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Medizin

12. Juni 2019 Immunonkologische Therapien: Neue Studiendaten zu Lungen- und Mammakarzinom

Beim diesjährigen ASCO-Meeting war das Unternehmen Roche mit 155 Abstracts vertreten, in denen klinische Studiendaten zu 17 zugelassenen und Prüfpräparaten für insgesamt 27 Krebsentitäten präsentiert wurden, darunter schwer zu behandelnde und seltene Tumoren. Highlights waren Daten zum Lungen- und Mammakarzinom sowie aus dem Bereich der Hämatoonkologie und pädiatrischen Onkologie.
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Phase-III-Studie IMpower150

In der Phase-III-Studie IMpower150 wurde die Behandlung von Patienten mit zuvor unbehandeltem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit dem Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab (Tecentriq®) plus Bevacizumab (Avastin®) + Chemotherapie (Carboplatin + Paclitaxel) (Arm B) gegen Atezolizumab + Chemotherapie (Arm A) sowie Bevacizumab + Chemotherapie (Arm C) getestet. Koprimäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS).

Besonderer Benefit für Patienten mit Lebermetastasen

Beim ASCO-Meeting wurden nun die Daten zum Vergleich von Arm B vs. Arm C vorgestellt. Die 4-Fachkombination (Arm B) war der 3-Fachkombination ohne den Checkpoint-Inhibitor (Arm C) hinsichtlich der beiden Endpunkte OS (median 19,8 vs. 14,9 Monate; HR=0,76; p=0,006) und PFS (HR=0,59; p<0,001) überlegen. Bemerkenswert war, dass Patienten mit Lebermetastasen, deren Prognose ungünstig ist, in besonderem Maße von der 4-Fachkombination profitieren (OS-HR=0,52, PFS-HR=0,41).

Verlängertes OS unter kombinierter Immuntherapie

Auch im Bereich des triple-negativen Mammakarzinoms (TNBC) gab es interessante neue Studiendaten. So wurde die zweite Interimsanalyse der IMpassion130-Studie zum OS vorgestellt, zudem aktualisierte Sicherheitsdaten und patient reported outcomes (PROs). Die Phase-III-Studie testete die Kombination Atezolizumab + nab-Paclitaxel gegen Placebo + nab-Paclitaxel bei 902 TNBC-Patientinnen. Die aktuelle Analyse nach 18 Monaten ergab eine klinisch relevante Verlängerung des OS um median 7 Monate unter der kombinierten Immuntherapie (medianes OS 25 vs. 18 Monate, HR=0,86; p=0,078) bei den PD-L1-positiven Patientinnen. Nach 2 Jahren waren immer noch 51% der PD-L1-positiven Patientinnen am Leben gegenüber 37% im Kontrollarm. In der Gesamtpopulation der Patientinnen (ITT) zeigte sich ein Trend zugunsten der Immuntherapiegruppe, doch wurde das Signifikanzniveau verfehlt. Es wurden keine neuen Sicherheitssignale identifiziert. Wie die Patientinnen selbst berichteten (PROs), schränkte die Kombinationsbehandlung ihre Lebensqualität nicht ein.

Kombination bei CLL reduziert Progressionsrisiko

Ein ASCO-Highlight im Bereich der Hämatoonkologie war die Präsentation der ersten Daten der Phase-III-Studie CLL14, die die 12-monatige chemotherapiefreie Kombination aus Venetoclax + Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab (Gazyvaro®) mit der Kombination Obinutuzumab + Chlorambucil bei Patienten mit zuvor unbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und bestehenden Begleiterkrankungen vergleicht. Die CLL14-Studie wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen CLL-Studiengruppe (GCLLSG) unter Leitung von Prof. Dr. Michael Hallek, Köln, durchgeführt. Wie Dr. Kirsten Fischer, Köln, berichtete, war nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 29 Monaten das PFS der Patienten unter Venetoclax/Obinutuzumab gegenüber Venetoclax/Chlorambucil signifikant verlängert mit einer 65%igen Reduktion des Risikos für Progress oder Tod (HR=0,35; p<0,0001). Zudem zeigten sich unter Venetoclax/Obinutuzumab höhere Raten an MRD-Negativität (< 1 CLL-Zelle unter 10.000 Leukozyten) im Knochenmark (57% vs. 17%; p<0,0001) und im peripheren Blut (76% vs. 35%; p<0,0001) (1). Die Autoren schließen aus den Daten, dass die Kombination Venetoclax/Obinutuzumab bei therapienaiven Patienten mit CLL und Komorbiditäten zu einem tiefen und langanhaltenden Ansprechen führt, das sich in einem längeren PFS widerspiegelt.

Pädiatrische Onkologie: Prüfsubstanz wirkungsvoll

Im Bereich der pädiatrischen Onkologie wurden Daten der Phase-I/II-Studie STARTRK-NG mit der Prüfsubstanz Entrectinib bei Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen rezidivierenden und refraktären soliden Tumoren inklusive Tumoren des ZNS vorgestellt. Entrectinib ist eine in klinischer Entwicklung befindliche orale Substanz der nächsten Generation zur Behandlung von Tumoren mit ROS1- und NTRK-Genfusionen. An der Studie nahmen 29 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 Monaten bis 20 Jahren mit verschiedenen, auch seltenen Tumorentitäten teil. Bei einem Teil der Patienten wiesen die Tumoren molekulare Veränderungen in den Genen NTRK1/2/3, ROS1 oder ALK auf (n=12), bei den anderen (n=17) nicht. Entrectinib zeigte ein signifikant besseres Ansprechen bei allen pädiatrischen Tumortypen mit den Genfusionen (p<0,0001) – auch bei Tumoren des ZNS.
 

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: Media Briefing „Learning from every patient to better care for every patient: It´s in our DNA“, ASCO 2019, Chicago, USA, 31.05.2019; Veranstalter: Roche

Literatur:

(1) Kirsten Fischer K, et al. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 7502).


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