungsnetzwerk BayImmuNet gefördert und maßgeblich von der „Elterninitiative Aktion Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder Main-Tauber e.V.“ finanziell unterstützt.

Literaturhinweis:
Aude G. Chapuis, Gunnar B. Ragnarsson, Hieu N. Nguyen et al.
Transferred WT1-Reactive CD8+ T Cells Can Mediate Antileukemic Activity and Persist in Post-Transplant Patients.Science Translational Medicine, 27. Februar 2013, Vol. 5, Issue 174, p. 174ra27, DOI: 10.1126/scitranslmed.3004916

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg


Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Das könnte Sie auch interessieren
Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
Bayern+gegen+Leuk%C3%A4mie+%E2%80%93+Gemeinsamer+landesweiter+Aktionstag+f%C3%BCr+Typisierung+am+25.+Mai+2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen...

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immuntherapie mit WT1-reaktiven T-Zellen als ergänzender Therapiebaustein bei Glioblastomen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.